Caravaggios Geheimnis

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2009, Titel: 'Caravaggios Geheimnis', Originalausgabe

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87

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Dirk Jaehner
Ein Muss für alle Caravaggio-Fans - und solche, die es werden wollen

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Aug 2009

Kurzgefasst:

Im Schatten des imposanten Petersdoms sinnt Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, auf Rache. Es ist das Jahr 1593, und der junge Maler will nach harten Lehrjahren in Mailand nun endlich in Rom, der Stadt der Meister und Mäzene, sein Talent unter Beweis stellen. Aber immer wieder erntet das verkannte Genie nur Spott - bis Caravaggio die Kunstwelt Italiens in Erstaunen versetzt. Er provoziert mit seinen Kompositionen von Licht und Schatten und schafft sich dadurch Neider und Feinde. Um seinem Ruhm ein Ende zu bereiten, sind diese zu allem bereit. In die Enge getrieben, begeht Caravaggio eine furchtbare Tat. Allein seine große Liebe Paola kann ihn jetzt noch retten. Wäre da nicht sein künstlerischer, manchmal fast sogar zerstörerischer Freiheitsdrang.

 

Nun greift also auch Tilman Röhrig auf das letzthin so oft verwendete Stilmittel einer Rahmenerzählung zurück. In seinem neuesten Buch Caravaggios Geheimnis, rechtzeitig zum 400. Todestag des italienischen Malers erschienen, bettet er den Roman des Maler-Lebens in die reale Geschichte eines Kunstdiebstahls: In der Nacht vom 17. zum 18. Oktober 1969 entwendeten zwei Diebe das Gemälde "Natività coi Santi Lorenzo e Francesco" aus dem Oratorio di San Lorenzo in Neapel. Das Gemälde ist bis heute nicht wieder aufgetaucht, und so, wie Röhrig es schildet, schreit der Raub an allen Ecken und Enden "Mafia" - durchaus nicht ohne Berechtigung.

Geheimnisse im Schatten

Caravaggios Geheimnis heißt Röhrigs historischer Roman, und es lässt sich spekulieren, welches Geheimnis gemeint ist. Das Geheimnis des Verbleibs des gestohlenen Gemäldes? Das lässt Röhrig offen, weil einfach nichts weiter darüber bekannt ist. Das Geheimnis des malerischen Erfolgs? Darauf gibt Röhrig eine Antwort. Das Geheimnis des Lebens des Malers? Da scheint es keins zu geben, denn Caravaggios Biografie ist größtenteils erforscht. Bleibt das seiner Kunst, und auch da hat Röhrig eine Antwort, auch wenn sie nicht als kunsthistorisch einwandfreie Theorie daherkommt. Der malerische Erfolg stellt sich ein, als Caravaggio seine Bilder damit bewirbt, als einziger Maler in Rom keine Vorzeichnungen zu erstellen. Was natürlich nichts weiter ist als ein Marketing-Coup. Caravaggios Kunst besteht darin, sich im Gegensatz zu seinen Malerkollegen auf das wichtigste Objekt des Bildes zu konzentrieren und Hintergründe im Schatten verschwinden zu lassen. Aber ist das ein so großes Geheimnis, dass es zum Titel eines Romans taugt?

Nein, es ist nicht, und trotzdem ist Röhrig ein fesselnder Roman gelungen. Er spielt mit Erwartungen, mit der Kunstbegeisterung der Leser und geht doch auf die Kunst nur in einem Maße ein, dass sie als gelegentlicher Motor für das Vorankommen der biografischen Erzählung ausreicht. Röhrig schreibt keine Analyse, er schreibt eine Biografie mit allen Menschlichkeiten.

