Tod an der Ruhr

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2008, Titel: 'Tod an der Ruhr', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Mord im Ruhrgebiet in Zeiten von Industrie, Syphilis und Cholera

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2008

Kurzgefasst:

September 1866. Durch das Ruhrgebiet weht der tödliche Hauch der Cholera. Tausende sterben ringsum, doch den Sterkrader Polizeidiener Martin Grottkamp lässt der Tod eines Hüttenarbeiters, der mit klaffender Kopfwunde unterm Hagelkreuz liegt, nicht los. Grottkamp findet in den Taschen des Toten das fotografische Abbild eines nackten Mädchens. Er stellt Nachforschungen an und gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen und unverhohlenem Hass, aus Aufwiegelei und Erpressung, aus Lohnhurerei und unzüchtigen Verhältnissen.

 

Im September 1866 blüht in Teerkrade das Ruhrgebiet. Es entstehen neue Hütten, viele Menschen haben Arbeit und bewohnen kleine Häuser. Doch auch die Cholera fordert ihre Opfer. Daher wird auch erst kein Aufhebens gemacht, als der Hüttenarbeiter Julius Terfurth tot in einer Wasserlache gefunden wird.

Der Polizeidiener des Ortes, Martin Grottkamp, beginnt mit seinen Ermittlungen und stellt schnell ein paar Ungereimtheiten fest. Seine Nachforschungen ergeben schnell, dass Terfurth nicht an der Cholera starb, sondern durch eine große Kopfwunde, die durch einen grossen Stein verursacht sein muss. Pikant, dass Terfurths Frau einst Grottkamps Jugendliebe war, und nun muss er in deren Familie ermitteln.

Doch es gibt noch weitere Verdächtige. Neben einigen Schankwirten und einer Schankmagd mit liderlichem Lebenswandel erregt vor allem der britische Journalist Edward Banfield Grottkamps Aufmerksamkeit. Da auch in England das Industriezeitalter blüht, könnte es sich hier um Industriespionage handeln. Doch egal, was Grottkamp auch herausfindet, nichts will zusammenpassen...

Authentische Bilder

Peter Kersken führt den Leser mit seinem ersten historischen Kriminalroman in das blühende Industriezeitalter im Ruhrgebiet und malt authentische Bilder der Zeit um das Jahr 1866. Sterkrade, heute Stadtteil von Oberhausen, damals allerdings ein blühender, selbständiger Ort, ist Schauplatz eines Verbrechens, das niemanden so richtig mitnimmt, zumal die Beliebtheit des ermordeten Hüttenmeisters Terfurth sehr zu wünschen übrig liest. Entsprechend hoch ist die Zahl der Verdächtigen, und es ist schwierig für Grottkamp, überhaupt etwas stichhaltiges in Erfahrung zu bringen.

Durch den verhältnismässig kleinen und überschaubaren Schauplatz gelingt es Kersken, dem Leser ein intensives Bild der Zeit zu vermitteln. Die Sorgen und Nöte der Arbeiterfamilien nehmen viel Raum ein und bilden so eine beschauliche Atmosphäre, in der jeder jeden kennt und das grosse Preußen weit entfernt ist, wenngleich es seine Schatten in das Ruhrgebiet wirft. Günstig erworbener Landbesitz kann nun gewinnbringend an Baufirmen veräußert werden, und es ist die Frage, ob man es tut, denn trotz aller Traditionen will man auch nicht den Zug verpassen, auf den andere Finanziers aufspringen können. Es ist eine aufregende Zeit im Wandel, und dies weiß Kersken packend zu erzählen.

Allerdings streut er seine kleinen Einschübe nicht immer geschickt in die Geschichte ein. Zu deutlich sind an manchen Stellen die kleinen Erzählungen außerhalb der Handlung und hätten geschickter mit ihr verwoben werden können. Mal fällt dies mehr, mal weniger deutlich auf, aber es stört doch den ansonsten vorhandenen Lesefluss und lässt den Leser doch stolpern.

