Der große Tanz

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2007, Titel: 'Der große Tanz', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Wenig Schwung im mittelalterlichen Düsseldorf

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2008

Kurzgefasst:

1349: Markus von Geldern, als Zweitgeborener nur mit den Pfründen eines Abtverwesers im Kloster Köln-Mülheim abgespeist, greift vom Ehrgeiz besessen nach der Macht im Reich und verschwört sich gegen den Thron des Erzbischofs in Köln. Nur einer steht ihm noch im Weg: Gilbert, ein junger Mönch, der ausgerechnet die Jüdin Rebecca liebt, die von Gelderns Macht ins Wanken bringen könnte. Gilbert rettet sie aus dem Feuer eines geheimen Hexenprozesses und bringt sie und sich damit in umso größere Gefahr. Doch es sind nicht nur die Schergen von Gelderns, die nach dem Leben der beiden trachten: Überall im Rheinland flackern die Feuer der Pogrome, und die Pest zieht todbringend über Stadt und Land. Doch dann wird das Unmögliche möglich.

 

Im Kloster Köln-Mühlheim des Jahres 1349 lebt ein junger Mönch, der unverhofft die Karriereleiter hoch fällt, als ein betagter Mönch das Zeitliche segnet und er sein Amt übernimmt. Gilbert, so sein Name, sieht schon bald, wie ein junges Mädchen auf den Scheiterhaufen geführt wird und befreit sie des nachts durch eine List. Er kennt das Mädchen Rebecca bereits aus Kindertagen, doch sie ist Jüdin und durch seine Fluchthilfe gerät auch er in äußerste Gefahr.

Gejagt von den Herren des Klosters, dessen Abtverweser derzeit Markus von Geldern ist, fliehen die beiden Richtung Düsseldorf, denn dort sitzt Gilberts Mutter im Kerker, und Gilbert will auch sie befreien. Sie treffen auf Antonius, den Anführer einer zwielichtigen Bande und ein mehr als guter Bekannter von Rebecca, und Gilbert sieht seine Chancen bei Rebecca schwinden, in die er sich inzwischen verliebt hat, ohne es sich eingestehen zu wollen und zu können.

Immer verfolgt von Gelderns Leuten dringt er schließlich bis zu seiner Mutter vor, muss aber letztlich zur Familie Rebeccas fliehen und bei ihnen um Schutz ersuchen. Doch er als Christ ist bei Juden nicht gern gesehen, schon gar nicht zu dieser Zeit, in der die Pest wütet und die Juden am Ausbruch der Krankheit beschuldigt werden. Schließlich setzt Gilbert alles auf eine Karte.

Die Pest erreicht Düsseldorf

Rolf Bönnens Mittelalterroman Der große Tanz beschreibt eine brisante Zeit, in der Juden wie Christen von der Pest heimgesucht werden, man aber die Juden als Schuldige hernimmt und so Unfrieden im Land bringt. Der Roman beschreibt eindringlich die Situation der Juden und ihre Angst vor dem wohl unvermeidlichen und webt auch Hexenprozesse in seine Geschichte mit ein. Anhand von Gilbert verfolgt der Leser die Geschichte und wird dabei auch in unangenehme und aussichtslose Situationen geführt.

Dies jedenfalls soweit, wie man die Handlung aus dem Roman herausschälen kann. Bönnen bedient sich durchweg der alten Sprache, die es dem Leser streckenweise sehr schwer macht, daraus eine Handlung zu lösen. Immer wieder ergeht er sich in intensiven Beschreibungen, die absatzweise unnötig sind und sich wiederholen, ohne die Handlung voranzutreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte aus Gilberts Ich-Perspektive erzählt wird, was allein erst einmal nichts schlimmes ist. Aber Gilbert ergeht sich seitenweise im Lamentieren über Gott und die Religion und sein eigenes Fehlverhalten und trotz alledem dem Festhalten an seinem Gottesglauben, dass es den Leser nervt und man das Buch beinahe nach der Hälfte weglegen möchte, weil es einfach in der Masse nicht mehr zu ertragen ist. Leider zieht sich dieses Lamentieren bis zum Ende hin. Der Roman wäre bestimmt wenigstens um 50 Seiten kürzer geworden, wenn man dies alles geglättet hätte.

Kein Krimi

Warum der Roman "Krimi" genannt wird, bleibt dem Leser ebenso verschlossen. Es geschieht eigentlich nichts, was dieses Prädikat rechtfertigen würde. Ähnliche Handlungsstränge mit Hexenverbrennung, Aufdecken einer unrühmlichen, dunklen Vergangenheit und Pestheilungen hat man schon des öfteren gelesen, aber hier geschieht kein Mord, woraufhin natürlich niemand ermittelt, und daher ist die Bezeichnung "Krimi" rundweg verkehrt und soll wohl mehr Leser dazu bewegen, diesen Roman zu lesen.

Nein, es ist kein Krimi, es ist ein "normaler" Roman, der über 300 Seiten ins Mittelalter des Rheinlandes eintaucht. Immerhin schafft der Autor eine recht düstere Atmosphäre, und seine Beschreibungen der Pest und deren Behandlung sind schon recht beeindruckend. Die Charakterzeichnungen sind teilweise recht gelungen, gerade aber der vermeintlich "Böse" Markus von Geldern bleibt etwas blässlich, was wohl auch daran liegt, dass er zu selten auftaucht.

Schwerer Schreibstil, wenig Spannung

Was auch nie wirklich klar wird, sind die zeitlich Perspektiven. Da werden Kutten anbehalten, während man durch Gräben schwimmt, und scheinbar brauchen die auch nicht zu trocknen, denn normalerweise würde man sich den Tod oder zumindest schwere Krankheiten holen, und auch insgesamt weiß man nicht, wie viel Zeit im Roman überhaupt vergangen ist. Vielleicht wird dies aber auch in den überbordenden Beschreibungen und ausschweifenden Formulierungen überlesen.

Richtig spannend wird der Roman eigentlich nicht, zumal das Ende auch keine wirklichen Überraschungen bringt. Rolf Bönnens großer Tanz verkommt zum seichten Schwof, der den Leser aufatmen lässt, wenn er bei dem Roman überhaupt bis zum Ende durchgehalten hat. Der schwere Schreibstil und die mässige Handlung bieten keiner wirkliche Erholung. An Ergänzungen ist auch bloss eine Aufzählung der Hauptcharaktere mit ein wenig Beschreibungen angefügt, leider wird noch nicht einmal geklärt, ob es sich hier um reale oder fiktive Personen handelt. Vorne im Einband wird darauf hingewiesen, dass zumindest Markus von Geldern eine erfundene Figur ist, allerdings wird dies wahrscheinlich wegen seines ungewöhnlichen Platzes von den meisten Lesern überlesen werden.

Für Rheinländer ist Der große Tanz vielleicht ein interessanter Einblick in die eigene Geschichte, ansonsten wird es so mancher Leser schwer haben, sich mit dem Roman und seinem Schreibstil anzufreunden. Hier wäre weniger wesentlich mehr gewesen.

 

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