Ein Leben zwischen gesellschaftlichem Desaster und künstlerischem Triumph

Caravaggios Aufstieg in die Malerelite ist mit Hindernissen gepflastert. Standesdünkel ist nur eines davon. Caravaggios unsteter Charakter ein anderes. Er will unabhängig von Sponsoren und Auftraggebern sein und weiß doch, dass er ohne sie keine Existenz aufbauen kann. Er will sich nur seiner Kunst widmen und sieht doch ein, dass er sich auch um ein reales Leben, und wenn er es noch so rudimentär lebt, kümmern muss.
Denn immer dann, wenn Röhrig Caravaggios Leben außerhalb seines Ateliers schildert, ist es voll von Fettnäpfchen, in die der künstlerisch hochbegabte, aber sozial ungebildete und ungelenke Maler tritt. Und da der Schwerpunkt des Romans nicht auf der Kunst und ihrer Entstehung liegt, begleitet man Caravaggio von einem gesellschaftlichen Desaster ins nächste. Mit seinem cholerischen und jähzornigen Charakter reißt er mehr als ein Mal alles das ein, was seine wenigen Freunde, denen er tatsächlich wichtig ist, mühsam aufgebaut haben.
Gleichwohl scheint er im Verlauf der Erzählung - also im Verlauf seines Lebens - ruhiger, gesetzter zu werden. Doch gerade in dem Moment, als seine Zukunft gesichert scheint, als er von den verschiedenen Verfolgern, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben, erlöst wird, stirbt er und das Buch endet.

Über dem Durchschnitt

Es ist Röhrigs Sprache, die dieses Buch über den Durchschnitt erhebt. Doch es ist ein Roman, keine Nacherzählung einer Künstler-Biografie, obwohl die historischen Details stimmen. Die Aufgabe eines Autors in so einem Fall ist es, eben diese Details mit Menschlichkeit zu füllen, und das gelingt Röhrig mit Bravour. Was hat Caravaggio gesagt oder getan, um in diese oder jene - verbürgte - Situation zu kommen? Wie haben seine Freunde reagiert, wie seine Gönner und Feinde? All das schildert Röhrig mit Einfühlungsvermögen, Verständnis und großer Kunstkennerschaft. Ganz gleich ob Kenner oder Fan, Röhrig trifft einen universellen Ton, der niemanden ausschließt.

 

Caravaggios Geheimnis

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Letzte Kommentare:
12.10.2011 12:19:16
€nigma

"Caravaggios Geheimnis" zeichnet - offenbar biographisch sehr korrekt - das Leben des Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571 - 1610) nach. Der Charakter des Malers wird deutlich mit all seinen Stärken und Schwächen herausgearbeitet: Michele ist talentiert und selbstbewusst, aber auch äußerst cholerisch, "sinnenfroh" (bisexuell) und dem Alkohol zugeneigt, wodurch er sich nicht selten in Schwierigkeiten bringt. Zu stolz, um die von einflussreichen Persönlichkeiten angebotene Protektion anzunehmen, will er seinen Weg allein machen und ist dabei immer wieder den Intrigen neidischer Malerkollegen ausgesetzt. Michele hat zwar auch Freunde und eine langjährige Geliebte, die absolute Priorität in seinem Leben nimmt jedoch seine Malerei ein, so dass er sich im Umgang mit anderen Menschen recht egozentrisch und wenig einfühlsam zeigt.

Das Buch ist in einer sehr ansprechenden Sprache geschrieben und stellenweise atemberaubend spannend. Man sollte sich allerdings ein wenig mit italienischer Kunstgeschichte auskennen, sonst kann man diesen komplexen Roman nur langsam lesen, weil man viel im Internet recherchieren muss. Mir persönlich hätte es gefallen, wenn die wichtigsten, im Buch immer wieder genannten Werke Caravaggios, abgedruckt gewesen wären, zumindest befindet sich im Einband die "Natività". Hilfreich ist der chronologische Kurzüberblick über Caravaggios Leben, da es im Text manchmal nicht ganz einfach ist, den Zeitsprüngen zu folgen.

Insgesamt ist dieser Roman, wie auch andere Bücher von Tilman Röhrig, keine leichte Kost, aber als Lektüre sehr lohnend.

