Dezembersturm

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2009, Titel: 'Dezembersturm', Originalausgabe

Couch-Wertung:

58
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Kirsten Lambeck
Eine ostpreussische Kindheit auf dem Rittergut

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Apr 2009

Ostpreussen in den 1870er Jahren: Die adlige Waise Lore lebt nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern und Geschwister bei ihrem Großvater Nikolaus von Trettin im alten Jagdhaus des ehemaligen Familiengutes, das nun von Lores Cousin Ottokar bewohnt wird. Als Nikolaus merkt, dass er nicht mehr lange Lore und sein vor Ottokar verstecktes Vermögen wird schützen können, beschließt er, seine Enkelin nach Amerika zu schicken. Dort soll sie sich eine eigene Existenz in Sicherheit aufbauen.

Reise mit Hindernissen

Doch alles kommt anders als geplant: Lores Reisebegleiterin und Zofe Elsie türmt noch vor der Abfahrt aus Bremerhaven mit dem Gepäck, und so tritt Lore allein die Reise in die neue Welt an. An Bord freundet sie sich mit der kleinen Komtess Natalia an, einem aufgeweckten und verwöhnten kleinen Mädchen, das mit seinem Großvater und Onkel in der ersten Klasse reist. Doch die Reise ist bald schon zu Ende: Ihr Schiff, die Deutschland, sinkt in der Themsemündung. Lore kann Nati retten, doch der Großvater der Mädchens stirbt durch die Hand seines Neffen. Als Lore mit Nati an Land gebracht wird, gelingt es ihr, das Mädchen vor dem Zugriff des bösen Neffen zu schützen. Doch Nati und Lore müssen die geldgierigen und mordlüsternen Verwandten weiter fürchten.

Viel Dramatik, aber wenig Spannung

Der Roman der beiden Autoren hinter dem Pseudonym der Iny Lorentz hält nicht, was er verspricht. Der Klappentext suggeriert eine spannende Auswanderergeschichte, aber Lores Reise endet bereits nach wenigen Tagen. Die Geschichte spielt in Ostpreußen, London und Bremen und beschreibt doch keinen der Orte umfassend. Warum Lore in der Betreuung des kleinen Mädchens, das sie nur wenige Tage kennt, vollständig aufgeht und für die Kleine sogar ihr Leben riskiert, bleibt unverständlich. Die junge Frau gerät von einer Familienintrige in die nächste, wobei diese alle fast identisch sind. Spannung baut sich nur selten auf - meist ist der Ausgang einer Szene absolut vorhersagbar.

Fiktive Geschichte vor historischem Hintergrund

Immerhin ist die Handlung in einen realen Kontext eingebettet: Die Deutschland ist tatsächlich 1875 vor in der Themsemündung auf eine Sandbank gelaufen und zerbrochen - und auch einige der folgenden Entwicklungen sind historisch belegt.

Tapfere Heldin und abgrundtief böse Schurken

Die Charaktere sind flach und strapazieren schnell die Geduld der Leser: Lore ist rehäugig-unschuldig, dabei aber doch edelmütig und heldenhaft, die beiden Bösen, Ruppert und Ottokar sind abgrundtief böse und handeln absolut stereotyp. Nati, die verwöhnte kleine Komtess, nervt besonders mit ihren immer altklugen Kommentaren. Auch die Nebenfiguren sind kaum aushaltbar klischeehaft: der treue Kutscher, der bigotte Pfarrer, die lebenstüchtige Prostituierte, die einfachen, aber herzensguten armen Leute... Konsequent: Eine Entwicklung der Hauptfigur Lore findet nicht statt, sie wartet standesgemäß darauf, gerettet zu werden - und verliebt sich am Ende natürlich in genau den richtigen Mann.

Von einer Platitüde zur nächsten

Gut, hohe Literatur ist von Iny Lorentz nicht zu erwarten, aber einige der im Mittelalter angesiedelten Roman des Duos weisen doch immerhin eine spannende Geschichte und eine fesselnde Umgebung auf. Hier aber ist die Verwandtschaft zu banalen Groschenromanen a la Courts-Mahler schon durch die Kulisse des 19. Jahrhunderts allzu offensichtlich. Auch sprachlich bewegen wir uns auf sehr niedrigem Niveau. Immer gleiche Platitüden jagen einander und machen das Lesen anstrengend. Ein Lesesog wie in anderen historischen Romanen ähnlicher Art stellt sich dadurch nicht ein bzw. wird immer wieder gestört.

Insgesamt eine enttäuschende Geschichte, die viel Potential gehabt hätte, hätten die Autoren sich die Mühe gemacht, sie handwerklich gut und spannend zu erzählen.

 

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