Unter der Asche

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2009, Titel: 'Unter der Asche', Originalausgabe

Couch-Wertung:

98

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Bettina Weiß
Das Leben auf der Schattenseite Londons

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jul 2009

Kurzgefasst:

London 1666. Vier Tage lang brennt die Stadt. Es ist eine Stadt voller Menschen, die in den Schatten leben. Der Straßenjunge Geoff, der in einem Taubenschlag lebt. Seine schöne Schwester Jezebel, die abends in der verrufenen Kneipe »Boar's Head« Bier ausschenkt und eines Tages spurlos verschwindet. Der junge Jamie Hollar, der ein Bild von ihr gemalt hat. Der Gauner Ray Webster, der vom Dieb zum Dichter wird. Und viele andere mehr, Menschen besessen von Kunst, von Religion, von Hass oder dem schieren Hunger nach Leben. Sie alle sind Akteure in einem Drama, das sich vor dem Panorama dieser Stadt entfaltet. Ein Mord in einer dunklen Gasse, ein seltsamer Eremit auf einem Friedhof, ein Grabstein, der eine alte Geschichte von Schuld und Sühne erzählt. Aus diesem Gemisch entspringt der Funke, der ganz London in Brand setzen wird.

 

London 1666, die Stadt brennt vier Tage lang und wird nahezu vollständig zerstört. Doch wie konnte es dazu kommen? Geoff, der mit seinem trunksüchtige Vater und einer älteren Schwester Jezebel, die als Schankmädchen in einem verrufenen Wirtshaus arbeitet, mehr schlecht als recht in einem zerfallenden Hinterhof in Southwark lebt, versucht die Familie durch kleinere Diebstähle und Hilfsarbeiten über die Runden zu bringen. In dem kleinen zerstörten Hinterhof leben auch der Gauner Ray Webster, den die Muse küsst und der zum Dichter wird, sowie ein alter Mann, der von allen nur Rat Scabies genannt wird, der bei der letzte großen Pestwelle seine Frau verloren hat und nun Jagd auf Ratten macht. In der Nachbarschaft lebt auch ein seltsamer Eremit, der sonntags die Kinder des Viertels in einer Armenschule zumindest Lesen und Schreiben lehrt, sich aber ansonsten von den Menschen fern hält und nachts auf dem Friedhof herumschleicht. In der Kneipe begegnet Jezebel dem Maler Jamie Hollar, der ein Bild von ihr malt und damit ihr Leben für immer verändern wird. Sie alle gehören zu den Verlierern ihrer Zeit und leben auf der Schattenseite Londons. Und aus diesem Gemenge der Menschen und ihrer Schicksale entspringt der Funke, der den großen Brand auslösen wird.

Vor dem Auge des Leser entfaltet sich ein Mosaik der Geschehnisse

Der Prolog des Romans handelt von Geschehnissen nach dem Großen Brand Londons und erzählt von angehäufter Schuld und dem Graben nach der Wahrheit. Durch diese Einführung entsteht eine große Spannung, da das Geschehen sehr vage angedeutet wird, aber die große Not des Erzählers, ob der Schuld, die er auf sich geladen hat, in jeder Zeile zu spüren ist. Die eigentliche Romanhandlung ist in acht Abschnitte unterteilt. In jedem Abschnitt steht eine andere Hauptperson im Mittelpunkt, so dass sich vor dem Leser ein buntes Mosaik der Geschehnisse ausbreitet. Die Handlung wird auf diese Weise mit sehr unterschiedlicher Gewichtung erzählt und der Leser vermag sich ein ganz eigenes Bild der Ereignisse zu machen. Die Spannung wird dadurch vom Prolog an hochgehalten, da sich erst im Laufe der verschiedenen Abschnitte die wirklichen Ereignisse und Motive der handelnden Personen offenbaren. Im Epilog werden alle Handlungen zusammengeführt und erschaffen einen versöhnlichen Ausblick auf die Zukunft.

