König von Albanien

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Rotbuch, 2007, Titel: 'König von Albanien', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95
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Rita Dell'Agnese
Wundervolle Posse mit historischem Hintergrund

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2008

Kurzgefasst:

Salzburg, März 1913. Der Schausteller, Rumtreiber und geniale Hochstapler Otto Witte wird in eine Irrenanstalt eingewiesen, weil er steif und fest behauptet, König von Albanien gewesen zu sein. Der junge Doktorand Alois Schilchegger ist von Otto Witte fasziniert, denn dieser Mann besitzt die grandiose Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Und eine davon ist, wie er König von Albanien wurde.

Alles beginnt im Oktober 1912 in Konstantinopel. Das Osmanische Reich droht auseinanderzubrechen - Albanien nutzt die Gunst der Stunde, erklärt sich nach 400 Jahren Besatzung von den Osmanen unabhängig und sucht einen König, der dem kleinen Balkanstaat vorstehen soll. Otto und sein Kumpan, der Schwertschlucker Max Hoffmann, riskieren einen waghalsigen Coup: Albanien sucht einen König! Albanien bekommt einen König! Nämlich Otto, der einem möglichen Kandidaten auf den Thron zum Verwechseln ähnlich sieht: Prinz Halim Eddine, Neffe des letzten Sultans. Das Unglaubliche passiert im Februar 1913: Zwei Telegramme künden des Prinzen Ankunft in Albanien an. Otto und Max treten mit Kostümen, die sie sich in Wien geliehen haben, als Prinz und dessen Sekretär auf. Niemand stellt auch nur eine Frage. Fünf Tage geht es drunter und drüber in Albanien. Otto hält Paraden ab, wird proklamiert, lässt sich vom Volk bejubeln, gründet einen Harem und macht gegen Serbien und Montenegro mobil. Der Schwindel bleibt freilich nicht unbemerkt und fliegt am Ende auf. König Otto I. von Albanien sitzt in der Falle, umzingelt von Untertanen, die nur noch eines wollen: seinen Kopf ...

 

Otto Witte will König werden. Der Deutsche, der sich in Konstantinopel durch Schaustellerei über Wasser hält, nutzt seine Ähnlichkeit zum türkischen Prinzen Halim Eddine, um sich in Albanien auf den Königsthron zu setzen. Der schlaue Witte, dem sein bester Freund Max Hoffmann zur Seite steht, hat allerdings nicht bedacht, dass er sich mit dieser Aktion politisch in ein Wespennest setzt. Scheint ihm der Streich zunächst zu glücken - Otto Witte wird zum König ausgerufen - fliegt sein Spiel schon nach wenigen Tagen auf. Mit viel Glück kann Otto Witte sich der Hinrichtung durch das aufgebrachte albanische Volk entziehen.

Humorvoller Einstieg

Andreas Izquierdo hat sich einem Thema mit historischem Hintergrund angenommen, das so abenteuerlich und außergewöhnlich ist, dass man versucht ist, diese Geschichte rund um effektive Ereignisse ins Land der Fantasie zu verbannen. Unterstützt wird diese Einschätzung von einem unglaublich humorvollen Einstieg in die Welt von Otto Witte: Der König schreitet durch den Saal der Irrenanstalt und verschwindet in der Putzkammer. Für den jungen Psychiater Alois Schilchegger ist der Fall klar. Der Neuzugang Otto Witte ist ein schwieriger Fall. Erst nach und nach erschließt sich dem Doktoranden Schilchegger die schillernde und außergewöhnliche Geschichte Wittes. Je mehr sich Schilchegger den Schicksalen der ihm anvertrauten Männer widmet, desto näher kommt ihm der listige Otto Witte. Was Schilchegger zunächst für ein Hirngespinst gehalten hat, offenbart sich nach und nach als wahre Begebenheit. Andreas Izquierdo, der mit Nachkommen Wittes gesprochen und lange für die Geschichte recherchiert hat, kann den humorvollen Ton des Einstiegs über die ganze Länge des Buches hinweg beibehalten. Doch was als augenzwinkernde Posse daher kommt, hat auch seine traurigen Momente und oft berühren die in einer eingängigen Sprache gehaltenen Schilderungen Izquierdos so stark, dass sich im Hals ein dicker Kloss bildet.

Zu Recht ausgezeichnet

Dass Andreas Izquierdo für diesen Roman mit dem goldenen Lorbeer des Sir Walter Scott-Preises ausgezeichnet worden ist, kommt nicht von ungefähr. Der Autor hat hier zwei Genres gemischt, den historischen Roman mit realem Hintergrund und die Schelmengeschichte. Letztere ist schon lange tot gesagt, doch Izquierdo beweist, dass dies zu Unrecht geschehen ist. Er bietet dem Leser mit diesem Roman vergnügliche Stunden und lädt ihn ein, sich auf den Traum des kleinen Mannes einzulassen.

Das Buch ist nicht nur ein Leckerbissen für Freunde des historischen Romans. Er vermag Anhänger anderer Genres ebenso zu fesseln und empfiehlt sich auch aufgrund der vielen sprachlichen Feinheiten. Dass das Ganze optisch hervorragend gestaltet ist, macht den ";König von Albanien" zu einem wahren Genuss.

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