Die Hure und der Henker

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2008, Titel: 'Die Hure und der Henker', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Gute Geschichte, aber eine sprachliche Herausforderung

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2008

Kurzgefasst:

Pritzwalk 1638. Der Dreißigjährige Krieg tobt im Land und hat die kleine Stadt in der Mark Brandenburg erreicht. Die Schweden stehen vor den Toren und drohen die Stadt zu stürmen, wenn man ihnen nicht freiwillig öffnet. In der Stadt aber ist die Pest ausgebrochen, Hunger und Angst regieren. Sorka, die Tochter eines angesehenen protestantischen Buchdruckers, hat durch den Krieg ihre Familie und ihre Heimat verloren. Die Kriegswirren zwingen die junge Frau dazu, als Hure ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In der Stadt hat Sorka mit ihrem kleinen Sohn Honza Schutz bei Valentin, dem Lehrer und Bibliothekar, gefunden. Gestärkt durch ihren festen Glauben hat sie trotz der widrigen Umstände nicht die Hoffnung auf ein besseres und friedvolleres Leben aufgegeben. Selbst ausgestoßen von der bürgerlichen Gesellschaft sucht Sorka die Hilfe der Henker, um sich vor der drohenden Gefahr zu retten. Valentin, der vor vielen Jahren mit der Ratsherrenfrau Judith ein leidenschaftliches, aber kurzes Verhältnis hatte, will seine ehemalige Geliebte dazu bringen, ihren Mann zum Öffnen der Tore zu bewegen. Er droht ihr damit, ihr Geheimnis zu verraten. Die Situatuíon spitzt sich zu, die Schweden stürmen die Stadt. In dieser lebensbedrohlichen Lage treffen Judith, Sorka, Valentin und die hereinstürmenden Soldaten auf dem Marktplatz aufeinander. Ein Ausweg scheint ausgeschlossen - doch Rettung kommt von unerwarterter Seite...

 

Zwei Frauen kämpfen um das Wohl ihrer Lieben - so ließe sich Die Hure und der Henker auf eine Essenz reduzieren. Ingeborg Arlts Roman erzählt einerseits die Geschichte der Tschechin Sorka, die mit ihrer Familie aus der Heimat flüchten musste, nachdem die Glaubensgemeinschaft, der sie angehörten, verfolgt wurde. Die Flucht bringt aber nicht Erlösung und ein neues Leben, sondern Elend und Verzweiflung. Sorka muss sich als Hure durchs Leben schlagen, um ihren Sohn aufziehen zu können. Ganz anders Judith. Judith ist behütet in reichem Hause aufgewachsen, heiratet einen der bedeutendsten Männer der Stadt und könnte mit ihrem Leben zufrieden sein. Doch ihr Mann vernachlässigt Judith und so wendet sie sich in einer verbotenen Liebe Valentin zu. Da bricht der 30jährige Krieg mit aller Macht über das brandenburgische Städtchen Pritzwalk herein. Judith wird schwer verletzt und überlebt nur dank Sorkas Pflege. In ihrem Versteck, während sie Judiths Verletzungen verarztet, erzählt Sorka ihrer beiden Geschichten.

Sprachliche Hürden

So überzeugend der Plot selber ist, so wenig vermag Die Hure und der Henker letztlich zu überzeugen. Allerdings scheitert der Lesegenuss nicht etwa an der Geschichte, sondern einzig an der überaus verschlungenen und komplizierten Sprache. Der Lesefluss wird einerseits durch ellenlange Sätze gebremst, die ineinander verschachtelt einem kaum zu überschaubaren Fluss folgen. Andererseits sind es Liedtexte und Gedichte, eingestreut in den Lauftext, die stocken lassen. Und wenn dann ein Satz, wie immer wieder vorkommend, fast eine ganze Seite einnimmt und zur Hauptsache aus Aufzählungen besteht, so braucht es sehr viel Geduld, das Buch nicht entnervt zuzuklappen und wegzulegen. Spürbar ist der Versuch von Ingeborg Arlt, mit der Sprache ein Markenzeichen zu setzen. Doch verliert sie sich allzu schnell in Unleserlichkeit. Einen Stilbruch stellen die Modernismen dar, die sich im Text da und dort verlieren: "Das ging nun gar nicht" oder "nee" hinterlassen einen schalen Geschmack.

Zweidimensionale Figuren

Wer sich durch den sprachlichen Dschungel kämpft und darauf hofft, wenigstens auf subtil gezeichnete Figuren zu treffen, wird bis zum Schluss des Romans vergebens suchen. Die Charaktere sind weitgehend zweidimensional gezeichnet, können den Leser nur schwer erreichen und bleiben so farblos, dass eine Identifikation mit ihnen kaum möglich ist. Einzig die weniger tragenden Figuren vermögen es da und dort, die seichte Einheit zu durchbrechen und mit einer Portion Gewitztheit eine angenehme Note einzubringen.

Nur für eingefleischte Fans

Die fundierte Recherche und die detailgetreue Schilderung des Pritzwalk im 17. Jahrhundert sind die eigentlichen Höhepunkte dieses Romans. Doch dürften sie vor allem eingefleischten Fans der Geschichte über den 30jährigen Krieg oder der Entwicklung Pritzwalks Genuss bringen.

 

Die Hure und der Henker

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Letzte Kommentare:
23.02.2019 18:38:37
Rob F

Es ist nicht ganz einfach den Einstieg in Die Hure und der Henker zu finden da zwischen zwei Geschichten hin- und hergesprungen wird und auch in der Zeit. Erst zum Ende hin verbinden sich die beiden Geschichten. Man erfährt viel über die Flucht der Protestanten aus Böhmen und über das Leben in Pritzwalk zu Anfang des 30-jährigen Krieges. Der Roman ist sehr detailreich geschrieben was stellenweise zu Lasten der Dramatik geht. Das Ende bleibt leider relativ offen. Trotzdem ein guter Roman der alles in sich birgt.

14.11.2008 10:08:49
Ute Hübener

Das Buch ist genau recherchiert. Es ist spannend. Leser in Ostdeutschland werden bei der Beschreibung der politischen Umwälzung in Böhmen manches im Verhalten der Romanfiguren aus eigner Erfahrung kennen. Schön auch, wie das Verhalten der Figuren psychologisch begründet wird. Man kann, warum die eine der beiden weiblichen Hauptfiguren fremdgeht, als Frau sehr gut verstehen.
U.H.