Facettenreiche Charaktere bilden die Grundlage einer faszinierenden Geschichte

Die Protagonisten des Romans sind detailreich mit Tiefe und Affekt gezeichnet. Es gibt bis in die Nebenfiguren hinein keine Person, die ohne Fehl und Tadel durch die Handlung geht. Sie alle haben in einer anderen Weise Schuld auf sich geladen und versuchen einen Weg zu finden, damit umzugehen. Die Personen erzählen aber auch von Rache und Sühne sowie der Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Auf diese Weise erwachen zu jeder Figur Emotionen, die den Leser nicht mehr loslassen und ihn auch noch nach dem Ende des Romans begleiten. Die Protagonisten werden zu liebenswerten, komischen, absonderlichen oder verachtenswerten Gefährten, die durch die Handlung führen und deren Schicksal nicht mehr loslässt.

Diese Vielfalt ist auch in der Sprache zu finden. In dem Roman kommt einem Theaterstück eine ganz wesentliche Bedeutung zu. Dies ist sprachlich an vielen Stellen zu spüren. Die Geschehnisse scheinen wie auf der Bühnen des Lebens aufgeführt zu werden. Als Leser zieht man mit Geoff durch die Gassen Londons, hört den Eremiten dozieren und sitzt mit den Schankfrauen und Gästen in den Wirtshäusern.

Rundum gelungenes Buch

Der wunderbar gelungene Roman wird auch durch die Gestaltung des Buches fabelhaft ergänzt. Im vorderen Einband befindet sich eine Abbildung eines zeitgenössischen Stichs und im hinteren Einband ist ein Stadtplan Londons von Wenceslaus Hollar abgeruckt, dem auch eine Rolle im Geschehen zukommt. Des weiteren finden sich im Anhang Anmerkungen und Übersetzungen.

Insgesamt ist dies ein hervorragend gelungener Roman, der den Leser in ein bisher unbekanntes London entführt, in dem die Menschen auf der Schattenseite des Lebens eine Hauptrolle erhalten und diese wunderbar ausfüllen. Der Leser wird fabelhaft unterhalten und man darf sich auf weitere Bücher des Autors freuen.

 

Unter der Asche

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Letzte Kommentare:
25.03.2018 16:25:04
-Ginger-

Das Buch beschreibt die Ereignisse, die letztendlich zum großen Brand in London 1666 führen; und das aus unterschiedlichen Perspektiven, teils in der Ichform, teils mit Zeitsprüngen - man muss schon die ganze Zeit aufmerksam lesen. Das hat mir aber wirklich gut gefallen, da alles wunderbar beschrieben ist, so dass man sich ein sehr gutes Bild von den Menschen und der damaligen Zeit machen kann, mit allen Irrungen und Wirrungen. Mit der Zeit merkt man, wie alles irgendwie zu anderen Ereignissen führt, alles zusammenhängt und wie die Fäden zusammenlaufen. Was mir anfangs sehr gut gefiel, war mir ab einem gewissen Punkt aber schon fast zuviel, denn ich dachte mir, das kann doch jetzt nicht auch noch kommen, und ja klar, dass das und das jetzt der Grund dafür ist usw. Ein klein bisschen weniger davon wäre auch ok gewesen.

Trotz allem ein tolles Buch, das durch seine unterschiedlichen und gut ausgearbeiteten Charaktere, verzwickte Verwicklungen und eine tolle Beschreibung von Ort und Zeit lebt. Sehr schön und vor allem interessant fand ich, dass es hinten im Buch ein paar Seiten mit Anmerkungen und Erklärungen gibt, sowie zwei Karten, die die Gegenden darstellen, in denen die Geschichte spielt. Für mich absolut lesenswert.

