Das Vermächtnis des Martí Barbany

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • C. Bertelsmann, 2008, Titel: 'Te daré la tierra', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88
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Carsten Jaehner
Von den Hürden, ein Bürger Barcelonas zu werden

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2009

Kurzgefasst:

Barcelona, 1052: Der 18-jährige Martí steht vor den Toren der mittelalterlichen Stadt, um dort das Erbe seines verstorbenen Vaters anzutreten und in der verheißungsvollen Metropole ein neues Leben zu beginnen. Schon bald hat er sich zu einem respektierten Handelspartner hochgearbeitet. Nur Bernard Montcusí, Finanzberater des Grafen, bekämpft den Neuankömmling hinterhältig. Doch Martí ist von seiner Gunst abhängig, denn er hat sich unsterblich in dessen Stieftochter Laia verliebt.

 

Ermesenda von Carcassone hat mit harter, aber gerechter Hand über die Grafschaft Katalonien geherrscht. Man schreibt das Jahr 1052, und ihr Enkel Ramón Berenguer I. hat inzwischen die Regentschaft übernommen. Doch es kommt zur gesellschaftlichen Katastrophe: Der verheiratete Graf verliebt sich unsterblich in die Frau eines anderen und beschwört damit eine große Krise im Lande herauf.

Im selben Jahr wird Martý Barbany 18 Jahre alt. Von seinem bereits gestorbenen Vater, den er kaum gekannt hat, erbt er einen Brief, der ihn nach Barcelona führt und der ihn erstaunlicherweise zu einem reichen Mann macht. Zusammen mit dem Geistlichen Eudald Llobet, einem Freund seines Vaters, und dem Juden Baruch Benvenist, dem Verwahrer von dessen Testament, beginnt Martí, sein großes Ziel in Angriff zu nehmen: Bürger von Barcelona zu werden.

Beim Kauf von Sklaven für seinen Haushalt verliebt er sich unsterblich in Laia Betancourt, die Stíeftochter von Bernat Montcusí, einem einflussreichen Händler am Hof des Grafen. Martí beginnt, mit ihm Geschäfte zu machen und lernt so Laia kennen und lieben, die allerdings erst vierzehn Jahre alt ist. Montcusí allerdings hat für seine Stieftochter andere Pläne, und die will er umsetzen, solange Martí zwei Jahre auf Geschäftsreisen ist. Als Martí erfolgreich wiederkommt, weiß er noch nicht, dass sein Geschäftspartner gleichsam zu seinem Gegenspieler geworden ist, und es beginnt eine Auseinandersetzung der beiden gegeneinander. Derweil spitzen sich auch die politischen Verhältnisse zu.

Traditionen im blühenden Barcelona

Chufo Lloréns führt den Leser in seinem 700 Seiten starken Roman in ein Barcelona nach der Jahrtausendwende, das im Aufbruch befindlich ist. Die Seefahrt blüht, und auch die Regenten scheinen von all zu harten Methoden abzusehen. In diese Zeit kommt ein Junge vom Lande, der umsichtig seine eigenen Ideen umsetzt und in Barcelona zu einem wichtigen Geschäftsmann wird. Lloréns schafft es, den Leser in diese Zeit zu entführen, wenn auch sprachlich gerade zu Beginn etwas einfach gehalten, was aber auch mit der Übersetzung zusammenhängen kann.

Die Figuren sind klar gezeichnet, gerade dann, wenn sie zwielichtiger werden und mehr Ecken und Kanten bekommen. Martí selber kommt als sympathischer junger Mann daher, dem man auch ein paar Macken gegönnt hätte, das aber ist von allen Charakteren der einzige Makel.

Lloréns hat seine Hausaufgaben gemacht, das merkt man an den Beschreibungen der Regeln und Traditionen der Christen und der Juden in Barcelona, das rechtlich teilweise anders gestellt war als andere Städte. Wer aus dem Call, dem Judenviertel, verstossen wird, wer das Bürgerrecht bekommen darf, wer seine Ehe wie annullieren lässt, wer wen heiraten darf, all das ist genau recherchiert und zeigt dem Leser ein mittelalterliches Katalonien auf, das blüht und gedeiht.

Verschiedene Schicksale werden verknüpft

Dramaturgisch geschickt baut Lloréns seine Handlung auf. Liegen die Erzählebenen zunächst ein halbes Jahr und mehrere Gesellschaftsschichten auseinander, so werden die verschiedenen Ebenen immer wieder zusammengeführt und gehen wieder auseinander. So verfolgt man immer mehrere Erzählstränge, ohne dass man durcheinander gerät. Mehr kann hier inhaltlich leider nicht verraten werden, denn es geschehen einige unvorhersehbare Ereignisse, die Martí und sein Glück auseinanderbringen. Zwar verläuft die berufliche Karriere von Martí Barbany relativ gerade, aber so mancher Haken wird geschlagen, um schließlich zu einem recht spannenden Finale zu kommen, das auch etwas anders gerät, als man das vielleicht gedacht hat.

Vom Umfang und von Sujet her mag der Leser an Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones erinnert werden, allerdings haben die beiden Romane außer dem Handlungsort nicht viel gemeinsam. Ein Stammbaum der Grafendynastie zu Beginn des Romans sowie ein Nachwort, ein Glossar, ein Personenverzeichnis, Karten und eine Bibliographie runden einen rundum gelungenen Roman ab, der nur am Anfang etwas holperig und einfach daherkommt. Doch sobald die Geschichte an Fahrt aufgenommen hat, gerät man in den Bann der Zeit. Ein großer Roman mit ansprechendem Cover, von dieser Art würde man gerne mehr lesen.

Das Vermächtnis des Martí Barbany

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