Die Meisterin der schwarzen Kunst

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2009, Titel: 'Die Meisterin der schwarzen Kunst', Originalausgabe

Couch-Wertung:

79
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Carsten Jaehner
Verwicklungen um die erste Tageszeitung der Welt

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2009

Kurzgefasst:

Deutschland um 1605: Die junge Henrika flieht aus ihrem Dorf nach Straßburg. Dort kommt sie bei Johannes Carolus unter, der die erste Zeitung der Welt gründen will. Als Schreiberin von Nachrichten kämpft sie an seiner Seite gegen die mächtigen Gegner der Gazette. Doch dann verschwindet ein Bote spurlos - es ist Henrikas Geliebter Laurenz. Auf der Suche nach ihm gerät die junge Frau in ein tödliches Netz aus Intrigen und Verrat.

 

Im Jubiläumsjahr 2009 wird nicht nur der Varus-Schlacht ausreichend gedacht. In Guido Dieckmanns Roman "Die Meisterin der schwarzen Kunst" hat ein anderes Erzeugnis seinen 400. Geburtstag: die erste Tageszeitung.

Im Deutschland des Jahres 1605 wird Henrika als Tochter einer Gebrandmarkten von Zieheltern in Mannheim aufgezogen. Gehänselt und von allen geschnitten, wächst sie wenig geliebt auf. Nach dem Tod ihres Ziehvaters kommt sie bei einem Gönner unter, der kurz darauf ermordet wird. Henrika flieht nach Straßburg zu Meister Carolus, einem Freund ihres Gönners.

Johannes Carolus hat die Brüder David und Laurenz als Lehrlinge aufgenommen, die ihm helfen sollen, seine neueste Erfindung auf den Markt zu bringen: Carolus hat als "Meister der schwarzen Kunst", also als Drucker, das Privileg erhalten, als erster weltweit überhaupt eine Zeitung, genannt "Gazette", herauszubringen. Henrika und die beiden Jungen helfen ihm, und besonders der gutaussehende Laurenz hat es ihr angetan.

Allerdings scheint sie auch hier ihre Vergangenheit einzuholen. Die wenigen Hinweise auf ihre tatsächliche Herkunft bringen sie ebenso in Gefahr wie ihre Verfolger aus Mannheim. Dabei steht nicht nur die Gazette auf dem Spiel, sondern auch bald ihr eigenes Leben.

Guter Einblick in die Zeit

Mit seinem Einblick in den Beginn der Zeitungen beschert Autor Guido Dieckmann den Lesern einen spannenden Roman, der immer wieder voller Überraschungen steckt und über 495 Seiten eine interessante Einsicht in das beginnende 17. Jahrhundert gibt. Gerade zu Beginn wird das Leben innerhalb einer Dorfgemeinschaft überzeugend beschrieben, als beschlossen wird, Mannheim als Stadt auszubauen und die Menschen dafür zum Teil ihr Hab und Gut aufgeben müssen. Gerade hier hätte man allerdings auch mit mehr Widerstand aus dem Volk gerechnet.

Henrikas Entwicklung wird nur wenig beschrieben, ihr plötzliches Interesse für die Druckereikunst kann auch nicht nur in der Anwesenheit eines gutaussehenden Lehrlings und einer nötigen Flucht aus Mannheim erklärt werden. Dieser Lehrling Laurenz, und auch sein Bruder David, blieben lange undurchsichtig, bis sich erweisen soll, dass auch hier nicht mit offenen Karten gespielt wird. Wer hier gegen wen arbeitet und wer wen warum wie für sich arbeiten lässt, das ist manchmal etwas verwirrend, gerade weil auch die Motive dafür sehr lange im Unklaren bleiben. Guido Dieckmann schafft es, die letztliche Auflösung der Verschwörung bis 25 Seiten vor Schluss aufzusparen, um dann die Handlungsknoten endlich zu entwirren.

Daher bleiben auch manche Dinge lange im Unklaren, was den Leser zwischendurch immer mal wieder verwirren kann. Hier wäre eine allmähliche Auflösung von Henrikas Vergangenheit der Spannung vielleicht zuträglicher gewesen. Aber auch so bleibt man gerne am Ball.

Die Böse ist immer und überall

Einzig Henrikas große Gegnerin, Anna von Langfeld, ist doch eine recht klischeehafte böse Frau geworden, die hinterhältig und rücksichtslos vorgeht und über Leichen und Männer geht. Nicht alle Todesfälle werden komplett aufgelöst, aber dass sie dahintersteckt, ist jedem schnell klar. Hier wird dann doch zu sehr schwarz-weiß gemalt, und auch wenn man Annas hämisches und diabolisches Lächeln direkt vor sich sieht, hätte man ihr doch ein paar mehr Abstufungen in der Charakterisierung gewünscht.

Die Einblicke in die Druckerkunst bleiben leider etwas spärlich, der Ausflug auf die Frankfurter Buchmesse bleibt auch mehr eine Randnotiz und hätte in sich mehr beschrieben werden können. Dabei ist es nicht einmal das Sprachliche, das man vermisst, sondern mehr das Drumherum, das das Salz in der Suppe ist.

Eine unbefriedigende Liebe

Immerhin passiert viel in diesem Buch. Auch wenn viel lange im Unklaren bleibt, so schafft es Dieckmann trotz allem, eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten, die gerade im Auf und Ab in Henrikas Schicksal zu suchen sind. Dabei spielt auch die Liebe eine Rolle, immerhin wird sie schnell als Laurenz' Braut angesehen. Auch wenn sie doch irgendwie damit nicht so ganz glücklich ist, ist sie doch froh, als Ausgestoßene überhaupt Menschen um sich zu haben, denen ihre Vergangenheit egal ist. Oder doch nicht?

Interessant ist das Nachwort, in dem Dieckmann seine Geschichte historisch einordnet und tatsächlich reale Personen und vor allem den Zeitungsdruck an sich noch einmal darstellt. Da ist man doch erstaunt, dass das auch schon wieder 400 Jahre her ist. Gerade deshalb hätte man sich aber auch mehr aus dem Bereich der ‚schwarzen Kunst‘ gewünscht, vielleicht ein Faksimile der Titelseite der ersten erhaltenen Ausgabe. So bleibt ein schöner Roman mit Abstrichen, mit dessen Lektüre man aber eigentlich nichts falsch machen kann.

Die Meisterin der schwarzen Kunst

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