04.03.2015 10:03:19
Bouquineur

London im Spätsommer 1666. Drückende Hitze liegt wie eine Dunstglocke über der Stadt und ihren Bewohnern. Während sich die Bevölkerung langsam wieder von einer wenige Monate zurückliegenden Pestwelle erholt, ahnt sie nicht, dass ihr noch eine viel größere Katastrophe bevorsteht. In Mitten dieser Zeit des Aufbruchs begegnen wir dem 13-jährigen Geoffrey, der nicht nur unter seinem trunksüchtigen Vater leidet sondern auch noch vor dem Rätsel steht, was mit seiner Schwester Jezebel passiert ist, die von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden ist. Als er sich nach einem belauschten Gespräch auf die Suche nach ihr macht, setzt er Dinge in Gang, die das Schicksal der Menschen in seinem Umfeld dauerhaft verändern werden.

Tom Finneks Geschichte setzt einige Zeit nach dem großen Brand von London an, der die Stadt vom 2. bis zum 5. September 1666 zu vier Fünftel zerstört hat und dessen Ursache bis heute nicht ganz geklärt ist. Das Feuer spielt in diesem Roman aber nur eine kleinere Rolle und ist die Konsequenz sämtlicher Handlungen, die das Buch bis zu diesem Zeitpunkt erzählt. Tom Finnek erzählt in Rückblicken die Geschichte von Geoffrey, seiner Schwester Jezebel, dem Eremiten von St. Olave, dem Ranzigen Ray und dem verrückten Rat Scabie und weiteren Protagonisten aus unterschiedlichen Perspektiven. Während Geoffrey die Geschehnisse in der Ich-Perspektive erzählt, kommen die anderen Protagonisten in der dritten Person zum Zug. Hin und wieder kreuzen sich die Erzählstränge, sodass man die gleiche Geschichte aus dem Blickwinkel der jeweils agierenden Figur erfährt. Der Leser kann sich eigentlich nie sicher sein, welche Sicht der Dinge stimmt, wer die Wahrheit erzählt oder wer sich die Wahrheit nach eigenem Ermessen zurechtbiegt. Es ist ein grandioses Verwirrspiel, das der Autor mit dem Leser treibt und oft genug glaubt man, auf dem richtigen Weg zu sein, um and Ende festzustellen, dass man doch wieder in einer Sackgasse gelandet ist.

Tom Finneks Figuren sind nicht gefällig. Es gibt keine Superhelden, es gibt auch keinen bloßen Schurken. Statt dessen gibt es Figuren wie aus dem richtigen Leben. Jeder trägt sein Päckchen, jeder trägt seine Schuld, jeder hat angenehme und weniger angenehme Wesenszüge. Tom Finneks Figuren sind skurril, komisch, tragisch, liebenswert, verachtenswert. Man mag sie, man lehnt sie ab. Aber eines haben sie alle gemeinsam - sie sind Kinder ihrer Zeit und der Umstände, in denen sie leben. Es gab in der letzten Zeit selten ein Buch, bei dem mich Figuren so beschäftigt haben. Durch die ungewöhnliche Erzählweise - das Buch besteht aus 8 Teilen plus Prolog und Epilog, bei denen immer abwechselnd eine der Figuren im Mittelpunkt des Geschehens ist, gibt es so gut wie keine Nebenfiguren. Alle stehen im Laufe der Geschichte irgendwann einmal im Licht der Scheinwerfer und haben ihre 15 Minuten Ruhm.

Tom Finneks London des 17. Jahrhunderts ist die Bühne, seine Protagonisten das Ensemble und die Leser das Publikum eines grandiosen Theaterstücks über Liebe, Wahnsinn, Rache, Schuld und Vergebung. Ein Theaterstück, bei dem die Darsteller nicht nur auf der Bühne sondern auch im Publikum agieren und es ganz tief in die Vorstellung mit einbeziehen.

