Weiberwirtschaft

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • , 2004, Titel: 'Weiberwirtschaft', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70
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Jörg Kijanski
Keine Pflichtlektüre, aber ein kurzweiliger Lesespaß für zwischendurch

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2009

Kurzgefasst:

Magdeburg im Jahre 1482: Eine Hochzeit steht an, zwischen Richard Alemann - Sohn einer Magdeburger Patrizierfamilie - und Regina Jessen - Tochter eines Hamburger Kaufmannes. Diese Verbindung soll die Liebe festigen, aber auch die gemeinsamen Handelsbeziehungen. Doch dann findet Richard den Kaiserlichen Rat Wulffenstein - ermordet. Ein blutverschmiertes Dokument steckt ihm im Rachen - mit dem Siegel des Kaisers, gerichtet an die Hansestadt Hamburg.
Als man Richard als Mörder einsperrt, löst der alte Jessen die Verlobung und reist abrupt ab. Sein Weg führt ihn in die Börde, zu Adela Braunböck von Alvensleben - der Herrin des Korns. Welche Verbindung besteht zwischen den beiden? Haben sie den Mord an Wulffenstein in Auftrag gegeben? Die Zeit drängt: Richard sitzt im Gefängnis und Regina ist die einzige, die an seine Unschuld glaubt...

 

Magdeburg 1482. Der Patriziersohn Richard Alemann ist gerade in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hat allen Grund zum Feiern. Frisch ernannt zum Stadtschreiber des Hohen Rates und kurz vor seiner Hochzeit mit Regina Jessen, Tochter eines einflussreichen Hamburger Kaufmannes. Eigentlich eine reine Zweckehe, Geld zu Geld, doch siehe da, Regina ist nicht nur äußerst gebildet und selbstbewusst, sondern auch noch eine Schönheit obendrein. Wer so viel Glück hat, der feiert gerne und heftig, und so stolpert Richard mitten in der Nacht nach Hause, dabei einen immensen Harndrang verspürend. So begibt er sich ans Elbufer um sich zu erleichtern und stolpert prompt einmal mehr, dieses Mal gleich über eine Leiche. Der Kaiserliche Rat, Tiberius von Wulffenstein, vorhin noch zu Gast bei Richards Gelage, liegt blutüberströmt vor ihm. In der Hand eine prall gefüllte Geldkatze mit der Aufschrift "Judas" und im Mund ein nahezu unleserliches Dokument. Richard nimmt Geld und Dokument an sich und begibt sich übereilt auf den Heimweg, nicht ohne versehentlich sein gerade erstandenes Ehrenkleidungsstück des Stadtschreibers am Tatort zurückzulassen.

Am nächsten Morgen wird er prompt in seinem Schlafgemach überrascht, die Kleidung noch blutverschmiert. Der Fall scheint eindeutig, und so landet Richard kurzerhand im Kerker. Sein Schwiegervater in spe kündigt sogleich die Verlobung auf, denn einen Mörder in der Familie braucht nun wahrlich niemand. Der alte Jessen reist dann auch umgehend nach Alvensleben, um dort Adela Braunböck, die sogenannte "Herrin des Korns", zu treffen, doch das Treffen nimmt einen für Jessen gänzlich unglücklichen Verlauf. Er reist unverrichteter Dinge nach Hamburg zurück, wo er kurze Zeit später feststellen muss, dass seine Tochter Regina verschwunden ist. Jessen glaubt an eine Entführung durch Richards Eltern und reitet direkt und ebenso ungestüm nach Magdeburg, wo er - gänzlich unabsichtlich - bei seinem Eintreffen Richards Vater zu Boden schlägt und wenig später in Richards Gefängniszelle landet.

Währenddessen kommt Regina in Alvensleben an, wo sie sich von Adela Braunböck weitere Informationen erhofft, die ihren geliebten Richard entlasten könnten und Licht in den ganzen Schlamassel bringen könnten. Doch stattdessen gerät Regina geradewegs in einen Überfall auf die Kornherrin, verübt durch den Reichsgraf Gero von Barby, der vom Korngeschäft ebenfalls profitieren möchte...

Eine flotte Geschichte

Weiberwirtschaft ist, wie der Titel schon erahnen lässt, eine flotte Geschichte, bei der die Frauen einmal mehr die Hosen anhaben, wenngleich dies für die damalige Zeit nun nicht gerade der Norm entsprach. Ganz im Gegenteil, und so muss sich Regina Jessen immer wieder von ihrem Vater anhören, sie möge sich doch bitte aus reinen Männerangelegenheiten heraushalten, was diese erst Recht auf den Plan ruft. Wie der berühmte Ritter "ohne Furcht und Tadel" galoppiert Regina durch die Handlung, dass einem schnell schwindelig wird. Von einer problematischen Situation in die nächste, aber immer selbstbewusst voran. So sind die Frauen; zumindest in dem vorliegenden Roman.

Auch wenn sich die Geschichte tatsächlich so nie ergeben haben könnte, so ist dem Autorenduo Waldtraut Lewin mit Tochter Miriam Margraf eine flotte und abwechslungsreiche Geschichte gelungen. Diese ist zwar bis in die Haarspitzen konstruiert, da bei fast jeder Gelegenheit etwas schief läuft oder sich Regina und Richard auffallend oft so gerade eben verpassen. Gleichwohl aber macht die Geschichte einfach Spaß. Sie ist kurzweilig, bietet einen gewissen geschichtlichen Rahmen und so ganz unspannend ist sie auch nicht, wenngleich man kein besonders begabter Kriminologe sein muss, um die Zusammenhänge frühzeitig zu erahnen.

Die Charaktere sind zwar oberflächlich gestrickt, erfüllen jedoch ihren Zweck. Allerdings hätte man sich etwas mehr Hintergrund über die damalige Zeit, so zum Beispiel über die Beziehungen zwischen den Hansestädten Hamburg und Magdeburg, gewünscht. Etwas mehr historische Atmosphäre hätte der Geschichte ebenfalls gut getan, allerdings muss man berücksichtigen, dass der Plot gerade einmal 200 Seiten umfasst. Alles in allem ein "netter historischer (Lese-)Imbiss" für zwischendurch, bei dem die Zwischenüberschriften ein ums andere Mal leider etwas zu viel vorwegnehmen.

 

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