Schimmelmann - Schatzmeister des Königs

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  • Erschienen: Januar 2009
  • , 2009, Titel: 'Schimmelmann - Schatzmeister des Königs', Originalausgabe
Schimmelmann - Schatzmeister des Königs
Schimmelmann - Schatzmeister des Königs
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Jörg Kijanski
75

Histo-Couch Rezension vonSep 2009

Genialer Geschäftsmann oder gefühlskalter Sklavenhändler?

Kurzgefasst:

Für die einen ist Heinrich Carl Schimmelmann ein erfolgreicher Geschäftsmann, der es zu Reichtum und politischem Einfluss gebracht hat, andere sehen in ihm den skrupellosen Sklavenhändler, der sein Amt als Schatzmeister des dänischen Königs zum eigenen Vorteil nutzte. Bei seinem Tod im Jahr 1782 war Schimmelmann der reichste Bürger im Norden, besaß Schlösser, Palais und Herrenhäuser, Plantagen und Fabriken, war sogar in die exklusive Gemeinschaft der schleswig-holsteinischen Ritterschaft aufgenommen worden.

Sein turbulentes und aufregendes Leben zwischen Dresden, Hamburg und Kopenhagen wird in dem vorliegenden Roman erzählt.

 

Man muss vorab darauf hinweisen, dass es sich bei Schimmelmann - Schatzmeister des Königs nicht um einen klassisch aufgebauten historischen, sondern um einen "dokumentarischen" Roman handelt. Will sagen, dass hier anhand historischer Dokumente und wissenschaftlicher Fakten die Lebensgeschichte von Heinrich Carl von Schimmelmann erzählt wird. So finden beispielsweise "Gespräche" nur indirekt oder insoweit statt, als dass aus Briefen und anderen Dokumenten zitiert wird (wenn überhaupt). So ist beispielsweise zu lesen:

 

 

Noch besitzt er "völlig meine Freundschaft und Liebe", lässt Schimmelmann den Neffen wissen...

 

Doch wer war überhaupt besagter Heinrich Carl von Schimmelmann? Ein genialer Finanz- und Wirtschaftsexperte oder doch nur ein verachtungswürdiger Sklavenhändler?

Heinrich Carl von Schimmelmann wird am 13. Juli 1724 in Demmin geboren und stammt aus überschaubaren Verhältnissen. Der Vater war Kaufmann, später Ratsherr, und so überrascht es nicht, dass der auf penible Ordnung bedachte Sohn ebenfalls den Weg in die Geschäftswelt sucht. Als junger Kaufmann macht sich der Preuße Schimmelmann ausgerechnet auf den Weg nach Dresden, nachdem er soeben eine umfangreiche Proviantlieferung für das preußische Heer vereinbart hat. In Dresden regiert der sächsische Kurfürst Friedrich August II., der gleichzeitig in Polen als König August III. herrscht. Nach einer Kontaktaufnahme zu dessen Kanzler, dem Grafen Brühl, tätigt Schimmelmann in Dresden erste erfolgreiche Geschäfte. In Wahrheit spekuliert er jedoch auf einen Krieg zwischen Preußen und Sachsen und als dieser endlich eintritt (Friedrich fällt am 29. August 1756 mit 60.000 Soldaten in Dresden ein), ist Schimmelmann der große Gewinner, da er gleich mit beiden Seiten Geschäfte tätigt.

Kaum hat das preußische Heer die ungleiche Schlacht für sich entschieden, winkt erneut ein großes Geschäft, denn die Soldaten wollen ernährt werden. Nur Schimmelmann verfügt inzwischen über entsprechende Finanzmittel, und so kauft er Friedrich für 120.000 Taler das "weiße Gold" der Stadt, sprich das gesamte Porzellan der Manufaktur Meißen, ab. Da die politische Lage erneut unsicher wird, zieht Schimmelmann nach Hamburg, wo er mit großem Gewinn das edle Porzellan an die gutbetuchte Bürgerschaft bringt. Die Landesväter hingegen sind skeptisch angesichts des rasanten wirtschaftlichen Aufstieges des Emporkömmlings und verweigern diesem zunächst das Bürgerrecht.

