Die Stadt der Heiligen

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2009
  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Die Stadt der Heiligen', Originalausgabe
Die Stadt der Heiligen
Die Stadt der Heiligen
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Birgit Stöckel
75

Histo-Couch Rezension vonJan 2009

Historischer Roman mit unspektakulären Krimielementen

Kurzgefasst:

Aachen, 1412: Der Geselle Klas liegt erschlagen im Dom. Verdächtigt wird sein Meister, Reliquienhändler Reinold Markwardt. Dessen Frau Marysa glaubt an eine Verschwörung. Unterstützt von dem Mönch Christophorus, stößt sie bei ihren Nachforschungen auf einen Handel mit gefälschten Reliquien. Doch ihre Feinde sind mächtig: Marysa wird der Ketzerei angeklagt und soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Und die Zeit arbeitet gegen Christophorus ...

 

Marysa Markwardt ist die Tochter eines verstorbenen Reliquienhändlers in Köln und hat nach dem Tod ihres Vaters einen Schreinbauer geheiratet. Obwohl die Ehe alles andere als glücklich ist, hat sie sich doch mit ihrem Leben arrangiert. Eines Tages allerdings wird der Geselle Klas erschlagen im Dom vorgefunden. Bei seiner Leiche findet man eine gefälschte Reliquie, die sich in einem Schrein aus der Werkstatt Markwardt befindet. Somit fällt der Verdacht zunächst auf Reinold, Marysas Mann. Da es aber keine Beweise gibt, wird er wieder freigelassen und fasst den Entschluss, zum Einen wirklich in den Handel mit gefälschten Reliquien einzusteigen und zum Anderen den Mörder seines Gesellen zu stellen. Damit bringt er nicht nur sich in Gefahr ...

An dem Tag, an dem der Geselle ermordet wird, taucht Christophorus, ein Dominikanermönch, bei Marysa auf und überbringt ihr die Nachricht vom Tode ihres Bruders. Er starb während einer Pilgerreise. Christophorus ist nicht nur Ablasshändler, sondern auch Mitglied der Heiligen Inquisition und unterstützt die Familie Markwardt durch eigene Nachforschungen.

Aachen zur Heiltumsweisung

In Aachen werden bis zum heutigen Tag wertvolle Reliquien aufbewahrt: Die Windeln und das Lendentuch Christi, das Kleid Marias, das sie angeblich in der Christnacht trug, sowie das Enthauptungstuch Johannes des Täufers. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist belegt, dass diese Reliquien alle sieben Jahre im Rahmen der Heiltumsweisung den Pilgern öffentlich gezeigt werden. Dieses Schauspiel bildet den Rahmen von Petra Schiers Roman. Die Zeigung der Reliquien war ein großes Ereignis, zu dem die Leute von weither strömten, das teilweise Volksfestcharakter hatte. In dieser Zeit blühte natürlich der Ablasshandel, denn nicht jeder konnte die Bedingungen für den vollkommenen Sündenerlass, der einmal pro Tag gewährt wurde, erfüllen. Auch Reliquien aller Art waren sehr begehrt. Da es aber nicht unbegrenzt viele Heilige gab und auch jeder Heilige nur eine bestimmte Anzahl an Finger- und Fußknöchelchen hatte, konnte der Handel mit gefälschten Reliquien ein sehr einträgliches Geschäft sein.

Historisch gelungen, aber kaum Spannung

In einer leicht zu lesenden und eingänglichen Sprache gelingt es Petra Schier sehr gut, die Atmosphäre der Heiltumsweisung und den Geschehnissen drumherum einzufangen und darzustellen. Durch Christophorus erfährt man einiges über Ablässe, da er einen schwungvollen Handel damit betreibt und durch Marysa, als Tochter eines Reliquienhändlers, lernt man etwas über echte und gefälschte Reliquien. Das zusammen ergibt eine atmosphärisch dichte Geschichte, in die man sich als Leser an vielen Stellen hineinversetzt fühlt.

Spannung kommt allerdings in dem Roman wenig auf. Die Aufklärung des Mordes an dem Gesellen Klas, sowie der nachfolgenden Verdächtigungen an der Familie Markwardt gehen zum Teil nur schleppend voran oder treten ganz in den Hintergrund. Zudem weiß der Leser mehr als Christophorus und Marysa, so dass gerade erfahrene Krimileser der Lösung ziemlich schnell auf der Spur sein dürften - die Auflösung keine großen Überraschungen mehr birgt.

Noch ausbaufähige Figurenzeichnung

Marysa und Christophorus sind recht gut gelungene Protagonisten. In ihrer Ehe alles andere als glücklich, versucht Marysa sich mit der Situation zu arrangieren und nimmt allerlei Schikanen hin. Ihr innerer Widerstreit zwischen Wut und Unzufriedenheit und dem Bemühen, ihr Leben so zu nehmen, wie es ist, wird gut und einleuchtend dargestellt.

Christophorus als Ablasshändler und Inquisitor hat bei der jungen Frau keinen leichten Stand, denn beides lehnt sie ab. Christophorus sieht sich hingegen an das Versprechen gebunden, dass er Marysas Bruder gab, und bemüht sich, der Familie zu helfen, auch wenn Marysa seine Geduld manchmal überstrapaziert. Zudem scheint er ein eigenes Geheimnis mit sich herumzutragen, dass möglichst nicht ans Licht kommen sollte.

So ist die Beziehung der Beiden zueinander eher von Abneigung und Streitereien geprägt, als von Freundschaft. Petra Schier verzichtet in diesem Band auf eine große Liebesgeschichte, nur mit leichten Andeutungen wird gezeigt, dass Marysa und Christophorus doch nicht nur negativ gegenüber dem anderen empfinden.

Die restlichen Figuren hingegen bleiben eher blass und zum Teil recht eindimensional. Marysas Ehemann ist zum Beispiel ein rechter Widerling, was sich nicht nur durch seine Taten, sondern auch schon durch die Beschreibung seines Äußeren zeigt. Auch Marysas Mutter oder der Goldschmied Bardolf Goldschläger sind für den Leser schwer zu fassen und nehmen nur wenig Konturen an. Da bereits ein weiterer Band um Marysa in Arbeit ist, bleibt zu hoffen, dass die Autorin die Figurenzeichnungen noch vertiefen wird.

„Die Stadt der Heiligen" ist ein vergnüglicher, leicht zu lesender Roman, dessen historische Komponente sehr gelungen ist, von dessen Kriminalfall man allerdings nicht zu viel erwarten sollte. Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort der Autorin über die Heiltumsweisung und die Reliquien, sowie einem Rezept über Konkavelite, einer von Marysa sehr geschätzten Süßspeise.

Die Stadt der Heiligen

, Rowohlt

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