Ich habe mich großartig unterhalten gefühlt und mich durch die ausgeklügelte Handlung gerne und oft an der Nase herumführen lassen. Wenn die letzte Seite umgeschlagen ist und der Vorhang gefallen, sage ich mit einem großen Bedauern "Alle ab" und hoffe, dass ich in Tom Finneks Theater des Lebens bald wieder zu Gast sein darf.

21.09.2011 12:44:21
allegra

Der Roman „Unter der Asche“ ist buchstäblich tief schürfend. Er handelt vom Graben: Einerseits im wörtlichen Sinne vom Graben in der Erde durch christlich orientierte Siedler, die sich der Allgemeinheit gehörendes Land urbar machen und von den Früchten der Erde in einer Gemeinschaft im Sinne der Bibel leben möchten. Andererseits soll im übertragenen Sinne nach der Wahrheit gegraben werden.

Im Prolog erhält der 13 Jahre alte Geoffrey Ingram von seinem Lehrer den Auftrag seine Erlebnisse vor dem großen Brand Londons zu Papier zu bringen. Dabei wird die Familiengeschichte der Familie Ingram aufgerollt. Der Leser wird aus verschiedenen Perspektiven durch ein Geflecht von Beziehungen geführt, größtenteils von Menschen auf der Schattenseite des pulsierenden Londoner Lebens.

Die verschiedenen Blickwinkel aus denen die Entwicklungen, die zum großen Brand geführt haben, beleuchtet werden, haben mich an einzelne Bühnenbilder erinnert, vor denen das große Theater des Lebens teilweise schonungslos aufgeführt wird.

Gleich von Anfang an schafft es der Autor sowohl die Atmosphäre des schmuddeligen Southwark einzufangen als auch die ländliche Gegend in Surrey anschaulich vor dem inneren Auge entstehen zu lassen.

Die Lektüre dieses Romans erfordert vom Leser einiges an Aufmerksamkeit und Geduld. Streckenweise empfand ich den Roman als recht sperrig, weil bei manchen Sachverhalten recht lange unklar ist, in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen. Die zahlreichen Figuren und die Zeitsprünge waren für mich manchmal etwas verwirrend, obwohl eine Liste vorne im Buch die Hauptfiguren vorstellt und die zeitliche Entwicklung eigentlich auch klar aus dem Text hervorgeht.
Obwohl die Geschichte mit großer Sorgfalt konstruiert ist, blieben mir hin und wieder Zweifel, ob ich alles mitgekriegt habe. Wie im realen Leben, weiß man bei vielen Figuren nie wirklich, woran man ist. Die Hauptpersonen sind sehr vielschichtig gezeichnet, so dass man zwischen Bewunderung und Verachtung schwankt und sie nicht unbedingt als Sympathieträger erlebt. Somit blieb der Identifikationsfaktor für mich für einmal aus, was ich aber nicht als nachteilig empfunden habe.

Dieses Buch hebt sich für mich sehr angenehm von der Vielzahl historischer Roman ab. Es ist sorgfältig recherchiert, konstruiert und formuliert und ist für mich eine sehr angenehme Abwechslung, weil für einmal die ausschließlich positiv besetzten weiblichen Heldinnen ausbleiben. Deshalb empfehle ich es gerne weiter.

07.01.2011 10:20:03
Berliner_Göre

Ich kann mich der Meinung der Histo-Couch-Kritikerin nur anschließen: ein rundum tolles Buch. Sogar noch besser als die Moor-Romane von Mani Beckmann (= Tom Finnek). Besonders die Vielzahl der Schicksale und wie sie verwoben sind, hat mir gefallen. Auch die Ausstattung (mit Stadtplan und Panorama in den Klappen und ausführlichem Anhang mit Übersetzungen und Anmerkungen) ist lobenswert.