06.09.2011 13:25:54
annelein

Caravaggios Leben ist bis heute nicht vollständig erforscht, da die Quellen dünn sind. Der im Roman erwähnte Erzrivale Baglione z.B. hat in seinen Tagebüchern kein gutes Haar an Merisi gelassen. Diese Quelle ist also parteiisch. Vieles weiss man auch aus Erzählungen, aber was ist Dichtung und was Wahrheit, vor alles bei einem solchen Künstler.
Unsympathisch finde ich die Figur des Caravaggio nicht, eher ist er ein zerrissener Charakter, der in allen besessen ist: in seiner Malerie, in seinem Suff, seinen Auschweifungen aber auch in der Gewalt.
Was seine homoerotischen und bisexuellen Neigungen angeht: Davon ist nichts bewiesen!
Ich habe das Buch gerne gelesen, weil es mir auch noch etwas anderes zeigte: die ausserordentliche Verderbtheit der Kirche!!!!

04.02.2011 15:43:46
tweedy39

Spannende Geschichte
3

Über den Autor Tilman Röhrig muss man nicht viel sagen. Seit den 70er jahren ist er als freier Schriftsteller mit großem Erfolg tätig und seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sein neuestes Wek:



Caravaggios Geheimnis:



Es wird der abwechslungsreiche Lebensweg des Künstlers Michelangelo Merisi beschrieben.



Meine Meinung:



Ich habe schon einige Romane von Tilman Röhrig gelesen, welche mir gut gefallen haben. Das vorliegende Buch hat mich nicht zu 100 % überzeugen können, wobei ich nicht genau benennen kann, woran dies gelegen hat. Mir war die Hauptfigur nicht sehr sympatisch. Ich konnte einige seiner Taten nicht nachvollziehen, wie zum Beispiel den Steinwurf auf Poala. Er ist seit seiner frühesten Jugend sehr jähzornig und bleibt es auch. Desweiteren mochte ich die Zeitsprünge in der Erzählweise nicht, jedesmal wenn ich gerade "Warm" wurde, kam ein Zeitsprung.



Fazit:

Ein guter, aber kein großartiger Roman. Die Wahrheit bleibt wohl, das bei großen Künstlern Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen.

21.05.2010 14:01:45
Tammi

pralles Historiengemälde trifft den Tenor dieses Romans - einige Szenen gingen mir auch an die Nieren, recht deftig und brutal. Aber - so war es damals und Caravaggio war eben nicht nur Künstler, sondern auch ein Besesener, ein leidenschaftlicher und jähzorniger Mann, der seine Obsessionen auslebte und zuschlug oder -stach, wenn er sich weider einmal in ausweglose Situationen manövriert hatte.
Ich mag die Kunst Caravaggios sehr und sehe den Roman losgelöst vom existierenden Werk, denn in die Psyche eines Künstlers kann niemand schauen. Für sich gesehen ist das Buch unterhaltsam und packend geschrieben und bringt einem barocke Lebensweise und einen zerrissenen Künstlercharakter nahe. Nicht ganz so derbe hätte mir besser gefallen, aber das ist eben Geschmackssache.

15.03.2010 20:13:05
kleinfriedelchen

Im Jahr 1969 wurde aus einer Kapelle in Palermo ein Gemälde gestohlen, welches bis heute nicht wieder aufgetaucht ist. Ob im Besitz der Mafia oder einer reichen Einzelperson, der Verbleib des Bildes ist unbekannt.

Die Rede ist vom Gemälde „Nativita“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio. Dieser Diebstahl ist der Auftakt zu Tilman Röhrigs Buch über das Leben des italienischen Malers.

Im Jahr 1571 geboren, wächst Michele, wie er nur genannt wird, wohlbehütet im Städtchen Caravaggio auf. Schon früh erkennt sein Großvater die Liebe des Jungen zur Malerei und schickt ihn in die Lehre bei einem Maler. Doch die Lehrjahre sind hart. Michele muss sich nicht nur gegen die Bedrängungen des älteren Gesellen des Malers wehren, sondern auch, nach Ende seiner Lehre, gegen den Spott anderer, die seinen Malstil für zu schlicht halten. Denn Michele malt revolutionär: statt den Hintergrund auszuschmücken, hält er ihn dunkel, statt antike Statuen verwendet er einfache Leute aus dem Volk, um die Heiligen in seinen Bildern darzustellen.

