Windiger Siel

Erschienen: Januar 1949

Bibliographische Angaben

  • , 1949, Titel: 'Windiger Siel', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Melancholisches Leben an der Nordseeküste

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2009

Kurzgefasst:

Erzählt wird das Leben der ostfriesischen Seefahrerfamilien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wasser und zu Lande und gibt einen Einblick in die Lebensart an der norddeutschen Küste.

 

Um das Jahr 1850 war das kleine Örtchen Carolinensiel an der Nordseeküste ein florierender Hafen. Von hier aus Fuhren die Schiffe um die Welt, es gab mehrere Reedereien, und das Leben ging seinen friesischen Gang. Vom Leben dieser Zeit erzählt Marie Ulfers' Roman, in den sie viele eigene Erfahrungen mit eingebracht hat.

Anhand der Lebensgeschichten von dem etwas unbeholfenen Seemann Taak und seiner jungen Braut Etta wird das Leben in Ostfriesland erzählt. Dabei gibt es im Ort allerlei Personen, die charakteristisch für die Zeit sind, allen voran die "Queen", wie sie genannt wird, weil sie der amtierenden Königin Victoria in England so ähnlich sieht. Die "Queen" ist dabei anerkanntes moralisches Oberhaupt des Ortes und nichts entgeht ihr oder wird ohne sie getan und besprochen, und auch als Heiratsvermittlerin macht sie ihre Arbeit. Zwar wollen Taak und Etta eigentlich nicht wirklich zueinander passen, aber die "Queen" fädelt schon alles ein, schließlich ist es wichtiger, gut und sicher zu heiraten, als den Partner auch noch zu lieben.

Das Jahr nimmt seinen Lauf, und Feiertage und Arbeitstage wechseln sich ab. Die Seeleute fahren um die Welt, sogar bis nach Skandinavien und Russland, teilweise sogar bis China, und auch die Frauen sind mit an Bord. Taak und Etta, obwohl viel zusammen, werden nicht recht glücklich miteinander, bis Etta endlich ein Kind erwartet. Der Ort nimmt teil am Leben der anderen, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Ein Gesellschaftsroman mit gelegentlichen Längen

Wie ein Gesellschaftsroman kommt Windiger Siel daher, und von der ersten Seite an riecht man die salzige Luft und verspürt eine gewisse kühle Atmosphäre. Die Autorin versteht es, die Zeit einzufangen und den Leser in die Vergangenheit zu entführen. Dabei steht eigentlich keine wirkliche Handlung oder Hauptpersonen im Vordergrund, sondern mehr der Ort und die Zeit selbst. Und doch kehren die selben Personen immer wieder, und man gewöhnt sich an das Leben im Fischerdorf.

Die Autorin versteht es, dem Leser die Sichtweise der Einwohner und somit der Zeit aufzuzeigen. Wenn bei der Kirmes Pfeffernüsse verteilt werden oder das Wetter anzeigt, wann die Männer von großer Fahrt nach Hause kommen, dann fühlt man sich tatsächlich an die Küste versetzt. Und genauso wenig wie die Nachrichten aus der großen weiten Weltpolitik für sie interessant sind, so selten dringen sie überhaupt in den Ort ein. Und auch wenn man sich vielleicht nicht immer mag, wenn es darauf ankommt, dann wird doch zusammengehalten und sich gegenseitiger Respekt gezollt.

Keine leichte Kost

Was Marie Ulfers inhaltlich mitzuteilen versteht, steht allerdings manchmal im Kontrast zu ihrer Ausdrucksweise. Stellenweise springt sie doch zu sehr hin und her, so dass der Leser von der momentanen Erzählperspektive verwirrt sein kann. Zwar formuliert sie als Erzähler immer auf hochdeutsch, wenn es allerdings in die wörtliche Rede geht, so lässt sie die Menschen reden, wie ihnen der friesische Schnabel gewachsen ist. Das friesische Platt verschafft zwar eine noch intensivere Atmosphäre, allerdings versteht der ans hochdeutsche gewöhnte Leser dabei nicht immer, was gerade gesagt wird, an einigen Stellen selbst mit größter Fantasie und Bemühung nicht. Hier hätte man bei der Herausgabe des Buches ein paar Hinweise geben können.

 

 

Und jetzt ist das junge Ehepaar einen Augenblick allein, Taak weiß nicht recht, was er zu seiner jungen Frau sagen muß, die ihm so nahe ist und doch so unerreichbar scheint. Gedrut wirtschaftet nebenan mit Wübkmagret: "...Fää--llig?" klingt es fortwährend. "Etta! Mien Fro! Magst du mi ok lieden?" Er hat sie an sich gezogen und küßt den warmen roten Mund, der kühl sagt: "Worüm denn nich?"

 

Windiger Siel ist kein Buch, das sich locker wegliest, im Gegenteil. Man gerät des öfteren ins Stocken und empfindet eine generelle etwas düstere Stimmung, die auch gegen Ende nicht wirklich aufhellt. Dazu kommen auch einige Längen, in denen das Leben auf der Stelle tritt und auch sonst nicht viel passiert. Wenn sich Taak und Etta trennen und letztlich doch wieder zusammenfinden, ist das nicht unbedingt ein Happy-End, wie man sich das vielleicht denkt. Aber auch an der Nordseeküste geht das Leben weiter, und manche Tradition wird mit der Zeit aufgeweicht und kann so nicht beibehalten werden. Man muss mit der Zeit gehen.

In einem Nachwort wird das Leben und Werk von Marie Ulfers gewürdigt. Noch heute kann ihr Wohnhaus in Carolinensiel besichtigt werden. Das Buch, das über das Deutsche Sielhafenmuseum bezogen werden kann, zeigt auf 500 Seiten das Leben um das Jahr 1850, und im Museumshafen und in den Ausstellungen kann man zahlreiche Exponate aus der Zeit bewundern, die einem das Leben plastisch darstellen. So endet das Buch mit den Worten: "Geschlechter kommen und gehen, Verhältnisse wandeln sich, und jeder Zeit hat ihr eigenes Gesicht." Ein philosophisches, melancholisches Ende, das die Stimmung des Buches gut zusammenfasst, ein interessantes Zeitdokument, nicht nur für Nordseeliebhaber.

 

 

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