Arminius

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2009, Titel: 'Arminius', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
1 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:67
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":1,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Dirk Jaehner
Ein spannendes Buch über ein spannendes Leben

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Mär 2009

Kurzgefasst:

Sieg! Unglaublich: Der Römer Varus und seine Legionen sind geschlagen. Arminius' Traum von einem geeinten Germanien scheint zum Greifen nah. Ein tragischer Irrtum. Freunde werden zu Verrätern, seine Frau und Kinder werden entführt und an die Römer ausgeliefert. Das Rad der Fortuna dreht sich unaufhaltsam weiter, und aus dem strahlenden Sieger droht ein tragischer Verlierer zu werden...

 

Schlüssige Geschichte mit dichterischen Freiheiten

Der erste Blick auf das Buch führt in die Irre. Der Klappentext zu Sebastian Flemings Arminius lässt vermuten, der Roman drehe sich um die Varus-Schlacht und wie sie sich auf die Sieger, die unter Arminius vereinigten Germanenstämme, ausgewirkt hat. Doch die Nachwirkungen der Schlacht schildert Fleming nur auf den letzten etwa 40 Seiten seines Buches. Vorher erzählt er sprachlich virtuos und ungeheuer fesselnd die Lebensgeschichte des Arminius.

Wie alles begann

"Die Heimat in ihm" ist der erste Abschnitt des Buches, der beginnt, als Arminius noch Ergimer heißt, neun Jahre alt ist und einen Überfall römischer Soldaten auf den Hof seines Vaters, des Stammesfürsten Segimer, miterleben muss. Direkt von Beginn an wird der Leser Teilhaber an den Gedanken und Gefühlen des Neunjährigen. Er erhält Einblick in die cheruskische Lebensweise, in den Glauben der Germanen und die soziale Struktur der Stämme. Dabei beschönt oder idealisiert Fleming nicht - es ist eben so, wie es ist. Man wird Zeuge, wie unter den Cheruskern unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Segimer will an der alten Lebensweise der Germanen festhalten, sein Bruder Segestes ist eher den Römern zugewandt. Flemings Verdienst ist hier, beide Positionen - zunächst - nicht zu werten und ihre Vertreter nicht von vorneherein als gut oder böse zu stempeln.

Parallel zu Ergimers Geschichte entwickelt Fleming die des gleichaltrigen Julius, Sohn des Nero Claudius Drusus, des größten Feldherrn Roms. Drusus lässt sich auf seinem Germanen-Feldzug von seiner Familie begleiten. Sein Sohn Julius, der später als Germanicus einen Triumphzug durch Rom halten wird, muss miterleben, wie sein Vater von einem Pferd stürzt, sich ein Bein mehrfach bricht und an Wundbrand stirbt. Auch für die Lebensweise der Römer findet Fleming nicht wertende Formulierungen. Auch hier ist es eben so, wie es ist.

Ergimer wird als Unterpfand für den Frieden, den Germanien mit dem Römischen Reich schließt, gemeinsam mit seinem vier Jahre älteren Bruder nach Rom geschickt. Die Reise muss er mit der Familie des verstorbenen Drusus unternehmen, und auf dem Schiff, das den Rhein hinauffährt, trifft er auf Julius. Das Kennenlernen der beiden gleichaltrigen Jungen ist von Feindseligkeit geprägt. Doch auch hier stellt Fleming nicht eine Gesellschaft über die andere, sondern stellt Römer und Germanen gleichwertig nebeneinander. Später werden beide Jungen zu Freunden, gar zu Brüdern. Arminius erhält römische Bildung und Erziehung und wird wie sein Bruder Soldat.

Römisches Leben

Im zweiten Großabschnitt des Buches, "Cherusker und Römer" betitelt, erzählt Fleming von Arminius´ Leben als römischer Soldat. Wichtigstes Ereignis ist der Friedensschluss mit Marbod, dem König der Markomannen. Rom braucht diesen Frieden, weil es trotz seiner übermächtigen Armee nicht Germanien festigen und gleichzeitig gegen Marbod und in Pannonien Krieg führen kann. Arminius und Julius, der jetzt Germanicus genannt wird, können Marbod in Verhandlungen zu diesem Frieden zwingen. Arminius muss danach an der Seite des Feldherrn Tiberius in Pannonien gegen Bato, den Fürsten der Breuker, in Pannonien kämpfen.

In diesem kürzesten der drei Abschnitte schildert Fleming Arminius´ Leben als römischer Soldat. Nicht unbedingt als Soldaten-Alltag, aber durchaus, um die Arbeitsweise der römischen Armee und die politische Sichtweise der Römer darzustellen. Und auch, um auf die Grausamkeiten vorzubereiten, die beide Seiten - Römer wie Germanen - in der Lage sind zu begehen. Zivilisation gibt es hüben wie drüben - mehr oder weniger.