Trotz der Kritik lässt sich der junge Mann nicht unterkriegen. Überzeugt von seinem Talent, ist er fest entschlossen, einen reichen Gönner zu finden, der seine Karriere fördert. Und das gelingt ihm auch. Bald schon wird er mit Aufträgen überhäuft. Doch auch seine Neider bleiben nicht untätig. Man lässt ihn ausspionieren und mehrmals werden Anschläge auf seine Leben verübt, um ihn vom Malen abzuhalten. Als Michele bei solch einem Anschlag jemanden tötet, muss er aus Rom fliehen…

Röhrig zeichnet ein komplexes Charakterbild des Malers: einerseits verabscheut er Ungerechtigkeit und will unbedingt durch seine eigenen Anstrengungen berühmt werden, statt nur durch die Hilfe anderer. Andererseits ist er doch auch jähzornig, sehr selbstbezogen und leicht reizbar. Eine Mischung, die ihn mir nicht sonderlich sympathisch gemacht hat. Meine Sympathie gehört eindeutig seiner Jugendliebe Paola, die durch Micheles diverse Liebschaften tief verletzt wurde und doch nicht von ihm loskommt. Trotzdem hat mich das plötzlich endende Schicksal des Malers am Ende mitgenommen. Die Handlung endet abrupt und man erfährt leider nichts mehr vom Schicksal der anderen Charaktere.

Desweiteren versteht es Röhrig gut, die Schauplätze und Nebencharaktere durch klangvolle Beschreibungen zum Leben zu erwecken. Zeitweise haben mich die Beschreibungen der verkommenen Obrigkeit oder brutaler Szenen sogar schockiert, doch das zeigt nur, wie gut es Röhrig gelingt, das Bild der damaligen Gesellschaft zu vermitteln.

Mein Fazit: ein schöner historischer Roman aus dem Italien des 16. Jahrhunderts, über einen charaktervollen Maler, der sich gegen jede Widerstände durchsetzt, um Ruhm zu erlangen. Mir hat’s gefallen!

03.01.2010 13:26:29
charlotte_30

Der neue Roman von Tilmann Röhrig führt den Leser in die Welt der Malerei des 17. Jahrhundert. Der Protagonist des Romans ist Caravaggio, ein Geist, der die damaligen Werte der Kunst veränderte und neue Wege einschlug.
Prolog und Epilog bilden eine Einheit, in ihnen wird der Diebstahl eines Altargemäldes von Caravaggio beschrieben. Dadurch erhält der Leser Zugang zum Künstler, er wird Real, denn er hat Spuren hinterlassen. Im ersten Kapitel beginnt der Plot der Vita von Caravaggio, die sich an den bekannten Fakten orientiert. Der Roman erweckt den Anschein autobiographisch zu sein, da sich die fiktionalen Elemente nicht von den realen unterscheiden. Der Erzählmodus erinnert an eine kunsthistorische Interpretation, in der jedes noch so kleine Detail analysiert wird.
Caravaggio bleibt für den Leser unantastbar, diese Unnahbarkeit wird durch die Charakterisierung der Figur bestärkt. Warum beschreibt Röhrig ihn nicht weicher und gefühlvoller? Er kann es nicht, weil er sonst von der bekannten Biographie abweichen muss und er einen neuen Caravaggio erschaffen würde.
Auffallend im Roman sind die detaillierten Beschreibung von Caravaggios Gemälden. Die Geschichte zur Entstehung des Amors war wundervoll, im Kopf hatte ich immer das Gemälde „Amor als Sieger“, welches in Berliner zu sehen ist. Dieses Gemälde und die Geschichte waren ein Einklang von Poesie und Malerei. Jener Amor wurde Synonym im Roman von Hans-Ulrich Treichel „Der irdische Amor“ und so schaffte es der Geist von Caravaggio in die moderne Literatur.
Die politischen Besonderheiten, insbesondere die kirchlichen Debatten der Weltanschauung wurden als Hintergrundinformationen geschickt in die Handlung eingebaut. Diese Dispute eröffneten der Malerei neue Motive, die die jungen Künstler bereitwillig aufnahmen und dadurch mit den traditionellen Akademien in Konflikt gerieten. Der Künstlerstreit jener Zeit kann im Roman nachvollzogen werden.
Röhrig benutzte einen Schreibstil der sich von anderen Autoren des Genre historischer Roman, abhebt. Er benutzt keinen liebevollen Protagonisten, der Sympathisch ist. Sein Roman beschreibt die Zeit in der Caravaggio gelebt hat und benutzt Caravaggio als roten Faden. Das Geheimnis von Caravaggio wird nicht gelöst, es wird zur Frage nachdem man den Roman gelesen hat: ist es der Ort an dem sich die „Nativitá“ heute befindet, ist es die Bisexualität des Künstlers oder sind es seine Gemälde, die bis heute eine große Wirkung auf den Betrachter erzielen.

