Wir Ertrunkenen

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Knaus, 2006, Titel: 'Vi, de druknede', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:89
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":1,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Als ob der Grossvater erzählte...

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2008

Kurzgefasst:

Dänemark zwischen 1848 und 1945: Der Seemann Laurids Madsen aus Marstal fliegt in den Himmel und kehrt unversehrt wieder zur Erde zurück. Der Tod hat ihn noch nicht gewollt. Später wird er sagen, seine Stiefel seien zu schwer für ein Leben da oben gewesen. Seither ist Laurids eigenartig, und irgendwann verschwindet er auf den Weltmeeren. Seine Stiefel bleiben zurück, bis sein Sohn Albert sie anzieht. Er macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Mit dem Schrumpfkopf von James Cook und dem Geheimnis der Geldvermehrung kehrt er als Reeder zurück in seine Heimatstadt. Er weiß, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt. Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen nimmt den Kampf auf.

 

"Wir Ertrunkenen" ist ein Buch, das sich von der ersten Seite an abhebt, das sich in kein Klischee pressen lässt. Im Erzählton geschildert, nimmt die Geschichte ihren Anfang 1848 mit Laurids Madsen aus dem dänischen Hafenstädtchen Marstal. Laurids ist ein typischer Vertreter der Marstaler, er fährt zur See, lässt Frau und Kinder zurück. Irgendwann bleibt er auf See, niemand weiß um sein Schicksal. Seine "Witwe" ist in guter Gesellschaft, vielen Frauen aus Marstal geht es gleich. Doch Laurids Sohn Albert will die Wahrheit wissen. Er macht sich auf die Suche nach seinem Vater und lernt dabei die ganze Härte der Welt kennen.

Wie schon sein Vater ist auch Albert hart genug, sich dem rauen Leben zu stellen. Er kehrt nach Marstal zurück, um viele Erfahrungen reicher. So entschließt er sich, eine eigene Reederei aufzubauen. Kinderlos geblieben, vermacht er diese später seiner Geliebten Klara. Sie, eine junge Witwe mit zwei Kindern, sagt dem Meer, das die Väter und Söhne von Marstal regelmäßig verschlingt, den Kampf an. Verzweifelt versucht sie zu verhindern, dass ihr Sohn ebenfalls zur See fährt.

Unbekannter Beobachter

Als Erzähler tritt ein unbekannter Beobachter auf, der den Leser schnell so fasziniert, dass dieser gerne mit auf die gedankliche Reise über die raue See geht. Nahtlos gehen dabei die Geschichten der Generationen ineinander über. Immer verbunden durch den Erzähler, der in Wir-Form schildert, wie die Verhältnisse damals waren. Oft glaubt man, seinen Großvater erzählen zu hören, so authentisch kommt die an sich immer wieder fantastische Geschichte daher.

Es sind nicht die spektakulären Ereignisse, von denen es doch einige gibt im Buch, die packen und immer wieder den Wunsch wecken zu wissen, wie es weitergeht. Es ist vielmehr die Nähe, die der dänische Autor Carsten Jensen zu den Figuren jeder Generation herstellt, die nicht mehr los lässt. Wird ein Protagonist von der See verschlungen, so mutet es an, als ob man Bruder, Freund, Vater verloren hätte. Und so leidet der Leser mit den einzelnen Personen mit bei deren Kampf ums Überleben.

Sprachlich virtuos

"Wir Ertrunkenen" schildert verhältnismäßig emotionslos, wie die verschiedenen Kriege, unter anderem die beiden Weltkriege, die Welt im Würgegriff hatten. Das Buch erzählt aber auch davon, wie die majestätischen Segelschiffe von den sichereren Stahlschiffen abgelöst wurden, wie die Neuzeit langsam Einzug hielt und das Leben der Menschen von Marstal veränderte. Trotz aller Distanz, die Carsten Jensen zu den Geschehnissen aufrecht erhält, steckt der Leser mitten drin in den Veränderungen. Sprachlich virtuos umgesetzt, wird schon fast mit allen Sinnen wahrnehmbar, was die ruhige Geschichte erzählt.

Es braucht Geduld

Die Ambivalenz des Buches kommt zum Ausdruck, wenn es darum geht, sich den über 750 Seiten starken Inhalt zu erschließen. Es braucht Geduld, um die Fäden aufzugreifen und der Geschichte zu folgen. Da und dort schleicht sich eine leichte Länge ein, da und dort bleibt es zu sehr an der Oberfläche. Grundsätzlich ist "Wir Ertrunkenen" jedoch eine meisterhaft erzählte Generationen umfassende Geschichte, die nicht nur Seefahrer-Herzen höher schlagen lässt. Es lohnt sich, sich mit dem Buch zurückzulehnen und die einzelnen zeitlichen Abschnitte an sich vorbeiziehen zu lassen.

Wir Ertrunkenen

Wir Ertrunkenen

Deine Meinung zu »Wir Ertrunkenen«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
20.03.2014 00:49:39
Jakob

mein Bruder hat mir das Buch geschenkt als ich im Einsatz war, ganze Besatzung hat das Buch gelesen und alle fanden es überragend. Wieder in Deutschland, als ich mit dem Zug nach Hause gefahren bin und auf der Seite 700 kurze Raucherpause gemacht hab, war das buch weg als ich zurück kam...Später habe ich den Roman noch mal gekauft, bis Seite 700 gelesen und zugemacht, vll in paar Jahren lese ichs von Anfang :) Bestes Buch das ich gelesen habe.

28.01.2012 17:48:15
Ulf Eggers

Ein grossartiger Roman.Wer die Geschichte der Schifffahrt der vergangenen Jahrhunderte kennt und weiß, wie es auf einem Frachtsegler oder Segelschiff der Kriegsmarine Dänemarks zur Zeit des Deutsch-Dänischen Krieges zu ging, der weiß auch,dass es sich hier nicht um ein Märchen handelt. Seefahrt, besonders zu Zeiten der Frachtsegler und zu Kriegszeiten hat wenig mit Romantik zu tun; da hat Carsten Jensen sehr gut recherchiert.
Auch die Geschichtszahlen und viele Begebenheiten stimmen. Da brauchen wir Schl.-Holsteiner nur in die alten Geschichtsbücher zu schauen.
Hut ab,Carsten Jensen.

25.01.2011 21:59:09
Uwe Steen

Ein großartiges Buch.
Als Schleswig-Holsteiner, an der Ostsee aufgewachsen, kann ich mich gut in die Mentalität der "Fischköppe" einfühlen. Carsten Jensen versteht es meisterhaft in seinem Roman, einen Teil der dänischen Geschichte aus der Sicht der Insulaner zu schildern. Als ein Kind der Stadt Marstal glänzen auch seine Ortskenntnisse.
Kann ich nur empfehlen.

08.01.2009 23:57:02
Gerhard Hinrichs (Japs)

Ein besonderer Lesegenuss! Insbesondere für Menschen die die See und -fahrt mögen, die Marstal und die dänische Südsee kennen und lieben. Faszienierend wie C. Jensen Ereignisse der Weltgeschichte in die sich über ein Jahrhundert ziehende Geschichte mit den immer wiederkehrenden tragischen Ereignissen auf den Schiffen der alten Hafenstadt verbindet und in der "Wir"-erzählung uns Lesern so hatnah erleben lässt. Ich empfehle als Begleitung zu dem Roman die CD " e.s.t viaticum" vom Esbjörn Svensson Trio und Grog mit einem echten "Lemon Hart 151"