Das Herz der Nacht

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2009, Titel: 'The Heart of the Night', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Kirsten Lambeck
Geschäftsmann sucht kultivierte und gebildete junge Frau, Engländerin, zwischen 18 und 20 Jahren als Gesellschafterin für seine Tochter

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Okt 2009

Kurzgefasst:

Der russische Millionär Denisov stellt 1936 in London die mittellose Kay Garland als Gesellschafterin für seine 16-jährige Tochter Miranda ein - der Grundstein für eine großartige Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Mädchen. Zwei Jahre später zieht Kay mit den Denisovs nach Berlin. Auf einer gemeinsamen Reise verliebt sich Miranda in den Pariser Filmemacher Olivier. Kay verhilft dem Liebespaar zu heimlichen Treffen. Als Denisov dennoch von der Beziehung erfährt, entläßt er Kay und unterbindet jeden Briefverkehr zwischen den Freundinnen. Mittellos kehrt Kay nach London zurück, während Miranda statt Olivier einen ostpreußischen Grafen heiratet...

 

Diese Anzeige verändert das Leben zweier grundverschiedene Mädchen für immer: Kay Garland, ein junges, mittelloses Mädchen aus London wird die Gesellschafterin und schnell auch beste Freundin der reichen, aber einsamen Miranda Denisov. Aber die gemeinsame Zeit ist kurz: Ein Jahr lang nur bereist Kay gemeinsam mit den unsteten Denisovs Europa, dann wirft Mirandas despotischer Vater Kay hinaus - sie hatte Mirandas Treffen mit dem Filmemacher Olivier gedeckt.

Zwei miteinander verwobene Lebensgeschichten

Lennox begleitet beide Frauen, Kay und Miranda von der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. In weiten Strecken entwickeln sich die Biographien der beiden eher nebeneinander her, Kay und Miranda treffen aber immer wieder kurz aufeinander und halten ihre Freundschaft gegen alle Widerstände aufrecht.

Eine platonische Liebe und eine Vernunftheirat

Doch ihr Lebensalltag ist gänzlich unterschiedlich: Kay gelingt es, nach dem Rauswurf ohne Geld und Papiere zurück nach London zu gelangen. Dabei lernt sie Tom kennen, einen ehrgeizigen jungen Mann, der als Assistent eines Professors arbeitet. Tom und Kay bleiben durch die kommenden Kriegswirren und beider Suche nach der großen Liebe stets platonische Freunde, doch die Leserin ahnt, dass eigentlich genau diese beiden füreinander gemacht sind.

Nach der Trennung von Kay überwacht Mirandas Vater seine Tochter umso strenger: Gegen die geschäftlich vorteilhafte Heirat, die ihr Vater für sie arrangieren will, kann sie sich aber wehren. Schließlich entschließt sie sich, einen deutschen Grafen zu heiraten, der sich sehr um sie bemüht. Mit ihm gemeinsam lebt sie auf einem Rittergut in Masuren und genießt erstmals in ihrem Leben ein Zuhause. Ihre erste Liebe, den jungen Filmemacher Olivier, vergisst sie aber nie. Auch das beschauliche Leben in Masuren dauert nicht lange: Der Zweite Weltkrieg bricht aus, trennt sie von ihrem Mann und stellt sie vor enorme Herausforderungen.

Große Gefühle garantiert

Ein Roman von Judith Lennox ist immer ein Garant für großes Gefühlskino. Hier ist es nicht anders: Heimliche Liebe, ein strenger und unmenschlicher Vater, tiefe Freundschaft, verlorene Hoffnungen und erfüllte Sehnsüchte - damit ist in Das Herz der Nacht immer zu rechnen. Aber das ist auch die Kunst von Judith Lennox: Die Figuren sind viel zu plastisch, die Kulisse viel zu dramatisch und die Handlung viel zu mitreißend, um nur den Roman "nur" zum kitschigen Liebesroman zu machen.

Liebes- und Gesellschaftsroman vor Kriegskulisse

Die akribisch dargestellte Kulisse der Londoner und Pariser Vorkriegsgesellschaft macht "Das Herz der Nacht" zu einem veritablen Gesellschaftsroman, der aber Rosamunde Pilcher locker um Längen schlägt. Es macht Spaß und unterhält großartig, das Leben der beiden so unterschiedlichen Mädchen zu verfolgen, die beide auf ihre Weise um ihr Glück kämpfen.
Auch die Parallelentwicklung der Geschichte, die lange Zeit ohne eine Begegnung oder - während des Krieges - auch nur einen Kontakt der beiden Protagonistinnen auskommt, ist ausnehmend gut gelungen. Die Kriegserlebnisse auf beiden Seiten der Front, in Masuren während der russischen Vormarsches und im England der Bombenangriffe werden geschickt miteinander verknüpft und machen den Wahnsinn des Krieges deutlich, der durch eine reine Reihe von Zufällen zwei Freundinnen auf verschiedene Seiten stellt.

Ein wunderbarer Schmöker zum Hineinfallen

Das Herz der Nacht erfüllt alle Erwartungen an einen Roman von Judith Lennox: er unterhält hervorragend, reißt mit und rührt teilweise zu Tränen, ohne ein Gefühl von klebrigem Kitsch aufkommen zu lassen.

Das Herz der Nacht

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