18.12.2009 22:36:52
Nati

Farbiges Bild
Der Autor Tilman Röhrig hat in seinem neuesten historischen Roman mit seiner Sprache ein farbiges Bild, des bekanntesten und spektakulärsten Malers des italienischen Barocks, Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, gezeichnet.

Zu Beginn werden wir Zeuge eines Kunstraubes von vor vierzig Jahren. Aus einer kleinen Kapelle in Palermo wird das Gemälde der "Nativita" des Malers Caravaggio gestohlen und zwei Mafiosi bringen das Ölgemälde zu ihren Auftraggebern. Bis heute ist das Bild verschollen geblieben.

Dann führt uns der Autor zurück in die Zeit von Michelangelo Merisi. Er wird 1571 geboren und wächst in Caravaggio auf. Als Kind verliert er sehr früh seinen geliebten Großvater und Vater. Er selbst ist von seinem Talent überzeugt und seine Mutter möchte seine Neigung fördern. Sie bezahlt die teure Ausbildung bei einem Maler in Mailand. Doch schon hier hat er es nicht einfach, ein älterer Geselle nötigt ihn, wo er nur kann und bedrängt ihn auch sexuell. Sein Talent wird in der Lehre nicht ausreichend gewürdigt, doch er ist sich seines Könnens sehr bewusst und versucht sein Glück in Rom. Da er aber oft sehr jähzornig wird, kommt es hier zu Auseinandersetzungen in den Malerwerkstätten und er will seinen Weg alleine gehen. Doch dies ist in Rom unmöglich und so unterwirft er sich für einige Zeit seinem Mäzen Kardinal del Monte. Schutzlos ist er oft den Übergriffen seiner Feinde ausgesetzt, er fühlt sich verfolgt, nur seine Jugendliebe Paola hält zu ihm.

Wir begleiten Michelangelo Merisi auf seinen Irrwegen durch Rom, Palermo, Malta und Neapel. Sein Lebensstil ist stark geprägt von hohem Alkoholkonsum und bisexuellen Neigungen. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, ein Maler zwischen Genie und Wahnsinn.

Bei seinen religiösen Bildern verwendet er häufig als Modelle einfache Menschen, Prostituierte und Lustknaben, um seine Heiligen zu malen und versteckt oft ironische Andeutungen in seinen Bildern.

Eine gut recherchierte und glaubwürdige Geschichte über das bunte, bewegte, viel zu kurze Leben des Malers. Ich war fasziniert von der Darstellung des Caravaggios, teilweise hatte ich Mitleid mit ihm, da er oft unfair von seinen Konkurrenten behandelt wurde. Auf der anderen Seite war er auch ein sehr von sich selbst überzeugter Maler.

Ein facettenreicher Roman, der mich ab der ersten Seite fesselte.

