Die Seelen im Feuer

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  • Erschienen: Januar 2008
  • , 2008, Titel: 'Die Seelen im Feuer', Originalausgabe
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Natalie Höhne
90

Histo-Couch Rezension vonOkt 2008

Ein Wechselbad der Gefühle!

Kurzgefasst:

Jeder kann verdächtigt werden, jeder wird verhört, jeder kann brennen. Die Angst geht um in Deutschland. 1626 ist es die Angst vor dem Teufel, der Zauberei, den Hexen. Es ist ein Ringen um Gut und Böse, aber auch ein Kampf um die Macht. Der intrigante Fürstbischof von Bamberg will die freien Bürger der Stadt in ihre Schranken weisen. Neben den einfachen Leuten hat er es deshalb besonders auf die Stadträte abgesehen. Sie werden verhört und verurteilt. Sie werden verbrannt. Mit der jungen Apothekerstochter Johanna schauen wir in eine Welt, in der der Hexenwahn Wirklichkeit ist. Auch sie droht in den Teufelskreis zu geraten, aus dem keiner entrinnt. Gelingt ihr die Flucht ins weltoffene Amsterdam? Bekommen die Bürger von Bamberg endlich Hilfe bei Kaiser und Papst, um dem Brennen ein Ende zu machen?

 

Der Roman beginnt mit einem Neuanfang, denn der junge Arzt Cornelius kehrt von seinem Studium zurück nach Bamberg, um in seiner Heimatstadt die Doktorenstelle seines Vaters zu übernehmen. Die Apothekerstochter Johanna ist davon anfangs gar nicht begeistert, denn der flapsige Junge aus ihrer Kindheit hat nichts von seiner Frechheit verloren. Zudem führt ihr Cornelius durch seine weltgewandten Reden von fremden Ländern die Enge und Kleinbürgerlichkeit ihrer geliebten Stadt gehörig vor Augen. Ebenso gehen ihr die immer stärker werdenden Gefühle für den jungen Mann gegen den Strich, denn schließlich ist sie bereits verlobt! Doch bald schon sind die kleinen Nöte des Alltags und fröhliche Tändeleien nur noch Nebensache in Bamberg. Langsam, kriechend und doch unabwendbar halten schließlich Angst und Aberglaube ihren Einzug, denn wie in anderen deutschen Städten wird der Ruf nach Hexenverbrennungen lauter und schlägt Jung und Alt in ihren teuflischen Bann.

Die Handlung gewinnt mehr und mehr an Schwung

Sabine Weigand gelingt es sehr gut, den Leser in die Handlung zu verstricken und ihre Geschichte mehr und mehr in Fahrt zu bringen. So fühlen wir uns anfangs sehr geborgen in der heimeligen Kleinstadtatmosphäre und schmunzeln über die Familie des Apothekers und das Geplänkel zwischen Johanna und Cornelius. Nebenbei erfährt der Leser vieles über die Heilkunde des 17. Jahrhunderts und besonders über die Wirkung und den Gebrauch der verschiedensten Kräuter in dieser Zeit. Ebenso wird einem jedoch auch vor Augen geführt, wie sehr die Menschen damals vom Aberglauben geprägt waren und die Autorin erzählt parallel, wie die Maschinerie der Hexenverbrennung in Gang gebracht wird und ein unüberschaubares Eigenleben entwickelt, sodass die Menschen der Stadt in einen Teufelskreis aus Angst, Verleumdung und Boshaftigkeit versinken. Die schreckliche Entwicklung vom einfachen Aberglauben eines Jeden und dem politischen Kalkül eines Einzelnen hin zur unnachgiebigen Hexenverfolgung, welche zur Ausrottung der halben Stadt führt, wird von Sabine Weigand erschreckend realistisch beschrieben.

Angst und Hoffnung

Der Leser sieht die dunklen Wolken über der Bamberger Gesellschaft aufziehen und erfährt, völlig in das Leben der Apothekerstocher verstrickt, wie die bleierne Schwere der Angst um das eigene Leben und das der Menschen, die man liebt, von jedermann besitz ergreift, denn niemand war vor dem Feuer sicher. Der Roman wird letztendlich zu einem einzigen Auf und Ab von Angst und Hoffnung und somit auch für den Leser zu einem wahren Wechselbad der Gefühle.

Authentischer Schreibstil

Sabine Weigand gestaltet ihre Dialoge mit einem Hauch Bamberger Dialekt und vielen Begriffen süddeutscher und frühneuzeitlicher Lebensart. Ebenso mangelt es der wörtlichen Rede nicht an Witz und Leichtigkeit, was den ungetrübten Lesefluss unterstützt. Dass die Autorin häufig echte Protokolle oder Auflistungen aus den Hexenprozessen einfügt, trägt einerseits zu einem Eindruck von Authentizität bei, ist allerdings manchmal auch etwas ermüdend und wäre vielleicht in reduzierter Form besser gewesen. Ähnlich steht es mit den teils sehr genauen Beschreibungen und Auflistungen der Kräuter und ihrer Wirkung.

Geographische Ausbrüche

Teile der Handlung finden in anderen Ländern statt und, auch hierbei gelingt es der Autorin, dem Leser fremde Städte und Kulturen bildhaft vor Augen zu führen. Gleichfalls bedeuten diese Handlungsstränge eine Erholung und Abwechslung zu den immer düstereren Entwicklungen in Bamberg, ohne einen Spannungsabfall in der Gesamthandlung darzustellen.

Fazit: Sabine Weigands Werk liest sich, trotz seiner Fülle, flüssig und spannend. Es ist sehr leicht, Johanna und ihre Familie lieb zu gewinnen und so gerät der Leser einige Male mit den Protagonisten ins Schwitzen und in Wut, ob der Grausamkeit der Vorgänge und der kalten Berechnung einiger Gesellschaftshäupter. Legt man das Buch schließlich aus der Hand, bleibt eine leise melancholische Stimmung und ein häufiges Nachsinnen über diese vergangene Zeit, denn die Autorin schafft es durch eine sehr genaue Recherche und einen realistischen Schreibstil, viel Glaubwürdigkeit in ihren Roman zu bringen.

 

Die Seelen im Feuer

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