Kristallklar

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2009, Titel: 'Kristallklar', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87
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Carsten Jaehner
Doppelmord am Königshof

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2009

Kurzgefasst:

Mai 1786: Emile Joyard, der Erste Hofküchenmeister Friedrichs des Großen, wird tot in einer Bachschlucht nahe Buckow gefunden. Der König hatte den Koch schon lange im Verdacht, ihn vergiften zu wollen. Nun wird Honoré Langustier, längst im verdienten Ruhestand, wieder in Dienst gestellt und muss nicht nur den sterbenskranken König bekochen, sondern auch den mysteriösen Tod seines Kollegen auf klären. Dabei steht ihm der Graf von Mirabeau zur Seite, der eigentlich in ganz anderer, geheimer Mission tätig ist...

 

Im Frühjahr des Jahres 1786 stattet eine Delegation aus den noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika Friedrich dem Großen einen Besuch ab. Friedrich ist todkrank und lässt das Geschehen über sich ergehen. Sein jüngerer Bruder, Prinz Heinrich, hat zu einer kleinen Feier eingeladen, zu der der sich bereits im Ruhestand befindliche Honoré Langustier, ehemals Zweiter Hofküchenmeister Seiner Majestät, das Menü kreieren soll.

Da geschieht ein Doppelmord - unter den Toten befindet sich auch der ehemalige Erste Hofküchenmeister Émile Joyard. Da ein solches Ereignis die aufkeimende Freundschaft beider Länder überaus betrüben konnte, wird Langustier als Detektiv wieder aktiv, begleitet von seiner Urenkelin Gerardine von Beeren. Diese hat zwar den Spürsinn ihres Urgroßvaters geerbt, aber auch dessen Hang zu Abenteuern, und so bekommt sie gar nicht genug von der neuartigen Kunst des Ballonfahrens...

Schwierige Auflösung

In seinem zehnten Fall lässt Tom Wolf seinen Protagonisten Langustier lange im Dunkeln tappen, ihn aber gleichzeitig ungewöhnliche Abenteuer bestehen. Mit viel Humor und sprachlicher Raffinesse ist der Autor wieder in seinem Element und schafft für seine Geschichte einen gut recherchierten Rahmen, in dem Langustier und der "Alte Fritz" sogar noch gemeinsam in die Luft gehen.

Der Autor konstruiert einen interessanten Fall, um den herum immer wieder Ereignisse stattfinden, Langustier aber mit der Lösung um keinen Deut vorankommt. Das stört aber zunächst nicht, weil der Leser hier viel mehr vom Preußenkönig zu sehen und zu hören bekommt als in den Vorgängerromanen. Man wünscht sich, dass diese Momente noch länger andauern mögen als sowieso schon, ist sich aber dennoch bewusst, dass der Doppelmord auch irgendwann einmal aufgeklärt werden muss. Und dies passiert erst in sprichwörtlich letzter Minute.

Der König bittet ein letztes Mal zu Tisch

Von Anfang an kränkelt der alte Soldatenkönig, und es ist klar, und man verrät damit auch nicht zuviel, dass er am Ende des Buches das Zeitliche segnen wird. Das ist anrührig, und auch wenn mancher das darauf schieben mag, dass des Königs Magen das gute Essen Langustiers nicht mehr vertragen konnte, so hat der König doch ein erfülltes Leben hinter sich und konnte noch miterleben, wie der Fall gelöst wurde, der das Gefüge in der Weltpolitik gehörig durcheinander hätte wirbeln können.

Neben dem Ende Friedrichs erlebt der Leser auch mehr aus dem Privatleben Langustiers, seine riesige Familie, aus der ihm seine Urenkelin zur Seite steht. Das ist auch nötig, denn der jüngste ist Langustier auch nicht mehr, und das Nachspüren von Informationen wird auch nicht leichter. Der Fall selber gerät schnell zu einem Politikum, in das auch die amerikanische Delegation involviert ist. Zudem wirft der Tod seines ehemaligen Kollegen auch Fragen auf, und irgendwie scheinen diese beiden Morde auf mehr als seltsame Weise miteinander verbunden. Mit seinen üblichen Tricks versucht Langustier, alle mit in die Auflösung mit einzubinden und gerät dabei selbst so in Gefahr, dass auf ihn geschossen wird.

Hervorragender Anhang

Mit Kristallklar hat Tom Wolf einen Roman vorgelegt, der zu den besseren der Reihe gezählt werden muss, wenngleich nichts in diesem Fall klar, geschweige denn kristallklar ist - eher nebelig, genau wie die Wetterlage während des Doppelmordes.

Sehr anrührend ist dann das Ende des Buches, in dem der große Preußenkönig sein Leben aushaucht. Der Leser wird befürchten, dass dies das letzte Abenteuer des Zweiten Hofküchenmeisters war, aber der Autor hat ja schon zuvor Bücher der Reihe geschrieben, die nicht in der Chronologie waren, von daher lässt es dem Leser die Hoffnung, dieser Band möge nicht der letzte sein. Da Langustier bereits dabei ist, seine Memoiren zu schreiben, werden eben diese für den Herbst 2010 angekündigt. Und dann? Man wird sehen...

Ein Personenverzeichnis und der gewohnt interessante und umfangreiche Anhang zu Zeit, Ort und Begebenheiten runden ein gelungenes Buch ab, das man gerne gelesen hat, wenn es auch ein trauriges Ende hat. Nie war man dem König so nah wie in diesem Buch.

 

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