Schneegestöber

  • Bebra
  • Erschienen: Januar 2009
  • Bebra, 2009, Titel: 'Schneegestöber', Originalausgabe
Schneegestöber
Schneegestöber
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Jörg Kijanski
80

Histo-Couch Rezension vonAug 2009

Für Krimi- und Fontane-Fans ein Leckerbissen

Kurzgefasst:

Februar 1874: Theodor Fontane und seine Frau Emilie stolpern auf dem Trottoir über die Leiche des Rittmeisters Johann Friedrich von Stepanitz. Gegen den Willen der Kriminalpolizei beginnt Fontane mit eigenen Nachforschungen. Die verzweifelten Liebesbriefe, die sich im Nachlass des Toten finden, deuten auf Eifersucht als Mordmotiv. Doch auch der Bruder des Rittmeisters, ein überall verhasster Publizist, benimmt sich verdächtig. Dann geschieht ein zweiter Mord mit derselben Waffe...

 

Am späten Abend des 22. Februar 1874 verlassen Emilie und Theodor Fontane eine Soirée bei ihren Freunden. Doch kaum machen sie sich auf der stark verschneiten Straße auf den Heimweg, sieht Fontane am Fuße eines Laternenmastes einen Menschen liegen. Sehr schnell stellt sich heraus, dass dieser tot ist, ja sogar mit mehreren Messerstichen erdolcht wurde. Als Kriminalkommissar Aschinger und Kriminalschutzmann Wittlich eintreffen und die Leiche auf den Rücken drehen, erkennt einer der Anwesenden den Toten. Es handelt sich um den Rittmeister Johann Friedrich von Stepanitz, der ebenfalls an der Soirée teilnehmen sollte.

Erste Untersuchungen ergeben, dass von Stepanitz geheimnisvolle Liebesbriefe auf chinesischem Reispapier erhalten hat, so dass ein Eifersuchtsdrama nicht auszuschließen ist. Als Fontane gegen den energischen Willen Aschingers eigene Ermittlungen anstellt, findet er bald heraus, dass der Verstorbene neben anderen Dingen in erster Linie ein großer Hochstapler war, der weit über seine Verhältnisse gelebt hat, so dass ihm ein womöglich nicht eingelöster Wechsel zum Verhängnis wurde.

Der Fall scheint komplizierter zu sein als zunächst angenommen, denn die Ermittlungen der Polizei treten auf der Stelle und auch Fontane weiß nicht weiter. Das Hausmädchen des Rittmeisters berichtet zudem von Besuchen eines geheimnisvollen Fremden, der wohl ein Engländer gewesen sein muss, wobei unklar bleibt, was von Stepanitz mit einem Engländer zu tun haben sollte. Und zu guter Letzt wäre da noch der verhasste Bruder des Verstorbenen, Rudolf von Stepanitz, der in erster Linie durch seine Hetztiraden gegen Bismarck auffällt...

Hervorragende Fortsetzung der Fontane-Reihe

Schneegestöber ist der zweite Teil der Theodor-Fontane-Serie von Frank Goyke, in der der Protagonist, anders als noch in dem Debütroman Altweibersommer, komplett die zentrale Rolle einnimmt. Hier gibt es nur eine Erzählebene, und diese schildert das tägliche Leben des Schriftstellers, Theaterkritikers, Ehemannes und eben auch des Hobbyermittlers Fontane. Dieser soll sich auf Wunsch Aschingers in erster Linie aus den Ermittlungen heraushalten, doch Fontane wäre nicht er selbst, würde er seine Neugierde derart zügeln können. Selbst seine Familie wird in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise durch einen gemeinsamen Ausflug, bei dem Fontane nichts anderes im Sinn hat, als eine Zeugin zu befragen. Dabei sollte er eigentlich lieber an seinem neuen Werk "Allerlei Glück" arbeiten, denn die Haushaltskasse ist wie immer chronisch leer. Nur mit vereinzelten Theaterkritiken für die Vossische Zeitung hält er sich und seine Familie über Wasser

So gibt Autor Frank Goyke in seinem zweiten Fontane-Krimi einen intensiven Einblick in dessen Privatleben, was im ersten Fall doch arg vermisst wurde, und schafft so eine großartige Atmosphäre. Hierzu tragen auch immer wieder Ausflüge in die hohe Politik der damaligen Zeit bei, in der sich in Berlin gerne mal das Central-Nachrichten-Bureau, die Politische Abteilung und die Kriminalen in die Quere kommen.

 

 

"Ich gebe zu, dass hin und wieder die Sehnsucht nach frühzeitigem Ruhestand meinen Bettzipfel nässt, aber doch jetzt noch nicht! Ich habe eine Familie zu ernähren." - "Du hast was?" - "Eine Familie." - "Wie? Eine Frau, Kinder?" - "Was dachtest Du? Rinder und Schafe?" - "Aber du bist doch vierundzwanzig Stunden am Tag im Präsidium." - "Sechsundzwanzig Stunden."

 

Der Spannungsbogen ist weit gespannt und hält einige verdächtige Personen vor, so dass man gerne raten kann, wer denn wohl der Mörder sein mag. Nach knapp 180 Seiten scheidet jedoch einer der Hauptverdächtigen ebenfalls aus der Handlung, genauso wie das erste Opfer. Danach folgt ein ordentlicher Showdown mit einem akzeptablen Ende. Was bleibt ist als Fazit die Feststellung, dass Schneegestöber deutlich mehr Atmosphäre wie der Vorgänger bietet und somit insgesamt stimmiger ist. Gelingen Frank Goyke weitere Werke dieser Art, erhält die anspruchsvolle "Langustier"-Serie von Tom Wolf ernsthafte Konkurrenz, und das sind doch ganz herrliche Aussichten!

 

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