Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 1993
  • Heyne, 1989, Titel: 'The heretic\\\'s apprentice', Originalausgabe
Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling
Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling
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Christina Wohlgemuth
89

Histo-Couch Rezension vonAug 2009

Ein Krimi, der für Toleranz plädiert

Shrewsburry, im Jahre des Herrn 1143. Es ist Hochsommer und der Tag der Heiligen Winifred steht bevor. Shrewsburry wird von Pilgern und Gönnern des Klosters bevölkert. Unter ihnen sind auch Heimkehrer. Elave kehrt mit William von Lythwood, mit dem er im Heiligen Land war, nach Shrewsburry zurück, doch nur Elave ist am Leben. William, auf der Heimreise gestorben, soll auf dem Grundstück des Klosters beigesetzt werden. Der Wunsch wird ihm erfüllt doch seine unkonventionellen Ansichten zu religiösen Fragen führen nicht nur zu Debatten über die Beerdigung, sondern werden auch zum Problem für Elave. Und dann geschieht ein Mord, und ein Verdächtiger ist schnell gefunden ...

Theologischer Schwerpunkt

Mit dem nunmehr sechzehnten Band der Reihe wendet sich Ellis Peters etwas vom politischen Geschehen um die Anarchy - den Thronfolgestreit zwischen Stephen und Maud - ab und befasst sich mit religiösen Themen. In einer Zeit, in der abweichende Deutungen der christlichen Lehre streng verfolgt werden, wird das Wort "Ketzerei" allzu schnell im Mund geführt - auch um einen ungeliebten Mitmenschen loszuwerden. So geschieht es auch hier, und somit sind die theologischen Themen durchaus von Bedeutung. Doch die Diskussionen werden gekonnt in die Geschichte eingewebt und sind auch für den Laien ohne Weiteres verständlich.

Letztlich sind die theologischen Debatten nur Vorlage für das eigentliche Kernthema dieses Falls - Toleranz. Aktuell bis in die heutige Zeit ist es ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Die Rahmengeschichte des Kriminalfalls verdeutlicht die teilweise radikalen Positionen, die - wenn auch leicht abgeändert - bis heute bestehen und transportiert nebenbei eine löbliche Botschaft, ohne dabei den moralischen Zeigefinger allzu hoch zu heben,

Krimi etwas im Hintergrund

Neben dieser Rahmenhandlung tritt die Krimihandlungen dieses Mal ein wenig in den Hintergrund der Mord als solcher ist relativ einfach gestrickt und die Lösung schon einige Seiten vor dem Ende absehbar. Dennoch tut das der Geschichte keinen Abbruch, denn letztlich lebt sie nicht von atemberaubender Spannung, sondern von der interessanten Darstellung der Zeit und der erneut sehr angenehmen Charakterdarstellung. Sowohl die Zwischentöne zwischen den bereits bekannten Charakteren als auch die Einführung neuer, fallbezogener Figuren gelingt der Autorin mühelos und bereitet ein sehr entspanntes Lesevergnügen.

Gewohnt hohe Qualität

Neben der Charakterstellung überzeugt die Autorin auch einmal mehr mit ihrem eingängigen Stil, der auch für Einsteiger in diesem Genre gut geeignet ist. Es ist hier jedoch ratsam, mit dem ersten Band der Reihe Im Namen der Heiligen zu beginnen - nicht nur, um die Charakterentwicklung nachvollziehen zu können, sondern auch, weil der Hintergrund um den Thronfolgestreit durchaus von Bedeutung ist.

Letztlich bieten die Bände, nachdem man einige gelesen hat, keine großen Überraschungen - dafür erhält der Leser gewohnt gute Kost auf hohem Niveau, Ausreißer nach unten sind nicht zu verzeichnen. Auf Ellis Peters, die 1995 verstorben ist, war in dieser Hinsicht stets Verlass.

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