08.11.2009 15:41:08
Marius

Pralles Historiengemälde über einen Maler

Gerne wird in Rezensionen historischer Romane von „prallen Sittengemälden“ gesprochen. Es trifft sich also gut, dass Tilmann Röhrig nun einen historischen Roman über den Maler Michelangelo Merisi da Carvaggio, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Carvaggio, also den Urheber solcher „prallen Gemälde“ im eigentlichen Sinne, geschaffen hat.

In „Carvaggios Geheimnis“ erzählt Röhrig vom mühsamen Aufstieg des jungen Michele bis hin zum gefeierten Genie, dessen Gemälde bis heute nicht vergessen sind. Zunächst muss sich der junge Mann als Porträtmaler und Gestalter von Obst für die Werke angesehener Kollegen verdingen, bis er es schafft, sich langsam in der Künstlerszene Roms zu etablieren. Doch dann begeht er einen folgenschweren Fehler und muss Richtung Sizilien fliehen, da er es sich durch seine aggressive Art endgültig mit der Herrscherclique in Rom verscherzt hat …
Röhrig schafft es tatsächlich, das eingangs erwähnte pralle Gemälde über die Epoche des Frühbarock in Italien zu zeichnen. Man meint förmlich die damalige Stadtluft Roms zu atmen und fühlt sich um 400 Jahre zurückversetzt, da Röhrig plastische Schilderungen beschreibt, wie es nur wenige Romanautoren können. Er geht mit Akribie zu Werke und erschafft so ein detailliertes Bild des damaligen Lebens.
Bei all dieser Genauigkeit, mit der Röhrig dem Malergenie nachspürt, hat mir nur eines am Buch nicht so richtig gefallen, und das ist die Hauptperson Michele Merisi selbst. Ich verstehe ja, dass der Autor ein detailgetreues Bild des Malers schaffen wollte (was ihm auch gelungen ist!), aber zu meiner Sympathie für Carvaggio hat das nicht beigetragen. Mir erschien er als Trunkenbold, der nach einigen Bechern Rotwein nur noch vom Hass und seiner Aggression getrieben wurde, als Mann, der sich zwischen den Geschlechtern nicht entscheiden konnte, und als selbstherrlicher Egoist. Daher konnte ich mich während des Lesens nicht so richtig mit dem Maler identifizieren, da er mir selbst nicht sympathisch war.
Insgesamt aber ein toller Schmöker für lange Winterstunden über einen weltbekannten Maler und dessen weniger bekanntes aufregendes Leben!

09.10.2009 23:29:04
bonomania

In Caravaggios Geheimnis beschreibt Tilman Röhrig das kurze aber pralle Leben des italienischen Malers Michelangelo Merisi, besser bekannt als Caravaggio, im 17. Jahrhundert beschrieben.

Im Alter von 6 Jahren beginnt die Geschichte gleich mit einem recht prägnanten Beispiel seines viel gerühmten Jährzorns, der ihn Steine auf seine kleine Nachbarsfreundin Paola werfen lässt und ihr damit die Oberlippe spaltet und ihr Gesicht fürs Leben "zeichnet".
In szenenhaften Absätzen und Fragmenten beschreibt das Buch seinen Werdegang vom kleinen Bauernsohn in der italienischen Provinz bis zum Maler beeindruckender Kirchengemälde in Rom. Dabei begleiten ihn nicht nur die treue Paola und deren kunstinteressierte Herrin, sondern auch jede Menge jugendlicher Liebhaber, allen voran der Geliebte Mario.
Röhrig beschreibt Caravaggios Leidenschaften, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Leiden schafften. Seine wild ausgelebte Sexualität zu beiden Geschlechtern und vor allem seine immer wieder schwer beherrschbaren Wutausbrüche brachten ihn mehr als einmal in Teufels Küche. Einmal brachte er deshalb sogar jemanden um und landete auch im Gefängnis. Nur guten Freunden verdankte er immer wieder sein gesellschaftliches Auferstehen. Dazu kam natürlich noch die neidische Konkurrenz im Maler-Milieu, die seine unkonventionellen Werke schlecht machen wollte, seine Vorliebe für Modelle aus der Gosse wie Huren und einfache Arbeiter verlachte und ihm Schläger und Mörder auf den Hals hetzte.
Um die tatsächlich belegten Fakten spinnt Röhrig seine teils brachiale und weinselige Geschichte mit gewohnt kräftiger Sprache. Gestört hat mich allerdings, dass teilweise in sehr rasantem Tempo und deshalb oft etwas oberflächlich durch dieses bewegte Malerleben gehetzt wird. Die Szenen reihen sich stakkatoartig aneinander, wie kurze Lichtblitze die nur die Höhepunkte beleuchten.
Dadurch konnte ich nicht wirklich in die Geschichte finden, ich habe zwar viel über den berühmten Maler Caravaggio erfahren aber er ist mir in keinster Weise ans Herz gewachsen - wie auch keiner der anderen Protagonisten.

