Kunne, die Magd

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • , 2005, Titel: 'Kunne, die Magd', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Blasse Wiedertäufer in Münster

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2009

Kurzgefasst:

Münster im Jahr 1530. Die Ernte ist verdorben, und viele Familien können ihre große Kinderschar nicht mehr ernähren. So kommt die zwölfjährige Kunne als Magd in den Haushalt eines Kaufmanns. Dieser gilt als Freund der Armen, der für Bedürftige immer einen Teller Suppe bereit hat. Und, so munkelt man, er soll ein Feind des Bischofs sein... Kunne beobachtet ihren Dienstherrn, der ganz offensichtlich Partei für die Evangelischen ergriffen hat. Bald entbrennt ein erbitterter Kampf zwischen den religiösen Richtungen.

 

Münster in Westfalen im Jahr 1530. Die zwölfjährige Kunne kommt als Magd vom Lande ins Haus des Kaufmanns Knipperdollinck, wo sie in der Küche hilft. Knipperdollinck nimmt regen Anteil am Leben der Stadt und ergreift Partei für die evangelischen, die immer mehr das katholische Münster besetzen. Schließlich flieht auch der neue Bischof von Waldeck aus der Stadt und belagert sie.

Der niederländische Prophet Jan Mathys kommt nach Münster und beginnt, alle Gläubigen neu zu taufen. Immer mehr Menschen geraten in den Bann des Predigers, auch Kunne kann dem Lauf der Dinge nicht widerstehen. Als Mathys getötet wird und ein neuer Prophet namens Jan van Leyden die Stadt in ein neues Jerusalem verwandelt, nimmt das Schicksal der Stadt unter den Wiedertäufern seinen Lauf.

Ungenutztes Potenzial an Dramatik

Ulrike Halbe-Bauer hat sich für ihre historische Erzählung, wie sie sie nennt, ein spannendes und konfliktbeladenes Thema herausgesucht. Das erzkatholische Münster wird evangelisch und wird zur Festung, Hungersnöte und Krankheiten dünnen die Bevölkerung aus, verrückte Propheten verkünden ein neues Königreich in einer kleinen Stadt und Sitten und Anstand gehen allmählich den Bach herunter - und alles im Namen des Herrn.

Leider lässt die Autorin das ihr dargebotene und erwählte Potenzial an Geschichten weitestgehend ungenutzt. Auf nur 150 Seiten gelingt es ihr leider nicht, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser in ihren Bann zieht. Kurze Sätze und eine meist bilderarme Sprache tragen nicht dazu bei, den Leser an den Stoff zu fesseln. Der Erzählstil und auch die zwischendurch eingestreuten Zeichnungen von Egbert Lütke-Fahle lassen auch mehr an einen Jugendroman erinnern, aber auch dafür bietet die Autorin sprachlich zu wenig.

Lückenhafte Historie

Erzählt wird die Geschichte als Rückschau von Kunne, die seinerzeit als Magd nach Münster kam und alles hautnah miterlebt hat. Sie erzählt es ihrer Nichte, und die beiden Erzählzeiten sind in unterschiedlichen Schriftarten gekennzeichnet. Dabei gehen manchmal die Zeiten so nahtlos ineinander über, sodass sich das erdachte System der Erzählstränge von selbst aufhebt und genauso verheddert wirkt wie die Lage in Münster selbst.

Zwar beginnt das Buch interessant und versucht, die historischen Ursachen des Wiedertäufertums darzustellen. Dies bleibt allerdings sehr lückenhaft und unvollständig. Die letztendliche Herrschaft der Wiedertäufer findet nur im kleinsten Teil des Buches statt, und auch wenn die Autorin sichtlich um Dramatik und Erzählfluss bemüht ist, so gelingt es ihr sprachlich dennoch nicht, eine überzeugende und packende Geschichte zu erzählen.

Sprachlich enttäuschend

Die Charaktere bleiben allesamt blass und werden kaum näher beschrieben, so dass eine Identifizierung mit egal welcher Figur nicht stattfinden kann. So wie Kunne von all den Hintergründen wenig mitbekommt, tappt auch der Leser letztlich im Dunkeln, und das ist selbst für eine Erzählung, wenn sie schon nicht Roman heißt, zu wenig. Man erfährt wenig über die Beweggründe, sowohl die inneren als auch die äußeren, der Täufer, und der Name des dritten Verurteilten, der schließlich in einem Käfig an der Lambertikirche baumeln wird, fehlt gänzlich. So ist die Erzählung nicht nur unzureichend, sondern auch unvollständig.

Zwar hat die Autorin ein Nachwort und einen Glossar angefügt, allerdings hilft das dem Leser auch nicht weiter. Wer mehr über die Zeit der Wiedertäufer in Münster erfahren möchte, kann sich getrost ein anderes Buch dafür vornehmen. Hier wären mehr als 150 Seiten durchaus wünschenswert gewesen. Schade.

 

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