Schimmelmann, der bis dahin überwiegend mit Lebensmitteln, Stoffen und Gewehren gehandelt hat, eröffnet sich die Möglichkeit, im Jahr 1760 eine eigene Münzprägefabrik zu eröffnen. Dies passt - natürlich - wunderbar, denn Hamburg ist zu dieser Zeit noch von Dänemark abhängig, und wie es der Zufall will, so besteigt Prinz Karl Peter Ulrich als Peter III. nur zwei Jahre später den russischen Zarenthron. Als Verehrer Friedrichs beendet Peter III. den Krieg gegen Preußen umgehend und mobilisiert stattdessen gegen Dänemark. Was benötigen die Dänen nun am meisten? Richtig, Geld für den bevorstehenden Krieg und so wendet man sich an den inzwischen bekannten Hamburger Kaufmann. Diesen zieht es fortan weg von Preußen hin nach Kopenhagen. Dort erhält er zunächst nur ebenso hoch klingende wie unbedeutende Titel, wird aber am 6. Juni 1768 von König Christian VII. zum "Königlichen Schatzmeister" ernannt.

Am 15. Februar 1782 stirbt Schimmelmann im Alter von nur 57 Jahren. Allein der dänische König verfügt zu jener Zeit über einen größeren Besitz. Was sich in der Zeit von 1768 bis 1782 ereignet hat, soll hier nicht "verraten" werden, denn vielleicht möchten Sie das Buch ja selber lesen und dann sollte doch noch ein klein wenig Spannung übrig bleiben. Das Buch endet jedenfalls mit dem Untergang des Schimmelmannschen Vermögens, verwaltet von seinem ältesten Sohn Ernst, nur rund zwanzig Jahre nach dessen Tod.

So liest sich die Geschichte über Heinrich Carl von Schimmelmann wie eine beeindruckende Erfolgsstory, wäre da nicht die gänzlich unrühmliche Geschichte mit den bereits erwähnten Sklaven. 1755 erwirbt der dänische König die Karibikinseln St. Thomas, St. John und Saint Croix, besser bekannt als die Jungferninseln. Dort gibt es zahlreiche Plantagen, auf denen Rohzucker hergestellt wird, jedoch arbeiten diese Plantagen recht unrentabel. Zwei entsandte Fachleute des Königs fordern in einem Gutachten eine Investition von über 80.000 Reichstalern und kommen ferner zu dem Ergebnis, dass die schwere Arbeit nur von Sklaven geleistet werden kann. Obwohl man eigentlich nicht verkaufen will, so zwingt die nach wie vor klamme staatliche Kassenlage letztlich doch zum Verkauf und so erwirbt Schimmelmann vier Plantagen im entlegenen Westindien.

Damit beginnt der Einstieg in das "dunkle" Kapitel seiner Erfolgsgeschichte, nämlich der Weg in den Sklavenhandel. Diese werden mit einem speziellen Brandzeichen versehen, damit sie nach einer möglichen Flucht wieder zugeordnet werden können. Anders als Leibeigene gelten Sklaven nicht als Menschen, sondern als Sache und erzielen daher bei Auktionen mitunter gute "Stückpreise".

Dieser Teil von Schimmelmanns Biografie trübt naturgemäß die persönliche Bilanz des genialen Kaufmannes entscheidend und wirkt sogar bis in die Gegenwart hinein. So wurde erst im September 2008 im Hamburger Vorort Wandsbek eine Büste zu Ehren Schimmelmanns wieder abgebaut, nachdem es massive Proteste gegen das "Denkmal für einen Sklavenhändler" gab.

Wer sich dennoch - oder gerade deswegen - mit dem bewegenden Leben des einstigen "Schatzmeisters" beschäftigen möchte, findet in dem Buch von Erich Maletzke einen umfangreichen und gut lesbaren Einstieg, der auf den Forschungsergebnissen des Kieler Historikers Christian Degn basiert. Wer sich darüber hinaus mit dem Thema "Sklavenhandel" beschäftigen möchte, dem sei ergänzend zu dem hier vorgestellten Buch der Beitrag "Firma Schimmelmann und Sohn - Der dänische Sklavenhandel" von Professor Stefan Winkle empfohlen, den Sie problemlos im Internet finden.

 

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