Ruhiger Mordfall

Mit wenigen Sätzen charakterisiert Kersken seine Protagonisten. Dies reicht völlig aus, um die Figuren lebendig werden zu lassen. Nicht nur der Mordfall, sondern auch die medizinischen Möglichkeiten der Cholerabehandlung bilden einen Leitfaden durch den Roman, und auch die Syphilis spielt eine bedeutende Rolle. Ein begonnener Briefverkehr mit Sebastian Kneipp ist eine nette Ergänzung und ein interessanter Verweis vom Ruhrgebiet nach Süddeutschland.

Ein interessantes fast fünfseitiges Nachwort des Autors bildet eine gute Ergänzung des Romans und zeigt dem Leser, was an den geschilderten Umständen Fiktion und was Realität ist, neben einer kleinen persönlichen Familiengeschichte des Autors.

Wer sich für die Geschichte des Ruhrgebietes und dem blühenden Industriezeitalter interessiert und dies gerne in einen recht unspektakulären, aber interessanten und motivierten Kriminalfall verpackt haben möchte, wird mit Tod an der Ruhr bestens unterhalten werden, wenn er über kleine Erzählschwächen hinwegsehen kann. Der 315 Seiten starke Roman aus dem Emons-Verlag hat bereits eine Fortsetzung erfahren, und es wäre schön, noch mehr Romane aus dieser bedeutenden Zeit lesen zu können.

 

Tod an der Ruhr

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Letzte Kommentare:
31.07.2012 17:34:26
Klaus Marenberg

Tod an der Ruhr haben meine Frau und ich von einer sehr lieben Bekannten geliehen bekommen. Wir beide haben das Buch nicht mehr aus der Hand legen können und fast in einem durchgelesen. Wir können den Titel nur weiterempfehlen. Heute werde ich noch die beiden anderen beiden Bücher (im Schatten der Zeche und Zechensterben) bestelle.

13.04.2011 12:09:15
Heinrich Schmitten

"Tod an der Ruhr" habe ich mit stetiger Spannung gelesen. Oft nicht gemerkt, wo die Zeit geblieben ist. Da ich am Ort des
Romans lebe, konnte ich mir sehr intensiv die örtliche Abläufe vorstellen. Ich bin zu diesem Roman durch meine Frau gekommen, die ihn mit Spannung gelesen hatte u. mich angesteckt hat. Denn in der Regel lese ich keine Kriminalromane. Aber beide Bücher sind sehr empfehlenswert.

22.08.2009 17:48:48
T. Nathrath

Ich bin in Sterkrade (Brandenburgerhof) geboren: So war ich sofort angetan von der "Nähe" des Tatortes: Ich habe mit großem Interesse das Buch gelesen und kann es nur wärmstens jedem alten und jungen Sterkrader empfehlen.
Es ist offensichtlich gut recherchiert und verdeutlicht Bekanntes und Geschichtliches gleichzeitig.

Amüsant mutet die Lebensart und Denkweise des 19. Jahrhunderts an; ein Vergleich mit der heutigen Zeit ist aufschlußreich.

Herzlich
T. N.

13.11.2008 09:44:14
Dr. Helmut Duddeck

Das Buch beschreibt sehr schön die Situation der Bevölkerung und die Stimmung zu Beginn der Industrialisierung im Ruhrgebiet. Als geborener Alt-Oberhausener habe ich es mit großem Interesse gelessen. Ich wünsche mir, dass Herr Kersken weitere Romane dieser Art schreibt, die in der Zeit von 1866 bis 1945 spielen könnten.

01.10.2008 03:48:32
Horst Diederichs

"Tod an der Ruhr" hat mir wirklich sehr gut gefallen. Da ist nichts an den Haaren herbeigezogen. So könnten unsere Vorfahren damals wirklich gelebt haben, als plötzlich die Industriealisierung der Welt über sie hereinbrach. Das ist glaubhaft, und spannend ist die Kriminalgeschichte auch noch. Sehr schön!