07.10.2009 18:25:00
carorobi

Tilman Roehrigs Buch Caravaggios Geheimnis erfüllt alle Erwartungen derjenigen, die etwas über das spannende Leben der Kunstszene Ende des 16. Jahrhunderts erlesen möchten.
Äußerst lebendig wird die Ausbildung, der harte Aufstieg, die Gönner, die Konkurrenzsituation, das Alltagsleben in Rom, Neapel und auf Sizilien geschildert.
Ob der Bau des Petersdoms, das Leben der Juden im spätmittelalterlichen Rom, die ungebrochene Allmacht der Kirche, das grausame Schicksal eines Freidenkers wie Giodano Bruno, die Fabel bietet ein plastisches Abbild der damaligen Zeit.
Ist der Protagonist zunächst noch eine Identifikationsfigur, die missbraucht von Familie und Ausbildern versucht ihren Weg zu gehen, entfaltet sich der schillernde und widersprüchliche Charakters dieses genialen Malers, die Spannung steigt und der Aufstieg des Künstlers wird begleitet von Episoden der Intrige und Gewalt.
Röhrig schreibt plastisch, lässt die Welt der Farben lebendig werden ohne zeittypische Erscheinungen wie die Welt der Kardinäle und Päpste im Barock, den Kunstmarkt oder Erscheinungen wie das Ghetto auszulassen.
Ein Kaleidoskop von genau recherchierten Eindrücken dieser Zeit, verbunden durch lebendige Charaktere.
Wer sich faszinieren lassen möchte von der Welt des Barock sollte dieses Buch lesen, das eines der wenigen positiven, lesenswerten historischen Romane darstellt.

28.09.2009 18:10:31
anushka

Röhrig eröffnet die Geschichte mit dem Raub der Nativitá aus einer Kirche in Palermo im Jahr 1969. Von dieser Szene schwenkt er in Caravaggios Kindheit und beginnt hier, dessen Lebensgeschichte zu erzählen. Auch wenn Michele ein völlig unsympathischer Protagonist ist, so muss man doch das Genie anerkennen, das in ihm steckt und ihm das Leben so schwer macht. Bei Röhrigs Schreibstil kann man die Farben fast riechen und den Pinsel fast spüren. Auch die Zeiten und Orte werden absolut authentisch und überzeugend geschildert. Zudem werden die Verhältnisse und auch die Ränke und Intrigen deutlich. Allerdings habe ich mehr mit Paola mitgelitten als mit dem absolut egoistischen Michele. Letzten Endes konnte einem Michele dann aber doch fast leid tun, denn der Autor hat sehr anschaulich gemacht, in welche Spirale aus Gewalt der Künstler sich selbst gebracht hat mit seiner aufbrausenden Art und seinem Jähzorn und die letztlich zu seinem Ende führte. Auch über die völlig neue Kunstrichtung, die Caravaggio begründet hat und für die er zu Lebzeiten noch verhöhnt wurde, habe ich durch dieses Buch viel gelernt. Als die Szene am Ende nach Palermo im Jahr 1969 zurückschwenkte, konnte ich den Schmerz über den Verlust eines derartigen Kunstwerkes selbst spüren und der Gedanke, dass das Gemälde möglicherweise unwiderbringlich zerstört sein könnte, hat mich sehr traurig gemacht, denn solche Kunstschätze lassen sich nie wiederherstellen.
Punktabzüge gibt es für mich allerdings auch, denn das Buch war nicht immer besonders fesselnd oder spannend und an manchen Stellen half nur Geduld. Zudem ging mir Micheles schlechter Charakter auch manchmal auf die Nerven. Außerdem scheint auch bei diesem Buch der herausgebende Verlag in eine Falle getappt zu sein, die mir in letzter Zeit oft auch bei anderen aufgefallen ist: der Klappentext greift viel zu weit vor bzw. lässt völlig andere Erwartungen entstehen. Denn die angekündigte Flucht findet erst auf Seite 414 von 487 statt und wird dementsprechend nur äußerst knapp abgehandelt. Da hatte der Klappentext "mehr" versprochen.

