Feuersetzen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Feuersetzen', Originalausgabe

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64
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Carsten Jaehner
Probleme mit dem brennenden Goslar

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2009

Kurzgefasst:

Goslar 1552: Pietro Paolo Volpi aus Padua, Botaniker und Jurist auf Deutschlandreise, hat von seinem Mäzen den Auftrag erhalten, das "nordische Rom" in einem Gedicht zu verherrlichen. Welch schöner Auftrag ... würde ihn nicht eine schreckliche Schreibblockade lähmen! Gerade hat Volpi im Haus des reichen Wandschneiders Jobst Unterkunft gefunden, als die Feuerglocke zum ersten Mal läutet. Gemeinsam mit Ratsarchivar Bartholdi sucht er zu retten, was zu retten ist. Doch die beiden kommen zu spät: Otto Herbst, der Feuerhüter des Rammelsberges, und die "Schwalbe", seine Geliebte, finden bei dem Brand den Tod. Betört von der Schönheit Sibylle Herbsts, der Witwe, erlangt Volpi seine poetische Schaffenskraft wieder. Er und Bartholdi werden zu Verfolgern des Feuerteufels, der vom Goslarer Rat mit Brandbriefen eine Menge Silber erpresst. Sie sind der Lösung ferner denn je, als Herzog Heinrich mit großer Streitmacht zur Belagerung heranrückt ... Goslar brennt!

 

Pietro Paolo Volpi, Botaniker und Jurist aus Padua, kommt im Jahr 1552 nach Goslar, wo er im Auftrag seines Mäzens ein Gedicht über die Stadt schreiben soll, denn dessen Gemahlin stammt ursprünglich aus dieser Stadt. Leider hat Volpi derzeit eine Schreibblockade, die ihn daran hindert, seinen Auftrag zu erfüllen. Er lernt den Ratsarchivar und Zwerg Bartholdi kennen, der ihn im Haus des Wandschneiders Jobst unterbringt. Nicht lang, und die Feuerglocke läutet, als das Haus der Vera Stobeken, genannt die "Schwalbe" brennt.

Volpi und Bartholdi stürmen ins brennende Haus und versuchen vergebens, zwei Menschen zu retten und geraten selbst in höchste Gefahr. Neben der "Schwalbe" lag Otto Herbst, der Feuerhüter des Rammelsberges. Dessen Witwe ist ein sehr schöne Frau, in die sich der Italiener Volpi sofort verliebt.

Volpi beginnt, den Fall der Brandstiftung zu ermitteln, den man will gesehen haben, wie ein Brandpfeil auf das Haus geschossen wurde. Feuer spielt in der Zeit in Goslar eine große Rolle, so auch beim Bergbau, in dem durch Feuersetzen gezielte Brände gelegt werden, um Erz auszusprengen. Als gäbe es nicht schon in Goslar genug Probleme, rückt von außen auch noch Herzog Heinrich der Jüngere an, der Goslar haben möchte und dafür auch vor Brandstiftung nicht zurückschreckt.

Konfuse Konstruktion

Tom Wolfs dritter Hansekrimi hat das Feuer zum Thema, und über 238 Seiten führt er den Leser in ein Goslar der Renaissance, in dem der Feuerteufel umgeht. Dabei bedient er sich einer Sprache, wie sie damals wohl üblich gewesen ist, verschont den Leser aber mit dem Goslarer Dialekt, den er im Nachwort beschreibt und der dem Leser die Lektüre doch sehr erschwert hätte. Allerdings wirkt diese Sprache häufig konfus, und so gerät der Lesefluss doch des öfteren holperig.

Die Handlung ist zwar klar, und doch fehlen dem Leser doch die eine oder andere Motivation für die Geschehnisse. Warum fängt Volpi an zu ermitteln, obwohl in niemand beauftragt hat? Warum fliegt auch die Witwe Herbst sofort auf Volpi, gegen jede Vernunft, und warum hat niemand etwas dagegen? Derlei Fragen, von denen diese noch harmlos sind, lassen neben der Sprache auch die Handlung konfus wirken.

Dadurch bleiben auch viele Nebenfiguren blass, und überhaupt werden hier Klischees wie aus dem Lehrbuch bedient. Der Zwerg als Begleiter (man lernt sich gerade kennen und ist schon auf Leben und Tod vertraut miteinander); die schöne Witwe, die sich sofort in den feurigen neuen Italiener verliebt; die Ratsmitglieder, von denen die einen dem Italiener wohlgesonnen sind, die anderen ihn fürchten; und natürlich der geheimnisvolle Unbekannte, der die Stadt ins Unglück stürzen will und ein Feuer nach dem anderen zu legen droht. Im Grunde genommen passiert hier nichts überraschendes und die Aufklärung der Mordserie gerät auch in den Hintergrund. Auch der eigentlich Grund seiner Reise spielt überhaupt keine Rolle.

Gute Historie, wirre Ausführung

Allerdings muss man Tom Wolf zugute halten, dass er sich in der Historie, die er beschreibt, auskennt. Das Feuersetzen im Bergwerk wird für jeden verständlich beschrieben und endet natürlich nicht ohne Dramatik. Auch die Zeit und die drohende Belagerung von außen werden anschaulich geschildert, so dass sich durch die Verwendung der "alten" Sprache schon ein schönes historisches Bild ergibt. Wenn es denn nur nicht so konfus wäre...

Ein nahezu 30seitiger (!) Anhang erklärt ausführlich das Leben der Zeit mit Feuersetzen, Personen, Brauchtum, Aberglaube, Biertradition und weitere Aspekte des Romans. Das kennt der Leser schon von Tom Wolfs Erfolgskrimireihe um Honoré Langustier, den Zweiten Hofküchenmeister des Königs von Preußen, Friedrich dem Großen. Allerdings sind die Preußenkrimis allesamt in sich stimmiger geraten als Wolfs "Feuersetzen". Zwar rückt der Anhang einiges aus dem Roman ins rechte Licht, allerdings ist es da für den Leser, wenn er sich überhaupt die (durchaus lohnende) Mühe macht, ihn zu lesen, schon zu spät.

Ein bisschen mehr Ordnung und eine klarere Linie hätten dem Roman gut getan. So bleibt beim Leser ein unbefriedigter Nachgeschmack. Hoffentlich erreicht Wolf bei seinen nächsten Hansekrimis wieder das Niveau seiner Preußenkrimis.

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