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Rita Dell'Agnese
Feinfühliges Plädoyer gegen Vorurteile und Mutlosigkeit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2008

Kurzgefasst:

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wächst in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschotteten Bergdorf des hinteren Bregenzerwaldes ein Junge auf, dessen Vision sein eigenes Leben und das späterer Generationen einschneidend verändern wird. Franz Michael Felder, Sohn einer Bergbauernfamilie, verliert als Kleinkind auf tragische Weise fast vollständig sein Augenlicht. Dass der Junge seine Lebensfreude trotzdem bewahrt, wild und aufgeweckt ist und sogar die Welt der Buchstaben entdeckt, macht nicht nur seiner Familie Angst.

Obwohl er körperlich nicht für die harte Arbeit geschaffen ist, zwingt ihn ein unerbittliches Schicksal zu einem Leben als Bauer. In den langen Nächten jedoch verschlingt er zeitgenössische Literatur und kritische gesellschaftliche Schriften, verfasst später selbst Romane, die nicht nur im deutschsprachigen Raum Beachtung finden. Er gründet soziale Vereine und widmet sein Schaffen seinem inneren Bedürfnis, die Zukunft der Mitmenschen zu verbessern und sie heranzuführen zu höheren geistigen Zielen.

Franzmichel schreibt und kämpft gegen die in Jahrhunderten der Abgeschiedenheit erstarrten Denkweisen seiner Umgebung, legt sich mit dem Klerus an und bringt mit seinen Ideen die halbe Talschaft gegen sich auf. In seiner seelenverwandten Frau und einer wachsenden Zahl von Freunden und Mitstreitern findet der verfolgte "Sonderling" - wie er sich selbst bezeichnet - Halt und Zuspruch.

 

Franzmichel hat es nicht leicht - infolge eines Ärztepfusches halb blind, muss er auch noch Bauer werden, obwohl es ihn nach dem geschriebenen Wort dürstet. Doch anstatt mit seinem Schicksal zu hadern, geht Franzmichel aufrecht durchs Leben. Und kämpft unentwegt für bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung des Bregenzerwaldes. Der Jungbauer, dem so mancher Schicksalsschlag zusetzt, beschämt die Talbewohner durch seinen engagierten Einsatz für andere. Er ist es, der die bäuerliche Bevölkerung über das Weltgeschehen auf dem Laufenden hält und er kämpft auch dafür, dass die Bauern durch die Bildung einer Käsegenossenschaft unabhängig werden vom Wohlwollen des durchtriebenen Käsehändlers Gallus.

Gut eingefühlt

Elmar Bereuter hat sich gut in die Denkweise der Talbewohner eingefühlt. In seiner oft bodenständigen Sprache, die jedoch nichts an Feinheiten und Witz vermissen lässt, beschreibt er das Wirken von Franzmichel ohne ihn dabei zu glorifizieren. Der Autor strebt nicht danach, aus seinem Protagonisten einen strahlenden Star zu machen, vielmehr arbeitet er mit viel Akribie die Schönheiten und kleinen Besonderheiten der verschiedenen Talbewohner heraus und präsentiert ein Bild, das dazu einlädt, Teil der Dorfgemeinschaft zu werden.

Unspektakulär schön

Für jene, denen es in einem Roman "so richtig zur Sache" gehen muss, ist "Felders Traum" nicht geeignet. Das Leben des Bauernsohnes und Dichters hält zwar etliche besondere Höhen und Tiefen bereit, spektakulär wirkt es auf den ersten Blick aber nicht. Nur wer genau hinhört, wer sich von Elmar Bereuter in die Welt des 19. Jahrhunderts im Bregenzerwald entführen lässt, wird die Schönheit dieses Romans entdecken. Wer hinsieht, wer sich auf die Geschichte einlässt, wird mit wundervollen Charakteren belohnt. Elmar Bereuter verwöhnt sein Publikum mit subtilen Beschreibungen, legt damit aber ein Buch der leisen Töne hin.

An die Vorlage gehalten

Kaum einer, der die letzten Zeilen ausgelesen hat, der nicht nachdenklich und berührt zurück bleibt. Franzmichel Felder hat zwar vor über 150 Jahren gelebt und gewirkt, er beschämt aber noch heute all jene, die bei Problemen zaudern und gegen jeden scheinbar Ungebildeten Vorurteile hegen. Denn aus dem wissbegierigen Buben, der alleweil abgelehnt und verhöhnt wird, wird ein junger, bedachter Mann, der nur das Wohl des Tales im Auge hat. Von Krankheiten und Unfällen geschwächt, geht Franzmichel oft über seine persönlichen Grenzen und lässt sich auch von massivem Druck durch die Kirche und die öffentliche Meinung nicht von seinem Weg abbringen. Doch ist es letztlich die feinfühlige Bearbeitung der wahren Geschichte - Elmar Bereuter hat sich weigehend an die geschichtlichen Fakten gehalten - die sie für die heutige Generation der Leserinnen und Leser wieder lebendig werden lässt.

Sprachlich wie inhaltlich ist "Felders Traum" absolut geglückt und Elmar Bereuter hat sich als wunderbarer Erzähler und Chronist hervor getan.

Felders Traum

Felders Traum

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Letzte Kommentare:
08.12.2013 16:40:42
lola

Das Buch ist sehr gut für jemanden, der sich für Franz Michael Felder interessiert.

Leider müssen Schüler sehr oft dieses Buch lesen und für diese ist es eine Qual, denn meistens interessieren sie sich nicht für ihn, oder sie finden es einfach nicht gut, da es schwer geschrieben ist. d.h. ,,altmodische form''.

02.06.2009 17:39:05
olympia

Elmar Bereuter hat mit dieser Romanbiographie ein selten schönes und feines Buch geschaffen. Ein überaus ansprechender Schreibstil, der den Leser in das Leben der Bergbauer im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts entführt.

Franzmichel, durch einen /zu vermeiden gewesener) Schicksalsschlag auf einem Auge erblindet, kann sich für das geschriebene Wort mit einer Euphorie begeistern, die seinen Mitmenschen unheimlich ist. Er wird verhöhnt und verspottet und trotzdem lässt er sich nicht von seinem Weg abbringen.

Elmar Bereuter hat das relativ kurze Leben dieses Bergbauern mit so viel Liebe und Empathie gezeichnet, dass man noch lange von der packenden Geschichte zehrt und über die Geschehnisse nachdenkt.

Kein spannungsgeladener Roman, sondern von einer tiefgründigen Stille und von hervorragenden Charakter herrausragendes Buch. Ein absolutes Glanzlicht des historischen Genres!