Vorbereitungen zur Schlacht

Mit Arminius´ Rückkehr nach Germanien im Gefolge des neuen Statthalters Publius Quinctilius Varus beginnt der dritte Abschnitt des Buches, überschrieben "Fürst der Germanen - König der Krieger". Arminius trifft seine Jugendfreundin Elda wieder und lernt das Leben der Germanen von neuem kennen. Zwar hatte er sich schon als Junge geschworen, eines Tages wieder in seine Heimat zurückzukehren und sie von den Römern zu befreien, aber die Motivation dafür wächst in ihm in mehreren Schritten. Die Heimkehr ist der erste. Der zweite ist das brutale Abschlachten seiner Familie am Abend vor seiner Rückkehr nach Hause durch einen Trupp Prätorianer. Seine Rache an ihnen ist ebenso furchtbar: Gemeinsam mit Elda liefert er den römischen Elitesoldaten einen Kampf, in dem er quasi als germanischer Rachegott agiert. Der Blutrausch lässt ihn siegen. Da er weiß, dass die Soldaten auf Geheiß des Steuerpächters und mit Wissen von Varus und Eldas Römer-liebendem Vater Segestes gehandelt haben, hat seine Rache nicht nur eine kämpferische sondern auch eine juristische Seite. In einem Gerichtsverfahren verlangt er die Untersuchung des Falles, und Varus muss dieser Untersuchung zustimmen. Doch all das sind Ablenkungsmanöver, die verschleiern sollen, dass Arminius einen großen Angriff auf das römische Heer plant.
Zuvor wurde Arminius in einer geheimnisvollen germanischen Zeremonie zum "König der Krieger" ernannt. Jetzt, mit höchster göttlicher Autorität ausgestattet, kann er hinter dem Rücken der römischen Heeresleitung und mit Hilfe von Priestern seine eigene germanische Armee zusammenstellen.
Fleming liefert hier als einer der wenigen Autoren eine ausführliche Erklärung, warum Arminius das römische Heer angreift, obwohl er doch fast zwanzig Jahre auf ihrer Seite war, das römische Bürgerrecht besaß und sogar zum römischen Ritter geschlagen wurde. In Bezug auf die historische Wahrheit ist das freilich Spekulation. Aber es ist nachvollziehbar.

Das Ende

Die Schlacht im Teutoburger Wald - oder wo auch immer sie stattgefunden hat - verläuft wie erwartet, und Fleming spart nicht an blutigen Details. Wirklich interessant wird jedoch seine Vorstellung von Arminius´ Leben nach der Schlacht. Er ist zwar König der Krieger, muss sich an sein Leben als Bauer aber erst gewöhnen. Beinahe rührend ist der Versuch, das bisschen Normalität zu leben. Aber der Abschluss muss erfolgen: Die Römer lassen Arminius nicht in Ruhe, der ehemalige Freund Germanicus will Rache, Schwiegervater Segestes ebenso, und der historisch verbürgte Tod durch Gift erhält ebenfalls eine erzählerische Begründung. Auf den letzten vierzig Seiten bringt Fleming seine Geschichte zu einem Ende, die im Widerspruch zur Historie ein wenig versöhnen will. Über Arminius´ und Eldas Sohn Ithalicus oder Thumelicus wird viel spekuliert, wahrscheinlich endete er als Gladiator in Ravenna. Dass er nach Germanien zurückkehrte, ist Spekulation oder dichterische Freiheit. Auch seine ältere Schwester Lenia ist wahrscheinlich erfunden, ihr späteres Amt als erste Königin der Sachsen ebenso. Aber die historische Wahrheit spielt keine Rolle. Man möchte als Leser diesen versöhnlichen Abschluss, und selbst wenn er wider besseres Wissen geschrieben wurde, nimmt er dem Buch und seiner Geschichte nicht ihren (Unterhaltungs-)Wert.

 

Arminius

Arminius

Deine Meinung zu »Arminius«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
10.12.2010 11:11:55
Dr. Horst Fenge

Lese zurzeit höchst interessiert nach der Lektüre von Heyck "Armin der Cherusker" auch Flemnings historischen Roman. Er ist höchst spannend und detailreich geschrieben und man darf sicher nicht alles zu wörtlich als geschichtliche Wahrheit nehmen.
Mein Bild von Armin, dem Befreier Deutschlands war allerdingsein etwas abweichend.
Meine Hauptkritik geht allerdings dahin, dass sich der Autor zu sehr im Vorfeld der eigentlichen geschichtlichen Leistung von Armin aufhält und der Schlacht im Teutoburger Wald - wohl bei Kalkriese - zu wenig Raum lässt.
Alles in allem dennoch ein lesenswerter Roman, der auch den Geschichtskundigen in seinen Bann zieht.

11.03.2010 17:38:04
alvis

Irgendwie konnte ich mich nicht den Eindrucks erwehren, als sei Sebastian Fleming nicht ganz fertig geworden mit einer breit angelegten und guten Erzählung. In der ersten Hälfte zeigt er durch sein fesselnde, blumige und zeitweise auch sehr spannende Erzählweise, dass er durchaus den Leser in seinen Bann ziehen und die Römerzeit entführen kann (auch wenn die dichterische Freiheit einige Details verschleiert, was mich nicht gestört hat). In der zweiten Hälfte jedoch dünnt sich die Erzählung mehr und mehr aus, die Auflösung wird schnell noch hintergeworfen und obligatorisch erwartete Szenen wie z.B. der verdiente Tod Segestes\' werden quasi im Nebensatz besiegelt. Wahrscheinlich wurde der Autor dann doch vom Jubiläum der Schlacht überrascht und musste schnell abschliessen. Schade, wenn nicht sogar ärgerlich. Ich fühlte mich nach einem verheissungsvollen Anfang um einen verdienten guten Schluss betrogen.