Blut und Silber

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2009, Titel: 'Blut und Silber', Originalausgabe

Couch-Wertung:

81
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Rita Dell'Agnese
Düsteres Kriegs-Epos - Nichts für empfindliche Gemüter

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2009

Kurzgefasst:

Deutschland 1296: König Adolf von Nassau setzt eine gewaltige Streitmacht gegen das sächsische Freiberg in Bewegung, um die reiche Silberstadt in die Knie zu zwingen. Unter den Bürgern entbrennt ein heftiger Streit: Dürfen sie sich ihrem König widersetzen? In den Reihen der Freiberger, die die belagerte Stadt heldenhaft verteidigen, kämpfen auch Änne, eine Nachfahrin der Hebamme Marthe, und die Gauklerin Sibylla. Entsetzt müssen sie miterleben, wie Freiberg blutig erobert wird - durch Verrat!

 

Wahrlich, Blut und Silber wird seinem Titel mehr als gerecht. Denn in dem über 700 Seiten starken, vierten Roman von Sabine Ebert geht es mehrheitlich um blutige Kriege, Verrat, Menschenverachtung - und Silber. Wer den Detailschilderungen von Schlachtengetümmel mit entsprechenden Verletzungen wenig abgewinnen kann, wird allerdings schon während des ersten Teils die Frage stellen müssen, ob er das Buch wirklich zu Ende lesen will. Denn die in allen Details geschilderte Belagerung Freibergs ist wenig ereignisreich - bis eben auf die blutigen Momente. Fahrt gewinnt das Buch erst im zweiten Teil, bleibt aber dem Grundtenor "Blut" auch hier treu. Und wem Verzweiflung, Brutalität und Folter langsam zu viel geworden sind, der kann sich wenigstens über ein paar schön geschilderte Protagonisten freuen. Diese sind es ohnehin, die die Stärke des Buches ausmachen. Zwar bleibt Änne, die Nachfahrin Marthes aus der Hebammen-Trilogie eine weitgehend unspektakuläre bis farblose Persönlichkeit, doch die verschiedenen "Helden" haben allesamt einen spannenden Charakter verpasst bekommen. Dass Änne mit ihrem ambivalenten Wesen kaum berührt, ist nicht weiter tragisch. Doch ist es schade, dass die Autorin mit regelmäßig eingestreuten Hinweisen auf die "berühmten" Vorfahren Ännes die Erwartungen der Leserschaft hochschraubt, ohne sie letztlich zu erfüllen.

Geschichte aufarbeiten

Der Autorin dürfte es unter anderem darum gegangen sein, in diesem Roman die Geschichte um die Stadt Freiberg und deren Herrscher Friedrich von Wettin aufzuarbeiten. Dies ist ihr mit Bestimmtheit gelungen. Doch geschah es etwas auf Kosten des Lesegenusses. Wer nicht unmittelbar aus der Gegend stammt und ein vertieftes Interesse an den Geschehnissen rund um Freiberg aufbringt, hat es nicht leicht, mit der Geschichte klar zu kommen. Vor allem stossen mit der Zeit die Schilderungen von der Verarztung der Kriegsverletzungen etwas sauer auf. Hier hätte mehr Zurückhaltung gut getan - selbst wenn es Ziel der Autorin gewesen sein sollte, die Gräuel des Krieges in seinen ganzen Facetten erlebbar zu machen.

Auflehnung gegen ungerechte Könige

In ihrem Roman hat sich Sabine Ebert auf die Seite des Hauses Wettin gestellt und aus deren Sicht geschildert, wie Friedrich und auch sein jüngerer Bruder Diezmann mehrmals von unlauteren Königen um ihr wahres Erbe gebracht wurden. In blutigen Schlachten und dank tapferen Rittern, die treu zum Hause Wettin standen, gelang es Friedrich immer wieder, sich zumindest einen Teil des ihm zustehenden Gebietes zurück zu holen. Hintergrund dieser kriegerischen Auseinandersetzungen dürfte vor allem der Silberreichtum Freibergs gewesen sein. Die Gauklerin Sibylle und die verzagte Änne, die mit ihren visionären Träumen die Gräuel in Freiberg mehr als einmal vorausgesehen hat, ergänzen den Reigen der tapferen - männlichen - Helden.

Schöne Gestaltung

Positiv überrascht die schöne Gestaltung des Hardcovers. Der Plan von Freiberg auf der Buchdeckel-Innenseite wie auch das umfangreiche Personenregister zu Beginn des Romans und die Erklärungen mit abschließendem Glossar am Ende des Buches sind ein echtes Plus und geben auch dem Ortsunkundigen einen Eindruck von den Verhältnissen in Freiberg.

Zu empfehlen ist Blut und Silber nicht nur den Fans von Sabine Ebert, sondern all jenen, die bluttriefende Kriegsschilderungen lieben. Wer daran weniger Freude findet, tut gut daran, auf die Lektüre zu verzichten.

 

Blut und Silber

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