Jung stirbt, wen die Götter lieben

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Grafit, 2009, Titel: 'Jung stirbt, wen die Götter lieben', Originalausgabe

Couch-Wertung:

49
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Rita Dell'Agnese
Wenn Römer wie moderne Menschen handeln...

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2009

Kurzgefasst:

In der Provinz Germanien gärt es. Immer wieder stören chaukische Seeräuber durch Überfälle den Frieden, erschweren den Handel zwischen den Römern und einzelnen germanischen Stämmen. Nun sollen die Friesen ihre Nachbarn in die Schranken weisen. Als jedoch das Mitglied einer chaukischen Delegation in der Colonia Agrippininesis erschlagen aufgefunden wird, drohen diplomatische Verwicklungen - und der Überraschungsangriff der Friesen scheint gefährdet. Der junge Römer Quintilianus soll retten, was zu retten ist und den Mörder ausfindig machen. Aber ist die Wahrheit wirklich erwünscht?

 

"Römer verpisst Euch" ist nicht etwa eine Schmiererei auf einer U-Bahn-Tunnelmauer einer modernen Grossstadt - es ist vielmehr eine politische Parole, die von der aufgebrachten Bevölkerung von Colonia Agrippinensis in der Provinz Germanien des Römischen Reiches auf die Hausmauern gepinselt wurde. Denn in der Colonia gärt es, seit die Römer ein paar Friesen in Haft genommen haben, die angeblich einen chaukischen Diplomaten ermordeten. Der junge Römer Quintilianus versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Sein Sklave Livius ist ihm dabei eine wichtige Hilfe. Bei Jung stirbt, wen die Götter lieben bekommt der Krimi-Freund all das serviert, was einen leicht lesbaren Kriminalroman ausmacht. Weniger glücklich dürften hingegen diejenigen Leserinnen und Leser sein, die sich auf einen historisch fundierten Roman aus der Römerzeit gefreut haben. Denn nicht nur die Schmiererei mutet etwas seltsam an, auch die Schilderung, dass Quintilianus von seinen Kollegen zum Geburtstag gratuliert wird und er auf Gratulationspost von seiner Mutter und Schwester aus Rom hofft, lässt irritiert innehalten.

Modernes Verhalten

Genau diese an verschiedenen Stellen aufkommenden Irritationen nehmen dem Roman einiges an Fahrt. Die Protagonisten verhalten sich wie moderne Menschen. Quintilianus vertieft sich ins Aktenstudium, die Tochter des Statthalters tauscht mit einer Freundin eine Art von Briefen aus und es gibt eine recht aktive Untergrundbewegung. Dadurch wollen die Charaktere einfach nicht so recht in die Zeit passen, in der der Roman spielt. Obwohl man grundsätzlich mit den Protagonisten schnell warm werden könnte - wenn auch die eine oder andere Handlung von Quintilianus ganz und gar nicht ehrenvoll oder sympathisch ist - bleibt der Roman über weite Strecken unpersönlich und oberflächlich.

Rätselhafter Titel

Ein unnötiges Geheimnis machen die beiden Autorinnen Karola Hagemann und Ilka Stitz aus dem Titel des Buches. Der ermordete chaukische Diplomat scheint ebenso wenig ein Liebling der Götter zu sein, wie der von den Friesen hingerichtete Spion, der ohnehin nur eine winzige Nebenrolle einnimmt. Was es mit dem Ausspruch Jung stirbt, wen die Götter lieben auf sich hat, erfährt der Leser erst in den letzten Zeilen des Buches. Dadurch wirken sowohl Titel als auch Ende des Romans aufgesetzt und an den Haaren herbei gezogen. Besonders beim Schluss kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass noch schnell nach einer Lösung gesucht worden ist, die aber nicht richtig ausgereift ist.

Sprachlich gut umgesetzt

Während an den Inhalt dieses historischen Krimis keine zu hohen Ansprüche gestellt werden sollten, kommt das Buch sprachlich ansprechend daher. Der Roman lässt sich flüssig lesen und das eingängig aufgelistete Personenverzeichnis stellt eine wertvolle Hilfe dar.

Zu empfehlen ist Jung stirbt, wen die Götter lieben allerdings wirklich nur jenen Personen, die sich eine an der Oberfläche schwimmende nette Kriminalgeschichte wünschen und den historischen Hintergrund lediglich als eine hübsche Kulisse verstehen. Wer sich mit der Römerzeit und der Besetzung von Germanien auseinandersetzen möchte, sollte zu diesem Buch nur unter Vorbehalt greifen.

 

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