Die Braut des Bischofs

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2006, Titel: 'Die Braut des Bischofs', Originalausgabe

Couch-Wertung:

59
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Kirsten Lambeck
Ungeheuer unspannend ...

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Jan 2009

Kurzgefasst:

Köln im 11. Jahrhundert. Als eine kostbare Reliquie aus dem Domschatz verschwindet und ein Priester ermordet wird, muss die junge Fiona zu ihrer Begabung stehen. Sie kann die Gedanken anderer Menschen lesen. Doch damit begibt sie sich in große Gefahr.

 

Eine unverheiratete christliche Bürgerstochter im mittelalterlichen Köln, die einen Rabbi um Rat bittet? Fiona hat eine große Sorge: Sie kann die Gedanken anderer Menschen lesen. Der Rabbi beruhigt sie, doch schon auf dem Heimweg stellen sich Probleme ein. Die junge Frau entlarvt mit ihrer Gabe einen gegen die Juden hetzenden Prediger als Betrüger - und äußert diesen Gedanken auch noch laut. Sie versteckt sich daraufhin im Judenviertel - das kurz danach von einem durchreisenden Kreuzfahrerheer verwüstet wird. Fiona flieht mit den Juden in die ländliche Umgebung - einige Tage später wird eine Leiche gefunden, die ihr Umschlagtuch trägt.

Ungeheuerliche Verbrechen ...

Parallel dazu geschehen in Köln ungeheuerliche Verbrechen. Eine kostbare Reliquie wird gestohlen, ein Mönch erschlagen. Egwin, ein englischer Mönch, der beim Kölner Bischof zu Gast ist, wird zum Ermittler - und zur eigentlichen Hauptperson des Romans. Mit Spitzfindigkeit und nicht immer legalen Methoden findet er Zusammenhänge bis in die oberen Ränge des Klerus. Egwin identifiziert auch die gefundene Leiche als die Fionas - und trifft auf Fionas Verlobten, der die Bindung zu ihr lösen will, um eine geistliche Laufbahn einzuschlagen, aber nicht von der jungen Frau loskommt. Gemeinsam gelingt es ihnen, Fäden des Rätsels zu entwirren und Fiona unversehrt (welch Wunder!) zu finden.

... und ein ungewöhnlicher Ermittler

Ein englischer Mönch, der zu neugierig ist und eine Reihe von Verbrechen aufklärt ...? Hatten wir das nicht schon einmal? Genau, der Ermittler Egwin in Gralles „Die Braut des Bischofs" erinnert stark an William von Baskerville aus Ecos „Der Name der Rose". Er ist pfiffig, hartnäckig und immer präsent für den Leser - Egwin ist die Hauptperson in diesem Roman, nicht jedoch die titelgebende Fiona. Sie, die Bürgerstochter mit der besonderen Gabe, bleibt gegen Egwin sehr blass. Wie sie mit ihrer Gabe umgeht, wie es ihr während ihrer Abwesenheit aus Köln ergeht, warum sie am Ende den Mann heiratet, der sie vergewaltigt hat - ihre Handlungen bleiben wenig nachvollziehbar und unklar.

Gralle vermag den Leser leider kaum zu fesseln

Gralles Sprache wirkt oft hölzern und vor allem belehrend: Der inflationäre Gebrauch der mittelalterlichen Städte- und Flussnamen zwischen Rhin und Mosella nervt und ist aufgesetzt. Ein Lichtblick: Gralle vermag es, dem Engländer Egwin einen charakteristischen Akzent zu geben, der sich gut in den Lesefluss einfügt und den Leser immer wieder nur kurz stutzen und schmunzeln lässt. Ein ständiger Perspektivwechsel nur zwischen Fiona, Friedrich und Egwin, sondern auch zahlreichen Nebenfiguren, macht es schwer, sich mit einer Figur (mit Ausnahme vielleicht von Egwin) zu identifizieren.

Parallele Handlungsstränge und wenig Spannung

In „Die Braut des Bischofs" stehen die Handlungsstränge seltsam unverbunden nebeneinander: Fionas Geschichte, Friedrichs Seelennöte um seine Lebensplanung, der Kriminalfall, die Judenpogrome - einzig Egwins Geschichte ist ausgearbeitet und vermag zu fesseln. Doch auch hier fehlt es an Spannung: Als Fionas angebliche Leiche gefunden wird, ahnt jeder, dass sich Egwins Überzeugung am Ende als Täuschung herausstellen wird. Auch die Auflösung des Kriminalfalls ist eher banal und nichtssagend. Insgesamt wirkt der Roman unausgegoren - fast wünscht man sich, Gralle hätte Egwin die ganze Geschichte erzählen lassen, den Titel in „Der englische Mönch" geändert und einen handfesten Kriminalroman daraus gemacht.

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