Schwarze Seide

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • , 2007, Titel: 'Schwarze Seide', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Ein überzeugendes, fesselndes und faszinierendes Erstlingswerk

Buch-Rezension von Birgit Borloni Sep 2008

Kurzgefasst:

London im Jahre 1787: Eine junge russische Abenteurerin lebt ihr eigenes Leben. Mit ihrer extravaganten Erscheinung und ihren freien Ansichten gilt die Malerin Natalja Serbinskaja als ein bunter Vogel. Sie denkt nicht einmal daran zu heiraten, sehr zum Leidwesen ihrer Amme und stetigen Begleiterin Jelena. Doch dann verliebt sich Natalja - in eine Frau. In eine Schwarze und Leibeigene: Sadie.

 

England im Jahre 1787: Die junge Russin Natalja Serbinskaja lebt mit ihrer Vertrauten und Leibeigenen Jelena in London, wo sie sich mehr schlecht als recht als Theatermalerin durchschlägt, unterstützt von ihrem reichen Liebhaber. Eines Tages folgt sie der Einladung ihrer Jugendfreundin Marie Luise Cavander, die verheiratet in der Nähe von Bristol lebt. Doch das Wiedersehen verläuft spannungsgeladen. Marie Luise hat in eine erzkonservative Familie eingeheiratet, die neben dem Anwesen bei Bristol auch eine Plantage und Sklaven auf Jamaika besitzt. Daher ist die unabhängige, lebenslustige Natalja dort fehl am Platz. Trotzdem dehnt sich ihr Besuch mehr und mehr aus, denn da ist noch die junge, stolze Sklavin Sadie, die eine ungeheure Faszination auf die junge Russin ausübt...

Interessante Perspektiven und überzeugende Figuren

Bereits mit ihrem ersten Roman stellt Tereza Vanek eindrucksvoll unter Beweis, was sie in ihren weiteren Werken bestätigt: Nämlich ungewöhnliche historische Romane zu schreiben, die sich wohltuend von der Masse abheben.
Das Buch wird in Tagebuchform abwechselnd aus der Sicht Nataljas und Noas, Sadies Bruder, erzählt. Das hat den Vorteil, dass die verschiedenen Personen, Situationen und Themen von zwei Seiten beleuchtet werden, was dem Buch einiges an Tiefgang verleiht. Hauptthema ist neben der ungewöhnlichen Liebe zwischen Natalja und Sadie die Sklaverei. Ende des 18. Jahrhunderts war die Sklaverei durchaus noch üblich, auch wenn sich langsam Widerstand gegen Sklaverei und Sklavenhandel regten. Für Natalja ist die Welt der Sklaverei vollkommen fremd, tatsächlich hat sie bis zu ihrem Besuch in Bristol noch nie Schwarze gesehen. Durch ihre Beobachtungen und die Erzählungen Sadies sowie den Tagebucheinträgen Noas erfährt der Leser einiges über das Leben auf Jamaika und die Umstände, unter den die Sklaven dort leben mussten. Auch von Jelena, Nataljas Vertrauter, erfährt der Leser einiges über die russische Leibeigenschaft. So setzt sich langsam ein eindringliches und teilweise sehr bedrückendes Bild dieser Zeit und ihrer Verhältnisse zusammen.

Die Figurenzeichnung ist hervorragend gelungen, es gibt so gut wie keine Schwarz-Weiß-Zeichnung, sondern alle Figuren haben verschiedene Facetten, die sie glaubwürdig und interessant machen. Zudem wandelt sich die Einschätzung des Lesers einigen Figuren gegenüber im Laufe des Buchs, je mehr man über sie erfährt. So können primär sympathische Charaktere einiges diese Sympathie verspielen, während die Unsympathischen durchaus Züge zeigen, die sich vielleicht nicht liebenswürdig, aber menschlicher und verständlicher machen. So lässt einen keiner der Protagonisten kalt, man nimmt Anteil an ihrem Schicksal, sei es im negativen oder positiven Sinne.

Auf keinen Fall ein reiner Erotikroman

Man sollte sich als Leser auch nicht von dem Verlag, in dem das Buch erschienen ist, irritieren lassen. Auch wenn der Ulrike-Helmer-Verlag dafür bekannt ist, im Belletristik-Bereich vor allem lesbische Literatur zu verlegen, so ist "Schwarze Seide" alles andere als ein einfacher Erotikroman. Zwar nimmt die Liebe (und auch die Erotik) zwischen Sadie und Natalja naturgemäß einen großen Raum ein, doch verzichtet Tereza Vanek dankenswerter Weise auf allzu häufige und ausschweifende Sexszenen. Sie deutet vielmehr öfter etwas an, so dass jeder weiß, um was es geht und bei Bedarf sein Kopfkino einschalten kann, dazu aber nicht gezwungen wird.
Insgesamt ist der Autorin mit ihrem ersten Roman ein Buch gelungen, das eine interessante, wenn auch dunkle Zeit behandelt, das Tiefgang hat und mit interessanten Figuren aufwarten kann. Es ist auf jeden Fall Wert, gelesen zu werden.

