Die Tränen der Königin

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2008, Titel: 'The Last Queen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

81
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Eva Schuster
Fesselnde Romanbiographie über Johanna die Wahnsinnige

Buch-Rezension von Eva Schuster Mär 2009

Kurzgefasst:

Ein Roman über Johanna, die letzte Königin Spaniens:

Mit 13 Jahren erlebt Johanna von Kastilien die Vereinigung des Königreichs Spaniens unter ihren Eltern Isabella und Fernando mit. Intelligent, schön, und stolz auf ihre Herkunft kämpft Johanna gegen ihr Schicksal an, als sie als zukünftige Braut des Habsburgers Philip des Schönen auserwählt wird. Aber als sie in Flandern dem attraktiven und sympathischen Prinzen gegenübersteht schlagen ihre Gefühle um. Doch weiß sie noch nicht, dass dieser Mann, nicht nur die größte Liebe ihres Lebens sein wird, sondern auch ihre bitterste Enttäuschung...

 

Ende des 15. Jahrhunderts: Die dreizehnjährige Johanna, Tochter von Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon, erlebt den Fall von Granada und die Vertreibung der Mauren aus Spanien. Seit ihrer Kindheit ist sie offiziell dem Erzherzog von Habsburg, "Philipp dem Schönen", versprochen, doch Johanna rechnet nicht wirklich damit, dass dieses Versprechen tatsächlich einmal eingelöst wird. So reagiert sie zunächst entsetzt, als sie als Sechzehnjährige Spanien verlassen und den ihr vollkommen fremden Habsburger heiraten soll - doch um Spaniens Zukunft zu sichern, ist sie schließlich zu diesem Bündnis bereit.

Als Johanna in Flandern ihren zukünftigen Ehemann trifft, ist sie überrascht und überwältigt von seiner Schönheit und Eleganz. Die Ehe der beiden beginnt leidenschaftlich, mit großen Gefühlen auf beiden Seiten und Johanna ist zunächst selig vor Glück. Allerdings merkt sie schon bald darauf, dass die Ehe für sie auch einige bittere Erfahrungen bereit hält und Philipp auch seine negativen Seiten hat.

Johanna bemüht sich, ihrem Mann dennoch eine gute Ehefrau zu sein. Noch schwieriger sind die Auseinandersetzungen mit dem hinterhältigen Erzbischof Besançon, zu dem Philipp fast wie zu einem Vater aufschaut. Besançon scheut nicht vor Intrigen und Demütigungen zurück, Philipp wiederum richtet sich gegen Johannas Eltern. Johanna spürt mehr und mehr, dass eine schwere Aufgabe auf ihr lastet - und dass gar ihr Thron in Gefahr ist ...

Leidenschaft, Intrigen und große Gefühle

Im Jahr 1550 blickt Königin Johanna zurück auf ihr langes und ereignisreiches Leben. Johanna die Wahnsinnige, wie sie auch genannt wird, ist zweifellos eine höchst interessante Figur, die viel Stoff für einen reizvollen Historienroman bietet - und Christopher W. Gortner gelingt es, diese Erwartungen umzusetzen.

Johanna nimmt den Leser an die Hand zu einer Reise durch ihr bewegtes Leben und beginnt ihre Rückschau mit der Zeit, als sie dreizehn Jahre alt war. Rasch gewinnt man einen Bezug zu der sensiblen, nachdenklichen und intelligenten Infantin, die noch nicht ahnt, was für ein wechselhaftes und oft grausames Schicksal auf sie wartet. Zunächst dominiert ihr Unbehagen über die arrangierte Hochzeit mit Philipp von Habsburg, all ihre Gedanken werden gut nachvollziehbar geschildert. Johanna vereint in sich die normalen Ängste und Unsicherheiten, sie sperrt sich gegen den Gedanken, ihre geliebte Heimat verlassen zu müssen und nach Flandern zu gehen. Zum anderen aber begreift sie, dass sie ihrem Land gerade durch diese Hochzeit dienen kann, dass Spanien die Allianz benötigt, um gegen den Feind Frankreich bestehen zu können. Dass Johanna ihren Gemahl dann wider Erwarten ausgesprochen anziehend und charmant findet, ist für das Mädchen ein ungeahntes Glück - das leider nicht lange währen wird.

Die komplexe, aber doch immer verständliche Handlung konfrontiert den Leser mit raffinierten politischen Schachzügen, die teils überaus dramatische Folgen nach sich ziehen. Schon bald wird Johanna in mehrfacher Hinsicht ernüchtert: Ihr Gemahl Philipp hat vor allem seinen eigenen Vorteil im Sinn und scheint ihren Thron für sich beanspruchen zu wollen. Auch die gemeinsamen Kinder und Johannas Eltern werden von ihm für sein Ränkespiel eingespannt, zeitweise weiß Johanna nicht einmal, ob sie ihrem Vater oder ihrer Mutter noch trauen kann. Der Leser erhält einen knappen aber doch guten Einblick in die komplexen Geschehnisse in Flandern und Spanien des frühen 16. Jahrhunderts sowie in die Intrigenspiele der Machtinhaber. Bisweilen ist es eine kleine Herausforderung, bei all den Namen und Beziehungen der Königshäuser untereinander die Übersicht zu behalten, doch Christopher W. Gortner hat diese Schwierigkeit durchaus angemessen gelöst. So sind grundsätzlich auch keine Vorkenntnisse über jene Zeitspanne vonnöten, um die Handlung zu verstehen.

Gelungene Charaktere

Johanna von Kastilien erscheint von Beginn an als sympathische, kluge junge Frau, die es dem Leser leicht macht, mit ihr zu fühlen. Intensiv werden ihre schmerzhaften Erfahrungen geschildert, beginnend mit dem ersten Mal, als sich ihr Mann mit einer Mätresse einlässt und Johannas Kummer tief berührt. Auch die nächsten Jahre erreichen sie immer wieder Schicksalsschläge und sie muss ein ums andere Mal um ihr Leben fürchten. Ungeklärt ist, inwieweit ihr Beiname "die Wahnsinnige" tatsächlich berechtigt war - der Autor findet seine eigene Deutung dazu, die nicht unplausibel klingt. In jedem Fall erscheint Johanna als facettenreiche Figur, die sich trotz aller Rückschläge und Widerstände als wahrhafte Königin beweist, die ihr Land tief und innig liebt. Kaum weniger ausdrucksstark als Johanna ist ihr Ehemann Philipp, den sie erst leidenschaftlich und liebt und später ebenso zu hassen beginnt. Auch das ambivalente Verhältnis zwischen Johanna und ihren Eltern wird angemessen dargestellt und hinterlässt tiefen Eindruck bei der Lektüre. Gelungene Nebencharaktere sind Johannas treue Dienerinnen Soraya und Beatriz, der intrigante Besançon und der loyale Admiral. In einem Nachwort geht der Autor schließlich kurz auf die wichtigsten Personen ein und klärt ihr weiteres Schicksal sowie kleine Freiheiten, die er sich zugunsten der Handlung herausgenommen hat. Ein Namensregister hätte bei der Fülle an Figuren sicherlich gut getan, doch auch ohne lässt sich der Überblick behalten.

Christopher W. Gortner hat mit Die Tränen der Königin ein bewegendes und würdiges Porträt von Johanna von Kastilien erschaffen, das Fiktion und Historie in angemessener Weise miteinander verbindet.

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