Im Namen der Heiligen

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 1984
  • Heyne, 1977, Titel: 'Morbid taste for bones', Originalausgabe
Im Namen der Heiligen
Im Namen der Heiligen
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Eva Schuster
82

Histo-Couch Rezension vonAug 2009

Bruder Cadfael und der tödliche Reliquienstreit

Kurzgefasst:

Die Benediktiner-Abtei von Shrewsbury ist wieder Schauplatz mysteriöser Ereignisse. Der ehrgeizige Abt leitet höchstpersönlich eine Mönchsdelegation in ein entferntes walisisches Dorf, um die Gebeine einer wundertätigen Heiligen sicher in die Abtei zu geleiten. Schon bald bedarf es Bruder Cadfaels ungewöhnlicher Scharfsinnigkeit, als unwillkommene Erscheinungen und fragwürdige Wunder die frommen Männer behindern. Und dann geschieht im Namen der Heiligen sogar ein Mord.

 

Die Benediktinerabtei St. Peter und Paul in Shrewsbury im Jahre 1137: Prior Robert ist schon seit langem frustriert darüber, dass die ehrwürdige Abtei keine Reliquien zu präsentieren hat. Da trifft es sich ausgesprochen gut, dass einer der Klosterbrüder plötzlich ein Wunder erlebt, das offenbar auf die heilige Winifred zurückgeht. Ihre Gebeine sind im walisischen Gwytherin begraben. Prior Robert möchte aufgrund des Wunders Anspruch auf die Überreste erheben und Winifred als Schutzheilige von St. Peter und Paul etablieren.

Prior Robert macht sich mit einer Delegation von Mitbrüdern auf den Weg nach Gwytherin ins benachbarte Wales. Unter seinen Begleitern ist auch der kluge Cadfael, der sich im Kloster hauptsächlich um den Garten und die Heilkräuter kümmert und der als gebürtiger Waliser dolmetschen wird.

In Gwytherin stößt Robert Prior jedoch auf ungeahnten Widerstand. Die Bewohner reagieren ablehnend auf das Anliegen und wollen die Grabesruhe der Heiligen Winifred nicht stören. Vor allem der angesehene, einflussreiche und wohlhabende Rhisiart weist Prior Robert zu dessen Ärger entschieden zurück. Während der Prior noch einen Plan ersinnt, um doch noch an die Gebeine zu kommen, geschieht im Ort ein Mord. Schnell ist ein mutmaßlicher Täter zur Hand - doch Cadfael hat seine Zweifel und beginnt zu ermitteln ...

Ein mittelalterlicher Mönch ermittelt

Neben Umberto Ecos William von Baskerville aus Der Name der Rose dürfte Bruder Cadfael der bekannteste klerikale Ermittler des Mittelalters sein. Zwanzig Romane widmete Ellis Peters ihrem sympathischen Detektiv in Kutte, der hier seinen ersten Auftritt feiert.

Interessante Charaktere

Schnell wird deutlich, worin der Reiz der überaus erfolgreichen Reihe liegt: Bruder Cadfael ist ein facettenreicher und dabei doch angenehm zurückhaltender Charakter; interessant und charismatisch, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. Erst mit rund vierzig Jahren ist Cadfael ins Kloster eingetreten - zuvor zog er etwa als Kreuzritter ins Heilige Land, durchfuhr als Seemann das Mittelmeer und arbeitete als Söldner, ehe er in der Abtei von Shrewsbury seine Heimat fand. Auch den Frauen war der abenteuerlustige Cadfael in seinem weltlichen Leben nicht abgeneigt und es wird rasch deutlich, dass er seinen Mitbrüdern in vielerlei Hinsicht einen Erfahrungsschatz voraus hat, der ihm bei seiner Menschenkenntnis zugute kommt. Diese Abgeklärtheit, sein weltliches Leben genossen zu haben, gibt ihm die nötige Besonnenheit, um im Kloster glücklich zu werden.