09.06.2010 21:28:13
zahavi

Eine Familiengeschichte voller Drama, Emotionen und Geheimnissen. Und obendrein ein ungewöhnlicher historischer Krimi. Mit "Unter der Asche" ist Tom Finnek ein erstaunliches Panorama einer Stadt und einer Epoche gelungen. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd von dem kleinen Geoffrey Ingram (als Ich-Erzähler) und dessen hübscher Schwester Jezebel (in der 3. Person), und der Roman behandelt so unterschiedliche Themen wie die Pest, das Große Feuer von London, religiöse Sekten, Gaunertum und lasterhaftes Treiben, aber auch eine fesselnde, dramatische Liebesgeschichte. Von allem etwas, aber nichts zu kurz oder oberflächlich. Ein Schmöker, der bestens unterhält und zu denken gibt.
Zudem ist das Buch sehr schön ausgestattet, mit einem Stadtplan Londons, einem Panorama der Stadt und einer weiteren Landkarte. Sehr empfehlenswert.

22.02.2010 10:39:01
Hence J.

Finneks Roman setzt einige Zeit vor dem Großen Feuer von London an, der die City im September 1666 zu großen Teilen zerstört hat und dessen Ursache bis heute nicht klar ist. Während der kindliche Held die Ereignisse aus der Ich-Perspektive schildert, erfährt man von den anderen Personen in der dritten Person, so dass es letztlich keine Nebenfiguren gibt. Manchmal kreuzen sich die Erzählstränge, so dass man die gleiche Geschichte aus dem Blickwinkel der jeweils handelnden Figur liest. So kann sich der Leser nie sicher sein, welche Sicht stimmt, wer die Wahrheit erzählt oder wer sich die Realität nach eigenem Belieben zurechtbiegt. Es ist ein schönes Verwirrspiel, das der Autor mit dem Leser treibt. Oft genug glaubt man, auf dem richtigen Pfad zu sein, um am Ende festzustellen, dass man doch wieder auf dem Holzweg gelandet ist.

Die Figuren sind sehr lebensnah. Jeder jeder hat angenehme und weniger angenehme Wesenszüge. Sie sind skurril, komisch, tragisch, liebenswert, hassenswert. Aber eines haben sie alle gemein - sie sind Kinder ihrer Zeit und der Umstände, in denen sie leben. Finneks London des Jahres 1666 ist der Schauplatz eines Romans über Liebe, Wahnsinn, Rache, Schuld und Vergebung.

21.09.2009 14:26:04
marianna

Vor dem historischen Hintergrund des Brandes von London entfaltet Tom Finnek in seinem Buch „Unter der Asche“ eine verzwickte, aber spannende und authentisch wirkende Geschichte. Der Autor zeichnet ein realistisches und facettenreiches Bild des 17. Jahrhunderts. Das Leben im Londoner Stadtteil Southwark ist für Geoff und seine Schwester Jezebel hart. Die Mutter ist kurz nach Geoffs Geburt verschwunden, der Vater ein Säufer und Schläger. Die Umgebung wimmelt nur so von skurrilen Gestalten und rätselhaften Ereignissen. Eine Familiengeschichte voller Drama, Emotionen und Geheimnissen. Und obendrein ein ungewöhnlicher historischer Krimi.

Die Ereignisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Die Handlung macht zeitliche Sprünge, denn Geschehnisse, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen, beeinflussen das Leben der Protagonisten im Jahre 1666 mit ungeahnter Wucht. Der religiöse Zwist zwischen Quäkern, Diggern und Puritanern spielt dabei ebenso eine Rolle wie die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Beinahe zwangsläufig wird ein Stein ins Rollen gebracht, der Funken schlägt und zur Katastrophe führt.

Das Buch fesselt durch die ereignisreiche, dramatische Handlung. Historische verbürgte Personen und Ereignisse und eine angemessene Portion fiktive Kriminalhandlung geben dem Roman die richtige Würze.

Zudem ist das Buch sehr schön ausgestattet, mit einem Stadtplan Londons, einem Prospekt der Stadt und einer weiteren Landkarte von Surrey. Sehr lesenswert.