Roons letzter Flug

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  • Erschienen: Januar 2009
  • , 2009, Titel: 'Roons letzter Flug', Originalausgabe
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Birgit Stöckel
78

Histo-Couch Rezension vonSep 2009

Ein interessantes und einmal ganz anderes historisches Buch

Kurzgefasst:

Shanghai 1909: Der Opiumhandel blüht und mit ihm das Treiben der Unterwelt. Die Stadt ist ein Sammelbecken für Betrüger, Schurken und Draufgänger aus der ganzen Welt. Der junge Ire Seamus O'Nolan hat es dank einer Handvoll gestohlener Empfehlungsschreiben und durch Protektion seines Onkels zu einem angesehenen Polizeioffizier gebracht. Doch führt er ein Leben in zwei Welten: Am Tage verkehrt er in den vornehmen Kreisen der Taipans und Hongs. Nachts macht er Geschäfte mit illegalem Glücksspiel und Erpressung. O'Nolan freundet sich mit dem deutschen Offizier Roon an, der anlässlich des International Walking Contest dem gesellschaftlichen Ereignis des Jahres mit seinem Flugzeug zur Schau über Shanghai fliegen soll. Er zieht Roon immer mehr in seine korrupten Machenschaften hinein. Als Roon eines Tages die wahre Identität O'Nolans aufdeckt, schmiedet dieser einen teuflischen Plan, um ihn loszuwerden.

 

Shanghai 1912: Der "International Walking Contest", das gesellschaftliche Ereignis des Jahres, steht bevor und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Daher befindet sich auch der deutsche Offizier Roon in der Stadt, denn er soll als Höhepunkt während des Contests mit seinem Flugzeug zur Schau über Shanghai fliegen. Er trifft auf den angesehenen, irischen Polizeioffiziers Seamus O'Nolan, der die Nähe des Deutschen sucht, da ihn die Flugkunst fasziniert. Bald bemerkt Roon, dass O'Nolan längst nicht so anständig ist, wie er tut. Er hat weit reichende Kontakte in die Unterwelt und beteiligt sich rege an Glücksspiel und Erpressung, was er vor allen anderen sorgfältig zu verbergen sucht. Da Roon in seiner Ehrlichkeit davor zurück schreckt und O'Nolan sein angenehmes Leben nicht gefährden möchte, spitzen sich die Ereignisse bald dramatisch zu.

Ein wohltuend anderes historisches Thema

Kloubert erzählt in seinem Roman eine Geschichte, die einmal nicht im Mittelalter spielt und auch nicht von starken Frauen oder Männern berichtet, sondern in einem Land angesiedelt ist, über das es eher wenig historische Romane gibt: China. Seitdem Ende des Opiumkrieges war China gezwungen, sich auch für den europäischen Handel zu öffnen, und Shanghai nahm dabei eine besondere Stellung ein, da es der wichtigste Hafen Ostasiens war. Nach und nach siedelten sich immer mehr europäische Länder dort an und übernahmen die "Herrschaft" über die Stadt.

In präziser, wohl formulierter Sprache beschreibt Kloubert das Leben dort zur damaligen Zeit mit seinen Clubs, in die nur die gesellschaftlich hochgestellten Persönlichkeiten Zugang hatten, mit dem illegalen Glücksspiel, das in der Unterwelt prächtig gedieh und mit den Eifersüchteleien zwischen den Vertretern der einzelnen Nationen. Besonders das Kolonialherrenverhalten lässt sich in diesem Roman erkennen. Chinesen werden zum Beispiel in einem Atemzug mit "Negern und anderen Halbaffen" genannt. Auch ansonsten springen die Kolonialmächte nicht gerade zimperlich mit der einheimischen Bevölkerung um, und der Versuch eines Chinesen, gegen einen Engländer vor Gericht zu siegen, sieht nicht rosig aus. Ebenso ist es faszinierend zu sehen, wie leicht sich jemand wie O'Nolan, der kaum Skrupel kennt, bereichern und dafür Unschuldige ins Messer laufen lassen kann. Genauso wie die Zustände, die sich bei einem Blick hinter die Fassaden zeigen, jemanden wie Roon in tiefe Gewissenskonflikte stürzen können.
Untermalt ist das ganze mit einem zum Teil sehr humorigen Ton. Die Beschreibungen über die Festlegung der Regeln des "International Walking Contest" und der Zuständigkeiten innerhalb des Komitees lassen den Leser immer wieder schmunzeln. Dabei kann man feststellen, dass Bürokratie beileibe keine Erfindung der heutigen Zeit ist.

Fremde Ausdrücke erschweren den Lesefluss

Getrübt wird das Lesevergnügen allerdings durch die Art des Autors, fremdsprachige (vor allem chinesische) Ausdrücke einfließen zu lassen, die nirgends erklärt werden, da es kein Glossar gibt. Ebenso werden einige Redewendungen häufig benutzt, die in unserer heutigen Zeit nicht mehr gebräuchlich sind und daher das Verständnis etwas erschweren.

Weiter fällt negativ der hohe Preis auf. Das Buch hat nur ca. 180 Seiten und ist von den Maßen nicht größer als ein Taschenbuch, auch wenn es eine gebundene Ausgabe ist. Die neunzehn Euro, die dafür verlangt werden, dürften einige potenzielle Leser vom Kauf abhalten.

Insgesamt ist Roons letzter Flug kein Buch, das man nebenbei lesen kann, denn dafür ist die Sprache des Autors zu komplex, die Andeutungen oft zu unauffällig. Doch wer sich daran und an dem doch recht hohen Preis nicht stört, den erwartet ein interessantes und farbenprächtiges Buch über eine Gegend und eine Zeit, über die wenig geschrieben wird, über die man aber am Ende der Lektüre gerne noch mehr erfahren würde.

 

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