Die Zarentochter

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • List, 2009, Titel: 'Die Zarentochter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Kirsten Lambeck
Ein denkwürdiger Tag für ein Kind und eine Familie

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Aug 2009

Kurzgefasst:

Der Zarenhof in St. Petersburg: Die junge Großfürstin Olga muss den Erwartungen ihres Vaters gerecht werden und eine gute Partie machen. Doch ihr Herz will etwas anderes als die hohe Diplomatie und führt sie an den Hof König Wilhelms I. von Württemberg.

Olga Nikolajewna Romanowa (1822-1892) wird als zweite Tochter des russischen Zaren Nikolaus I. geboren. In prächtigen Palästen und Residenzen wird sie zu einer zukünftigen Regentin erzogen. Das Ziel von Zar Nikolaus ist es, seine Töchter politisch klug zu verheiraten, um die Macht Russlands zu stärken. Doch Olga weiß schon früh, dass der goldene Käfig ihr nicht genug ist. Sie findet ihre große Liebe, aber das politische Kalkül der Königshäuser nimmt auf Gefühle keine Rücksicht.

 

Gerade drei Jahre ist die kleine Olga Nikolajewna Romanowa alt, als sie 1825 im Arbeitszimmer ihres Vaters Zeugin eines außergewöhlichen Gesprächs wird: durch unerwartete Ereignisse wird ihr Vater zum Zar von Russland - und das kleine Mädchen, das sich vor Aufregung in die Hosen macht, zur Zarentochter.

Fortan lebt Olly, wie sie in der Familie liebevoll genannt wird, das Leben einer Prinzessin: Umsorgt und gut behütet wächst sie in verschiedenen Palästen auf. Im Gegensatz zu ihren Brüdern, denen der militärische Drill oft hart zusetzt, erlebt sie eine recht sorgenfreie Kindheit. Unter den vielen Geschwistern entwickelt einzig die kleine Olly eine soziale Ader: Als ihr Kinderfreund stirbt, weil seine Familie sich keinen Arzt leisten kann, dringt in Ollys Kinderparadies eine Ahnung von den Ungerechtigtkeiten im zaristischen Russland.

Lebensaufgabe: Heirat

Eher distanziert verfolgt sie, wie die große Schwester auf die Rolle ihres Lebens vorbereitet wird: Sie wird innerhalb des Hochadels heiraten, um dem Zarenhof den größtmöglichen politischen Profit einzubringen. Während Mary die Aufmerksamkeit um ihre Person, die prachtvolle Kleidung und das Werben der Kandidaten auf Bällen in ganz Europa genießt, bleibt Olly in Sankt Petersburg und übernimmt die charitativen Aufgaben ihrer Mutter.

Vom verstockten Backfisch zum Schmetterling im Heiratskarussell

Als Olly ins heiratsfähige Alter kommt, verweigert sie sich beharrlich allen Versuchen, sie zur guten Partie zu machen. Erst ihre neue Kammerfrau Anna vermag ihre Haltung zu verändern: Nur mit einem einflußreichen Ehemann wird sie in der Lage sein, ihre Pläne für soziale Verbesserungen durchzusetzen. Von Stund an verwandelt sich der Trotzkopf in eine charmante, schöne (natürlich!) junge Frau, die sich immer souveräner auf dem internationalen Parkett bewegt. Doch es kommt, wie es kommen muss: Olly verliebt sich in den Falschen - aber Vernunft (und die Intrigen ihrer Umgebung) bestimmen ihr Leben. Nach etlichen Verwirrungen und Verwicklungen findet die russische Zarentochter im feinsinnigen König von Württemberg einen sowohl persönlich als auch politisch passenden Ehemann.

Leichte Lektüre im rosa Einband

Keine Frage: Ein wunderbarer historischer Roman für einen Winterabend vor dem Kamin (oder der Heizung)! Der zartrosa Einband und der Satz mit Schnörkel-Initialen vor jedem Kapitel lässt keinen Zweifel an der weiblichen Zielgruppe aufkommen. Auch wenn literarische Tiefe weder zu erwarten noch gewollt ist, liefert Petra Durst-Benning einen soliden Familien- und Liebesroman vor grandioser Kulisse.

Fundierte (und dokumentierte) Recherche

Angenehm ist, dass Durst-Benning nicht nur im Roman, sondern auch auf ihrer Internetseite zahlreiche Quellen und Dokumente veröffentlicht - auch ihre Recherche ist gut dokumentiert und vermittelt das Gefühl, dass sie sich auf historisch fundiertem Gelände bewegt. Da scheint jede Kleinigkeit des höfischen Lebens am Zarenhof und drum herum stimmig und rund, und es schadet gar nicht, dass die Autorin zu Gunsten des Spannungsbogens kleine Änderungen an der realen Zeitschiene vorgenommen hat, zumal diese Unstimmigkeiten im Anhang aufgelistet sind.

Spannende Personen vor grandioser Kulisse

Es fällt leicht, sich in die ebenso empathische wie spröde Zarentochter hineinzuversetzen - einzig der plötzliche Wandel vom verstockten Backfisch zur flirtenden Heiratskandidatin durch ein paar Worte der Gouvernante geht ein bisschen schnell. Da hätte, auch im Sinne der Leserschaft, ein bisschen mehr Übergang vom einen zum anderen gut getan.

Da fehlt noch was!

Ein weiterer Wermutstropfen - das Buch ist einfach noch nicht zu Ende: Da sind noch zu viele Unklarheiten, um den württembergischen Ehemann gibt es einige ungeklärte Rätsel, und auch Ollys Zukunft als wohltätige Königin, nach der in Stuttgart noch heute Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen benannt sind, gilt es noch zu erzählen. Konsequent also, dass das Erscheinen der Fortsetzung bereits geplant ist.

 

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