Die Eifelgräfin

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2009
  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Die Eifelgräfin', Originalausgabe
Die Eifelgräfin
Die Eifelgräfin
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Rita Dell'Agnese
71

Histo-Couch Rezension vonSep 2009

Begegnung mit dem Schrecken der Pest

Kurzgefasst:

Jerusalem, 1148. Drei Männer teilen nach erfolgreichem Kreuzzug ihre Beute. Im Angesicht eines magischen Kruzifixes schließen sie einen Pakt: sich und die Ihren auf ewig zu schützen.

Zweihundert Jahre später: Wegen einer drohenden Fehde wird Elisabeth von Küneburg in die Obhut von Freunden geschickt. Sie genießt das Leben dort - doch dann bricht die Pest aus. Ihr Onkel Dietrich nutzt die Wirren, um die elterliche Burg einzunehmen. Er setzt alles daran, seinen Sohn, den düsteren Albrecht, so schnell wie möglich mit ihr zu vermählen. Gelingt es den Nachkommen der Bruderschaft, sie zu retten?

 

Weil auf der heimatlichen Burg der Frieden nicht mehr gewährleistet ist, reist die junge Adlige Elisabeth auf die Kühneburg, wo sie bei Freunden auf die Ankunft ihres Verlobten warten soll. Als Magd dient ihr dabei die nur unwesentlich jüngere Luzia, Tochter eines frei geborenen Bauern. Bald stellen Elisabeth und Luzia fest, dass sie beide mehr verbindet, als bloss das Dienstherren-Verhältnis. Zaghaft entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Dann hält mit der Pest das Grauen Einzug...

Zögerliche Entwicklung

Sehr lange passiert beim Roman Die Eifelgräfin nur wenig. Die Geschichte dümpelt nach einem starken Prolog zunächst einmal seicht dahin. Die Protagonisten bleiben oberflächlich, farblos, ja teilweise gar konturlos. Die Entwicklung bedient sich gängiger Muster, bleibt dadurch zu spannungslos. Selbst die geheimnisvolle Reliquie, ein uraltes Kruzifix, mag hier nicht viel auszurichten. Fast wäre man geneigt, Die Eifelgräfin als nettes Leseerlebnis abzuhaken und sofort wieder zu vergessen. Doch dann, nach einer mehr als nur zögerlichen Entwicklung, nimmt das Buch plötzlich Fahrt auf.

Tiefgehende Schilderung

Mit der Ankunft der Pest in der Eifel - hervorragend geschildert - kommt das erzählerische Talent von Petra Schier zum Ausdruck. Es ist, als ob sich ein Schleier, der bisher auf der Geschichte gelegen hat, lüften und die ganze darunter liegende Farbenpracht offenbaren würde. Zwar bleiben die meisten Protagonisten farblos und konturlos - das ist aber nahezu der einzige Minuspunkt ab diesem Zeitpunkt. Denn die Autorin schafft es, durch eine tiefgehende Schilderung des Grauens, das die Pest mit sich bringt, die Fassungslosigkeit und auch Hilflosigkeit der Menschen sichtbar, ja gar erlebbar zu machen. So tritt der eigentliche Handlungsstrang dezent in den Hintergrund und überlässt das Feld einem weit sinnlicheren Leseerlebnis.

Kleine Feinheiten

Im letzten Drittel von Die Eifelgräfin finden sich sprachlich wie inhaltlich so viele kleine Feinheiten, dass sich die Leser fragen müssen, wieso sich die Autorin so lange bedeckt gehalten hat. Natürlich lesen sich auch die ersten zwei Drittel von der Sprache her flüssig und angenehm, doch fehlen in diesen ersten zwei Dritteln eben jene Nuancen, die den Reiz des Buches ausmachen. Ganz abgesehen davon, dass in der Mitte des Buches mit dem Kaufmann Martin ein Protagonist die Szene betritt, der sich mühelos als charakterstarke Figur etabliert und den bisherigen "Starken" den Rang abläuft.

Schön gemacht sind der Grundriss der Kühneburg und die Erklärungen von Petra Schier zum Schluss des Buches. Sie setzen das Sahnehäubchen auf das letzte Buchdrittel. Und so lohnt es sich trotz zunächst eher banalem Plot durchaus, zu diesem Buch zu greifen. Besonders dann, wenn man sich von einem gut erzählten Gesellschaftsportrait ansprechen lässt.

Die Eifelgräfin

, Rowohlt

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