Schwarze Seide

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Letzte Kommentare:
03.05.2011 07:51:36
Zabou1964

Dieses Trade Paperback zieren die verschwommen dargestellten Gesichter einer schwarzen und einer weißen Frau. In der Mitte prangt ein schwarzer Balken mit dem Titel des Buches und einem Blumenornament. Diese Darstellung lässt gleich auf den Inhalt des Buches schließen und gefällt mir sehr gut.

Auf eine ungewöhnliche Art und Weise, nämlich in Tagebuchform, erzählt diese Geschichte von der außerordentlichen Liebe zwischen Natalja und der Sklavin Sadie. Der Leser wird zum einen mit den Gedanken der Gräfin Natalja Serbinskaja, einer russischen Malerin und Abenteuerin, zum anderen mit denen des Sklavenjungen Noa, dem Bruder der Schwarzen Sadie, vertraut. Dieses "Lesen in fremden Tagebüchern" erlaubte mir sowohl Einblicke in die englische Lebensweise im 18. Jahrhundert als auch in das Leben der Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen auf Jamaika. Besonders reizvoll fand ich auch, diese Geschichte aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten zu erfahren.

Die Hauptfigur des Romans ist Natalja Serbinskaja, Tochter eines russischen Grafen und einer deutschen Freidenkerin. Sie verlor ihre Mutter früh und wuchs mit ihrem Vater und Jelena, einer Leibeigenen, die der Vater beim Glücksspiel gewonnen hatte, auf. Jelena ist ihr aber mehr eine mütterliche Freundin als eine Bedienstete. Durch diese Figur erfuhr ich viel über die Situation der Leibeigenen im Russland des 18. Jahrhunderts.

Einer Einladung Marie Luise Cavenders, einer Jugendfreundin Nataljas, ins Haus deren Mannes folgend, reisen die beiden Russinnen nach Bristol. Die recht unkonventionellen russischen Damen sind jedoch ungeliebte Gäste im Hause der Cavenders, einer erzkonservativen Familie, die auf Jamaika mit Sklaven eine Zuckerrohrplantage betreibt.

Natalja ist von der stolzen Sklavin Sadie, der Zofe Marie Luises, so fasziniert, dass sie beschließt, ein Portrait von ihr zu malen. Bei den Sitzungen zu diesem Bild kommen sich die beiden Frauen langsam näher. Als der französische Sklavenaufseher Malraux als Gast auftaucht, um mit dem Hausherrn die weitere Vorgehensweise auf der Plantage zu besprechen, überschlagen sich die Ereignisse und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Tereza Vanek hat in ihrem Buch nicht nur die Liebe der beiden ungewöhnlichen Frauen zueinander auf einfühlsame Art und Weise beschrieben. Sie gewährt dem Leser auch Einblicke in das Seelenleben der anderen Figuren. Sadies Bruder Noa schreibt aus seiner Sicht vom Leben seiner Familie auf der Plantage und in Bristol. Natalja schildert in ihrem Tagebuch das Schicksal der Leibeigenen Jelena, aber auch das unglückliches Leben Marie Luises an der Seite des kalten und überheblichen Alexander und dessen Mutter Sarah. Durch das Auftauchen des Aufsehers Malraux erfährt der Leser auch etwas über die Anfänge der Französischen Revolution und über den Sklavenhandel.

Dieser Roman ist sehr gut recherchiert. Die Autorin hat einige geschichtliche Daten, wie das Erscheinen eines erwähnten Buches, ein wenig verschoben. Das erklärt sie im Nachwort.

Ich konnte mich am besten mit Natalja identifizieren, weil sie ihren eigenen Kopf hat. Aber auch Sadie war mir sehr sympathisch, weil auch sie, soweit es ihr in ihrer Stellung als Sklavin möglich ist, ihren Stolz bewahrt.

Besonders fasziniert hat mich, dass ich die Tatsachen aus verschiedenen Blickwinkeln, also aus der Sicht Noas und Nataljas, betrachten konnte. Die Menschen wurden nicht eindimensional dargestellt, sondern auch deren Hintergrund wurde beleuchtet: Selbst der unsympathische Aufseher Malraux hat menschliche Seiten, die oberflächliche Marie Luise zeigt Gefühle und der eiskalte Alexander Cavender hat einmal geliebt.

Fazit: Dieser Roman hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Sehr sensibel wird die Liebe der beiden Frauen geschildert. Auch die anderen Figuren werden sehr gut beschrieben. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen und hoffe, dass Tereza Vanek bald noch weitere Bücher veröffentlichen wird. Ein großes Kompliment für dieses Erstlingswerk!