Alles in allem ist dem Autor aber ein guter, fundierter und bodenständiger historischer Roman gelungen, der für Kunstinteressierte noch jede Menge Neues enthält und den Leser in eine vergangene Zeit und das Atelier eines der berühmtesten Barockmaler zu entführen vermag ohne auf billige Effekthascherei angewiesen zu sein.

28.09.2009 18:10:05
anushka

Röhrig eröffnet die Geschichte mit dem Raub der Nativitá aus einer Kirche in Palermo im Jahr 1969. Von dieser Szene schwenkt er in Caravaggios Kindheit und beginnt hier, dessen Lebensgeschichte zu erzählen. Auch wenn Michele ein völlig unsympathischer Protagonist ist, so muss man doch das Genie anerkennen, das in ihm steckt und ihm das Leben so schwer macht. Bei Röhrigs Schreibstil kann man die Farben fast riechen und den Pinsel fast spüren. Auch die Zeiten und Orte werden absolut authentisch und überzeugend geschildert. Zudem werden die Verhältnisse und auch die Ränke und Intrigen deutlich. Allerdings habe ich mehr mit Paola mitgelitten als mit dem absolut egoistischen Michele. Letzten Endes konnte einem Michele dann aber doch fast leid tun, denn der Autor hat sehr anschaulich gemacht, in welche Spirale aus Gewalt der Künstler sich selbst gebracht hat mit seiner aufbrausenden Art und seinem Jähzorn und die letztlich zu seinem Ende führte. Auch über die völlig neue Kunstrichtung, die Caravaggio begründet hat und für die er zu Lebzeiten noch verhöhnt wurde, habe ich durch dieses Buch viel gelernt. Als die Szene am Ende nach Palermo im Jahr 1969 zurückschwenkte, konnte ich den Schmerz über den Verlust eines derartigen Kunstwerkes selbst spüren und der Gedanke, dass das Gemälde möglicherweise unwiderbringlich zerstört sein könnte, hat mich sehr traurig gemacht, denn solche Kunstschätze lassen sich nie wiederherstellen.
Punktabzüge gibt es für mich allerdings auch, denn das Buch war nicht immer besonders fesselnd oder spannend und an manchen Stellen half nur Geduld. Zudem ging mir Micheles schlechter Charakter auch manchmal auf die Nerven. Außerdem scheint auch bei diesem Buch der herausgebende Verlag in eine Falle getappt zu sein, die mir in letzter Zeit oft auch bei anderen aufgefallen ist: der Klappentext greift viel zu weit vor bzw. lässt völlig andere Erwartungen entstehen. Denn die angekündigte Flucht findet erst auf Seite 414 von 487 statt und wird dementsprechend nur äußerst knapp abgehandelt. Da hatte der Klappentext "mehr" versprochen.

Alles in allem ist dem Autor aber ein guter, fundierter und bodenständiger historischer Roman gelungen, der für Kunstinteressierte noch jede Menge Neues enthält und den Leser in eine vergangene Zeit und das Atelier eines der berühmtesten Barockmaler zu entführen vermag ohne auf billige Effekthascherei angewiesen zu sein.