Auch die anderen wichtigen Figuren werden gut eingeführt und präsentieren ein breitgefächertes Charakterspektrum. Eine zentrale Gestalt ist Prior Robert, bei dem der Leser ahnt, dass er auch in weiteren Bänden eine Art Gegenspieler zu Cadfael sein wird. Prior Robert ist eine aristokratisch wirkende Erscheinung, würdevoll, intelligent und tief religiös, dabei aber auch recht eitel und mit hochnäsiger Attitüde. Der intelligente und souveräne Cadfael, der sich von ihm nicht beeindrucken lässt, ist ihm oft ein Dorn im Auge - und er sieht es dementsprechend auch alles andere als gern, dass ausgerechnet Cadfael ihn auf seiner Mission begleiten wird. Eine sehr liebenswerte Figur ist der junge John, ein lustiger Rotschopf, der etwas übereilt ins Kloster eingetreten ist und in Shrewsbury von der hübschen Annest verwirrt wird. Einen kurzen aber dennoch prägnanten Auftritt hat der ehrwürdige Abt Heribert, in seiner weisen Sanftmut ein recht deutlicher Kontrast zum kühlen Prior Robert.

Gemächlicher Einstieg, steigende Spannung

Die Kriminalhandlung braucht zugegeben recht lange, bis sie in Gang kommt - der Leser wird zunächst in die wichtigsten Charaktere in der Abtei St. Peter und Paul eingeführt und auch im walisischen Gwytherin angekommen, verlaufen die Dinge erst einmal gemächlich. Mehr als achtzig Seiten muss sich der Leser gedulden, bis der Mord geschieht - der Krimiteil spielt dementsprechend lange Zeit keine Rolle in der Handlung. Dafür ist der Täter nicht zu offensichtlich, selbst das Motiv bleibt eine Weile undurchsichtig: Der naheliegendste Grund ist der Streit um die Gebeine der Heiligen und damit kommen auch die Mönche in Betracht, allen voran der ehrgeizige Prior Robert. Allerdings scheint es bald darauf möglich, dass der Mörder es nur darauf abgesehen hatte, eine andere Person zu denunzieren und sie, indem er ihr einen Mord anhängt, aus dem Weg räumt. Als dritte Möglichkeit kommt in Frage, dass jemand aus Gwytherin schon lange das Opfer töten wollte und nun die passende Gelegenheit gefunden hat, da der Fokus auf den Mönchen aus der Benedektinerabtei liegt. Auch Cadfael muss sich Stück für Stück vorarbeiten und mit einer Mischung aus Intuition und Kombinationsgabe dem Täter auf die Spur kommen.

Das Ende erscheint zunächst ein bisschen konstruiert, erhält dann jedoch eine durchaus originelle Wende und demonstriert ein weiteres Mal, was für eine facettenreiche und durchaus unkonventionelle Figur Cadfael ist. Sehr gelungen ist darüber hinaus der fein dosierte Humor, der immer wieder in die Handlung einfließt; vor allem der liebenswerte, unbedarfte Bruder John ist für solche Momente verantwortlich. Besonders bezaubernd ist jene Szene, in der er und Annest sich in ihren verschiedenen Sprachen miteinander unterhalten - Bruder John in Englisch und Annest in Walisisch, jeder in Unkenntnis darüber, was andere andere sagt, doch es ist offensichtlich, dass sie eine Sprache sprechen, die keiner Übersetzung bedarf. Niedlich ist dabei vor allem die Schilderung, als Annest John fragt, weshalb er ins Kloster gegangen ist und er wiederum, als würde er ihre Worte erahnen, genau diese Geschichte erzählt. Neben der Krimihandlung werden auch zwei reizvolle Liebesgeschichten eingeflochten, deren Ausgang den Leser ebenso fesseln dürfte wie die Frage nach dem Mörder und seinem Motiv.

Sicher ist Im Namen der Heiligen kein Meisterstück in Sachen kriminalistischer Raffinesse, der Fall ist, auch wenn er nicht sofort zu durchschauen ist, nicht außergewöhnlich komplex gestrickt. Dennoch ist bereits an diesem ersten Band ersichtlich, weshalb die Cadfael-Reihe so viele Leserherzen weltweit erobern sollte und lohnt sich vor allem für Liebhaber gemütlicher Mittelalterkrimis.

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