Die Tochter der Wanderhure

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2008, Titel: 'Die Tochter der Wanderhure', Originalausgabe

Couch-Wertung:

77
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Rita Dell'Agnese
Eine Wanderhuren-Fortsetzung, erfrischend anders und lebendig

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2008

Kurzgefasst:

Mehr als zwölf Jahre sind vergangen, seit Marie ihre letzten Abenteuer bestehen musste. Glücklich und zufrieden lebt sie mit ihrem Mann auf Burg Kibitzstein - bis ihr Gönner, der Würzburger Fürstbischof, stirbt: Seinem Nachfolger sind die beiden ein Dorn im Auge.

Trudi, die älteste Tochter von Marie und Michel, ist der ganze Stolz ihrer Eltern und träumt von der großen Liebe. Auf der Hochzeit von Trudis Freundin geschieht das Entsetzliche: Michel wird ermordet! Marie und Trudi verdächtigen sofort den Söldnerführer Peter von Eichenloh, mit dem Trudi heftig aneinandergeraten ist. Diesem gelingt es jedoch, sich von der Tat reinzuwaschen. Maries Lage wird nach dem Tod ihres geliebten Mannes immer schwieriger, denn niemand traut ihr zu, Kibitzstein erhalten zu können, und diejenigen, die sie bisher für Freunde hielt, erweisen sich nun als habgierige Neider. Allein König Friedrich könnte noch helfen, und so macht sich Trudi heimlich auf den Weg, um seine Unterstützung zu erbitten - ausgerechnet mit Hilfe des Mannes, den sie für den Mörder ihres Vaters hält...

 

Erfrischend, was Iny Lorentz als Fortsetzung der Wanderhure-Trilogie präsentiert: Im Zentrum steht dieses Mal nicht Marie sondern deren Tochter Trudi. Diese macht sich - als ihre Mutter nach dem gewaltsamen Tod von Michel in Bedrängnis gerät - auf den Weg zum König, um ihn um Schutz für Kibitzstein zu bitten. Doch so einfach, wie sich Trudi das vorgestellt hatte, ist die Reise nach Graz nicht. Die junge Kibitzsteinerin muss etliche Gefahren bestehen, ehe sie den Köngishof erreicht.

Klippen gut gemeistert

Iny Lorentz hat sich mit diesem Buch weit zum Fenster hinaus gelehnt. Nachdem die Wanderhuren-Trilogie zum wohl größten Erfolg des Schriftsteller-Paares geworden ist, brauchte es viel Fingerspitzengefühl, um daran anzuknüpfen, ohne bei der Leserschaft Ermüdungserscheinungen hervor zu rufen. Iny Lorentz ist dies gelungen. Trudi ist alles andere als die sanfte Anmut oder über alle Massen kluge und mutige Schönheit, sie ist eine verwöhnte Göre mit einer großen Portion Naivität, die sich erst nach und nach verliert. Und zwar auf eine Weise, die durchaus schlüssig ist und nicht den Beigeschmack der "wundersamen Verwandlung" bekommt.

Funktionierender Spannungsbogen

Obwohl die Häme und mangelnde Akzeptanz der Stellung von Marie auf Kibitzstein durch die Nachbarn letztlich etwas ermüdend sind, driftet Iny Lorentz nie so weit ab, dass man das Buch gelangweilt ins Regal zurück stellen möchte. Das Autorenpaar hält den gut funktionierenden Spannungsbogen bis zuletzt aufrecht. Unerwartete Wendungen, glückliche Zufälle ebenso wie unglückliches Zusammentreffen, und ein gut dosiertes Tempo lassen den Leser an der Geschichte dran bleiben und mit Trudi und ihrer Familie mit fiebern. Hervorragend gelungen ist Iny Lorentz die Charakterisierung des "machtlosen" Königs, dem es aber an List nicht fehlt, und der auf unerwartete Weise ins Geschehen rund um Kibitzstein eingreift.

Mutiger Entscheid

Dass das Autorenpaar eine der Hauptfiguren aus der Wanderhuren-Trilogie, Maries geliebter Ehemann Michel Adler, sterben lässt, ist ein mutiger Entscheid. Die Art und Weise, wie Michel Adler sein Leben verliert ist aber stimmig und passt sich dem Fluss des Buches gut an. Nie kommt der Eindruck auf, als würde der Verlauf der Geschichte etwas arg zu Recht gebogen. Was aber nicht heißt, dass nicht da und dort sehr dick aufgetragen wird und etwa Falcos Heldentaten in einem etwas seltsamen Licht erscheinen. Gut gelöst hat das Autorenpaar den Ausstieg aus der Geschichte, der - wie von Iny Lorentz gewohnt - allerdings Raum für eine Fortsetzung offen lässt. Obwohl aber "Die Tochter der Wanderhure" erfrischend anders und lebendig daher kommt, ist es nicht wirklich erstrebenswert hier noch weitere Teile anzuhängen.

Typische Handschrift

Nicht verleugnen kann das Autorenpaar seine typische Handschrift. "Die Tochter der Wanderhure" stammt unverkennbar aus der Lorentzschen Feder. Das sollte sich vor Augen halten, wer zu diesem Roman greift. Wirklich empfehlenswert ist er für alle jene, denen die Wanderhuren-Trilogie gefallen hat und die gerne Iny Lorentz lesen. Wer auf der Suche nach Neuem, Unbekanntem ist, wird hier nur sehr begrenzt fündig, auch wenn der Schauplatz Graz etwa nur selten in Romane eingebaut ist.

Die Tochter der Wanderhure

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