Das Leonardo-Papier

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2009, Titel: 'Das Leonardo-Papier', Originalausgabe

Couch-Wertung:

71
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Rita Dell'Agnese
Das Buch wird seinem Titel nicht so ganz gerecht

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2009

Kurzgefasst:

England 1821: Georgina Fielding ist im besten heiratsfähigen Alter, interessiert sich aber mehr für Geologie als für potenzielle Ehemänner. Als sie eine wertvolle Fossiliensammlung und ein rätselhaftes Notizbuch erbt, ist ihre Neugier geweckt. Mithilfe des Reiseschriftstellers Justus von Arnau begibt sie sich auf die Spurensuche. Rätsel gibt ihnen insbesondere eine einzelne Manuskriptseite auf. Sie ist in Spiegelschrift geschrieben wie die Werke Leonardo da Vincis - und hat einen brisanten Inhalt...

 

Georgina wächst im Haus ihres Grossvaters ohne viel Liebe auf. Der Grossvater begegnet ihr ohne jedes Interesse, die Schwester ihrer verstorbenen Mutter möchte Georgina so schnell wie möglich gut verheiraten. Doch Georgina sieht ihr Glück nicht in einer Ehe. Seit früher Kindheit interessiert sich die junge Frau für Geologie. Doch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stehen die Türen der Universitäten Frauen nicht offen und so muss sich Georgina darauf bescheiden, ihre Liebe zu Steinen als reines Hobby zu betreiben. Bis sie eine geheimnisvolle Truhe erbt. Nebst einer umfangreichen Sammlung von versteinerten Fossilien findet sie darin auch ein Tagebuch und ein Dokument, mit dem sie zunächst wenig anfangen kann. Die aufgeweckte junge Frau kommt aber nach und nach dem Geheimnis auf die Spur und entdeckt Erschütterndes.

Faszinierende Details

Die Autorin Susanne Goga hat in ihren ersten, rein historischen Roman eine Fülle von faszinierenden Details eingearbeitet. Der Leser wird mit dem Konflikt geologischer Erkenntnisse mit dem christlichen Glauben konfrontiert. Gleichzeitig kann er teilhaben an der Entdeckung von ganz speziellen Fossilien, die in dem langsamen Begreifen um die Entstehung der Erde eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Durch die Protagonistin Georgina wird auch deutlich, mit welchen Hürden eine wissenschaftlich interessierte Frau um 1820 zu kämpfen hatte. Mit viel Feingefühl verleiht Susanne Goga der jungen Georgina emanzipierte Züge, die vor allem von der eigenwilligen Grosstante Aga, die früh Witwe wurde und ein eigenständiges Leben lebt, gestützt werden.

Zu viele Zufälle

So fein das Gewebe des Romans im Grunde gestrickt ist, so banal wirkt die darin eingeflochtene Liebesgeschichte. Sie bleibt stets an der Oberfläche, wird durch blosses Erzählen sichtbar, nicht aber durch Handlungen oder Gefühle der betroffenen Personen. Es ist, als würde sich hier eine Vernunftehe anbahnen und nicht etwa eine die gesellschaftlichen Konventionen sprengende Beziehung. Ebenfalls einen etwas schalen Geschmack hinterlassen die vielen Zufälle, die nicht nur Georgina auf die Spur ihrer Vorfahren bringen, sondern auch ihren Verehrer mit ihrer Vergangenheit verknüpfen. Es hätte dem Roman keinen Abbruch getan, hier die Dinge etwas weniger dem Zufall zu überlassen und schlüssigere Handlungsstränge zu präsentieren.

Verwirrendes Bild

Von Georgina wird ein sehr verwirrendes Bild gezeichnet. Einerseits ist sie eine beherzte junge Frau, die sich nicht nur konsequent ihr Wissen erarbeitet, sondern auch gegen Konventionen verstösst, um ihren Weg zu gehen. Gleichzeitig fragt sich die junge Frau aber nie, weshalb sie im Haushalt des Vaters ihrer verstorbenen Mutter lebt und deren Namen trägt. Dies, obwohl sie sich danach sehnt, mehr über ihre Eltern zu erfahren.

Zu wenig Gewicht

Schade schliesslich ist auch, dass das eigentliche Thema, um das laut Buchtitel ja geht, nämlich das Leonardo-Papier, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zudem verrät der Titel schon mal eine der Pointen und nimmt damit recht viel Spannung weg. Damit hinterlässt der Roman ein ambivalentes Gefühl: Sowohl das Thema als auch die Grundbausteine sind sehr gut gewählt. Sprachlich angenehm umgesetzt entführt das Buch in eine bewegte Zeit. Den Protagonisten hingegen fehlt es mit wenigen Ausnahmen (beispielsweise Tante Aga) an Farbe und Charisma. Es kann weder eine tiefe Verbundenheit mit Georgina aufkommen, noch vermag eine der anderen Hauptfiguren wirklich zu überzeugen. Sehr empathisch sind hingegen die kleinen Schauplätze am Rande aufgebaut. Hiervon würde man sich mehr wünschen.

Im Großen und Ganzen hat Susanne Goga viel Potenzial. In Das Leonardo-Papier ist das allerdings noch nicht in wirklich überzeugender Weise zum Ausdruck gekommen. Der Roman vermag sich kaum von der breiten Masse abzusetzen und bleibt dadurch auf der Schiene: "Nettes Leseerlebnis, aber nicht mehr".

 

Das Leonardo-Papier

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