Im Bauch des Imperiums

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • , 2009, Titel: 'Im Bauch des Imperiums', Originalausgabe

Couch-Wertung:

66
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Carsten Jaehner
Anschlag auf Kaiser Nero!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2009

Kurzgefasst:

Rom im Jahr 67 nach Christus. Im Auftrag des Königs von Nabatäa soll Ruma, ein reicher Gewürzhändler aus Petra, den geplanten Terroranschlag einer religiösen Sekte auf Kaiser Nero und die Führungsspitze des Römischen Imperiums verhindern. Ein heikles Unterfangen, denn die politische Lage im Reich ist prekär. In Judäa tobt ein hartnäckiger Aufstand, und auch in anderen Provinzen brodelt es. Jedes Gerücht über einen Anschlag könnte einen Flächenbrand verursachen. Ruma muss diskret vorgehen und setzt auf die Mitarbeit seiner Kinder, die er allerdings noch überzeugen muss, an der geheimen Mission mitzumachen. Erschwerend dabei sind Rivalitäten und alte, ungelöste Familienverstrickungen.

Gegenspieler Rumas ist der Judäer Eleazar. Er verfügt über ein Netzwerk von organisierten Anhängern, die bereits Militär, Administration und selbst den kaiserlichen Hof unterwandert haben. Ziel ist der Sturz der bestehenden Regierung und die Errichtung eines Gottesstaates. Das Attentat soll anlässlich eines von Nero lancierten kulinarischen Wettbewerbes stattfinden. Zu diesem festlichen Ereignis ist die gesamte Regierungselite in Neros prunkvollen neuen Palast geladen.

 

Im Jahr 67 nach Christus trifft sich der Gewürzhändler Ruma mit seinen Kindern Hamlat und Kamkam, um einen geplanten Anschlag einer religiösen Sekte auf Kaiser Nero zu verhindern. Anführer der Sekte ist der Judäer Eleazar, der bereits ein Netz aus Spionen und Häschern aufgebaut hat, mithilfe derer der Anschlag gelingen soll.

Erschwert wird diese Aufgabe durch familiäre Schwierigkeiten, die Rumas Kinder einst entzweit haben und die als Risiko anzusehen sind. Zwar raufen sich die Familienmitglieder zusammen, aber wirklich sicher kann man sich seiner Sache nicht sein. Es gelingt, einen Spion in Neros Palast einzuschmuggeln, und so soll der Anschlag bei einem großen kulinarischen Wettbewerb erfolgen, bei dem alle römischen Provinzen eingeladen sind, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Beim großen Finale soll Rumas Tochter Kamkam leicht bekleidet von der Decke schweben und so mit zum Höhepunkt der Feierlichkeiten werden. Zwar misslingt der Anschlag auf eine gewisse Art und Weise, aber damit ist die Gefahr durch Eleazar und seine Leute noch immer nicht gebannt, und sie drohen weiterhin, den römischen Kaiserstaat zu stürzen und einen Gottesstaat zu errichten. Zudem scheint sich auch in Rumas Familie ein Überläufer zu befinden...

Sorgen und Nöte der Gesellschaft

Leidlich spannend ist es, was die Schweizer Autorin Susanne Cho da zu Papier gebracht hat. Anschläge bei großen Feierlichkeiten, bei denen möglichst viele hochgestellte Persönlichkeiten auf einmal das zeitliche segnen sollen, sind immer eine gefährliche Sache, und auch hier geht es natürlich nicht so glatt, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat. Die Autorin erfasst das Rom zu Beginn der heutigen Zeitzählung gut und belässt es auch nicht nur bei dem einen, zentralen Schauplatz. Rund um das Mittelmeer führt sie den Leser, und gerade das macht auch das interessante aus, das den Leser in diese Zeit eintauchen lässt.

Wenn man einigen Kapiteln dann sicher sein kann, dass Ruma der Ich-Erzähler ist, erzählt er dem Leser viel über die Zeit und über die familiären Sorgen, die ihn bewegen. Dadurch werden auch gleich die gesellschaftlichen Sorgen und Nöte des Volks erklärt, und dies erweist sich somit als klug gewählte Erzählperspektive. Auch die Personen der Handlung werden so sehr persönlich beschrieben, auch wenn es manchmal etwas genauer hätte sein dürfen. Auch wenn die Erzählung manchmal etwas weinerlich daherkommt, liest man doch gerne weiter.

Späte Spannung

Spannung kommt allerdings wirklich erst dann auf, als das kulinarische Fest seinen Lauf nimmt. Bis dahin hat man viel gelernt über Rom und Nero und Sitten und Gebräuche, aber nun wird es auch nach zwei Dritteln des Buches Zeit für etwas mehr Aktion. Dass nach dem Anschlag noch ein Drittel fehlt, ist zwar auf der einen Seite verständlich, denn schließlich muss ja noch aufgelöst werden, wie es weitergeht. Leider plätschert der Schluß allerdings bald so vor sich hin, und die Spannungskurve ist doch stetig im Sinken begriffen. Schade, denn gerade das Vier-Kaiser-Jahr 69 nach Christus hätte Spannung genug geboten, die die Autorin leider ungenutzt verstreichen lässt. Viele Ereignisse werden nur untereinander erzählt, eine auf Dauer sehr durchsichtige Art und Weise, die historischen Fakten im Romane unterzubringen.

Sprachlich weiß die Autorin zwar weitestgehend zu gefallen, ihre zwar einfache, aber nicht unangenehme Sprache liest sich flüssig und interessant. Allerdings unterlaufen ihr so einige sprachliche Fehler, die tatsächlich nicht hätten passieren dürfen. Begriffe wie "Imbissbude", "Touristen" oder "goutieren" haben in einem Roman aus der Römerzeit nichts verloren und hätten durch zeitgemäßere ersetzt werden müssen. Zudem finden sich einige schweizerische Idiome im Text, die den Leser sich fragen lassen, ob der Erzähler nicht eher aus Helvetien denn aus Nabatäa stammt.

Großartiger Anhang

Lobenswert ist allerdings der Anhang zu erwähnen. Über nahezu 50 (in Worten: fünfzig!) Seiten werden ein Glossar, eine überaus interessanter und aufschlussreicher Zeittafel, Rumas Stammbaum und mehrere Karten präsentiert, die einem gelegentlich bei der Lektüre weiterhelfen und auch für sich wert sind, gelesen zu werden. Immerhin kann man auch später einmal auf die ausführliche Zeittafel zurückgreifen.

Wäre der gesamte Roman so spannend wie die Zeittafel, hätte der Leser ein mehr als gelungenes Buch in der Hand. So bleiben viele kleine Unzulänglichkeiten und ein ab dem letzten Drittel stetig sinkender Spannungsbogen, der durch seine nicht mehr so dichte Erzählweise leider zu tief absackt. Wenn die Autorin hier noch nachbessert, wird man sich aber gerne auf ein neues Werk von ihr freuen.

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