Die Rache des Samurai

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

Nagasaki 1690: Als die verstümmelte Leiche des holländischen Händlers Jan Spaen am Strand angespült wird, beginnt Sano Ichiro Samurai und Ermittler im Dienste des Kaiserhauses mit den Nachforschungen. Doch es gibt offenbar Kreise, denen an einer Aufklärung des blutigen Verbrechens nicht gelegen ist. Auf der Jagd nach dem gerissenen Mörder gerät Sano Ichiro selbst in große Gefahr.

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Sabine Bongenberg
Spannende Einblicke in die Traditionen und Gedankenwelten der Samurai, vor denen der Kriminalroman zurück tritt

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2006

Sano Ichiro hat es eigentlich geschafft: Er sonnt sich in der Gunst des Shogun, bewohnt ein prächtiges Haus und auch privat läuft es bestens, steht doch seine Verlobung mit einer jungen Frau aus gutem Hause an. Leider bewahrheitet sich auch hier wieder das Sprichwort "Wer hoch steigt, der kann tief fallen" und so sieht sich Sano plötzlich mit einer unlösbaren Menge von Aufgaben betraut, die sein bisheriges Leben durcheinander wirbeln.
Zum einen wird der "höchst ehrenwerte Ermittler von Ereignissen, Gegebenheiten und Personen" mit der Klärung einer schrecklichen Mordserie beauftragt, die einen finsteren Schatten über seine Heimatstadt Edo wirft. In diesem Fall begnügt sich der Mörder nämlich nicht nur damit, seine Opfer vom Diesseits ins Jenseits zu befördern, sondern stellt deren Köpfe auch noch kunstvoll geschminkt an öffentlichen Orten aus. Zum anderen sind da noch die rituellen Vorschriften, die ein Verlöbnis so mit sich bringt und die auch noch mit der geziemenden Würde zu erledigen sind. Und als ob das nicht genug wäre, muss Sano Ichiro sich auch noch der offen zur Schau getragenen Feindseligkeit des mächtigen Kammerherren Yanagisawa erwehren, der letztlich nicht nur droht, seinen guten Ruf sondern ihn auch selbst zu vernichten.
Im Laufe seiner Untersuchungen gerät der Ermittler daher zwischen alle Fronten: Einerseits gehört seine Treue seinem Lehnsherren, an dessen Moral und Lebensweise er jedoch immer mehr zweifelt. Andererseits ist er auch dem strengen Kodex der Samurai unterworfen, der wiederum seinen eigenen Anforderungen an ihn stellt. Und ganz zum Schluss ist Ichiro auch noch ein Mensch, mit seinen normalen Bedürfnissen, Ansprüchen und der Suche nach Wärme und Freundschaft und gerade diese Eigenschaft bereitet ihm bei der Lösung dieses Falles zunehmend Schwierigkeiten.

Das starre Korsett des "Bushido"

Laura Joh Rowland stellt in ihrem Krimi Die Rache des Samurai Sano Ichiros Ringen um die Rolle des Samurai, die den strengen Regeln des "Bushido" unterworfen ist, in den Vordergrund. Der "Weg des Kriegers" verpflichtet nach seinen Vorschriften den Samurai zu bedingungsloser Treue gegenüber seinem Lehnsherren bzw. gegenüber seinen Vorgesetzten und steht somit unantastbar über persönlichen Einschätzungen und auch gegenüber der Logik. Diese Logik muss für Menschen des 21. Jahrhunderts nicht verständlich sein, und so erscheint das Verhalten des eigenwilligen Detektivs oft als verknöchert und in Traditionen erstarrt. Hier ist es jedoch die besondere Leistung der Autorin, die Auffassungen und Werthaltungen Ichiros als Kind seiner Zeit anschaulich und verständlich zu vermitteln. Aber auch Sano Ichiro muss erkennen, dass das starre Korsett der japanischen Traditionen nicht allheilbringend ist und dass insbesondere die, denen er zur Treue verpflichtet ist, sich keineswegs an die Wertvorstellungen halten. Im Zuge des Romans durchläuft der Held daher eine Entwicklung, die ihn zwar grundsätzlich von der inneren Haltung des Samurai entfernt, aber dafür hin zum eigenen denkenden Charakter innerhalb der Traditionen führt.

Der Krimi wird zum Nebenschauplatz

Die Entwicklung Sano Ichiros ist eingebunden in die Suche nach einem Mörder, der offensichtlich von einem alten Rachevorsatz getrieben, eine Blutspur durch Ichiros Heimatstadt Edo zieht. Hier treten leider die Schwachstellen des Romans auf, denn dem durchschnittlich sprachbegabten Leser dürfte es schwer fallen, Namen wie Futsei Matsugae, Tokugawa Tsunayoshi, Oda Nobunaga oder Tokugawa Ieyasa - um nur einige zu nennen - auseinanderzuhalten. Der Versuch der Autorin, die historische Grundlage und die Motive des Mörders zu konstruieren, muss daher im Chaos der Namen und der vielfältigen japanischen Bezeichnungen untergehen. Aber auch wenn es sicherlich das besondere Anliegen eines Kriminalromans sein sollte, die Sparte "Krimi" zu bedienen und die Jagd nach einem Übeltäter zu schildern, so ist es hier unerheblich, wenn dieses Ziel zur Nebensache geriert. Rowlands Stärke liegt vielmehr darin, dem Leser die traditionellen Strukturen und Zwänge denen der Held und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter unterworfen sind, nahe zu bringen. Dieser Einblick macht letztendlich die Größe dieses historischen Romans aus, so dass die Bewertung von 70° sicherlich nicht für den Krimi, aber für die Darstellung des damaligen Lebens gerechtfertigt ist.

 

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