Tristan und Isolde

Erschienen: Dezember 1901

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 1215, Titel: 'Tristan und Isolde', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Carsten Jaehner
Eine der größten Liebesgeschichten<br> aller Zeiten!

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2008

Kurzgefasst:

"Tristan und Isolde" ist eine der bekanntesten Liebesgeschichten aller Zeiten. Der mutige und listige Ritter Tristan nimmt es auf sich, einen Drachen zu töten, um die schöne Isolde zu gewinnen. Im Auftrag seines Onkels wirbt er um sie, jedoch verfallen die beiden in einer unsterblichen Liebe zueinander. Auch nach Isoldes Hochzeit endet das Verhältnis der beiden nicht, und so begehen sie Ehebruch, der immer wieder kurz davor ist, entdeckt zu werden. Mehr als einmal wird ihre Liebe auf die Probe gestellt, und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wie lange das gutgehen kann ...

 

Riwalon, Herrscher von Parmenien, kommt nach gewonnener Schlacht nach Tintagel in Cornwall, wo er sich in Blanchefleur verliebt, die Schwester des Königs Marke. Riwalon zieht für Marke in den Krieg, wird schwer verwundet und nach Tintagel zurückgebracht, wo er von Blanchefleur gepflegt wird und es zu einer leidenschaftlichen und folgenreichen Nacht der beiden kommt. Genesen zieht Riwalon erneut in den Krieg, gefolgt von der schwangeren Geliebten, was als Entführung gedeutet wird. Als er abermals schwer verwundetGott wird, schließen die beiden die Ehe, Riwalon stirbt auf dem Schlachtfeld und Blanchefleur bei der Entbindung ihres Sohnes.

Dieser Sohn muss vor den Feinden verborgen werden und wächst bei wohlgesonnenen Leuten auf, die ihm den Namen Tristan geben. Erst als junger Mann wird er zu Marke zurückkehren, der ihn mit offenen Armen aufnimmt und nach Irland schickt, damit Tristan als Brautwerber für Marke die schöne Königstochter Isolde nach Cornwall holt. Tristan, der inzwischen beim irischen Volk unbeliebt und unerwünscht ist, fährt inkognito nach Irland, besiegt unter anderem einen Drachen und lernt Isolde kennen. Begleitet wird Isolde von Brangaine, ihrer Cousine, die auf der Fahrt nach England einen Trank mischen soll, durch den sich Marke und Isolde unsterblich ineinander verlieben sollen. Doch leider nehmen Isolde und Tristan den Trank zu sich und es beginnt eine der berühmtesten und kompliziertesten Liebesgeschichten aller Zeiten.

Ein sympathischer Erzähler eines großen Epos

Die Tristan-Erzählung von Gottfried von Straßburg in der Übertragung von Dieter Kühn vom Mittelhochdeutschen in das heutige Hochdeutsch ist ein durchweg gelungener Beitrag, die alten, klassischen Geschichten aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken und für ein heutiges Publikum interessant zu machen. Kühn hat von Straßburgs Text nicht nur übertragen, sondern auch ein wenig kommentiert und ediert, sodass eine rundum gelungene Ausgabe der Historie entstanden ist. Dabei wertet Kühn nicht, sondern ergänzt nur für heutige Leser und das ist auch gut so.

Die alte Geschichte um den Ritter Tristan, seinen Erlebnisse und seine illegale Liebschaft zu seiner Stieftante Isolde enthält packende Passagen, spannende Kämpfe gegen Drachen und andere Feinde, Verschwörungen, Intrigen aber auch Feierlichkeiten, Traditionen und Beschreibungen des Alltags, wie man ihn selten erzählt bekommt. Zwar erzählt von Straßburg die Geschichte auch nur nach, fasst mehrere Versionen zusammen, dennoch ist er zeitlich viel näher am Geschehen und verleiht allem so eine selten zu lesene Authentizität. Dabei ergeht er sich bisweilen auch etwas zu lang in Beschreibungen von Kleidern, Festen und Ritualen wie dem waidgerechten Ausnehmen eines Hirsches, das bis zum kleinsten Knochen und Fleischfetzen genau beschrieben wird.

Hohe Dichtkunst mit Schwächen

Von Straßburg erzählt die Geschichte aus der Sicht eben eines Erzählers, der zwischendurch immer mal wieder über seine eigenen Unzulänglichkeiten als Erzähler lamentiert, zugleich aber andere berühmte Dichter der Zeit wie Walter von der Vogelweide lobt und hervorhebt. Diese Exkurse aus der eigentlichen Handlung heraus sind gelegentlich doch zu lang geraten, wenngleich von Straßburg sich auf sympathische Weise immer wieder selbst zurückholt. Man kann es ihm nicht übel nehmen und liest es trotzdem mit großem Vergnügen.

Sprachlich weiß von Straßburg auch nicht immer zu überzeugen. Bei großangelegten Beschreibungen ist er in seinem Element, auch die Minne der Protagonisten geht ihm gut von der Hand, zwischenzeitlich hat man allerdings das Gefühl, er müsse sich von seiner hohen Dichtkunst erholen. Dann benutzt er die Alltagssprache und bricht aus der Erzählung aus. Auf hohe Dichtkunst folgen manchmal witzige Zoten und so formuliert er selbst nicht einheitlich.

Allerdings ist die Sprache durchweg verständlich. Dieser Klassiker ist sprachlich keineswegs angestaubt, sondern immer gut zu verstehen, wenn man sich erst einmal in den Sprachstil des Mittelalters eingelesen hat. Dann wird aus der Lektüre auch ein tatsächliches Lesevergnügen, bei dem man mitleidet, aber auch mal herzlich lachen kann. Von Straßburg weiß den Leser beziehungsweise Hörer, wenn man sich die 19.548 Verse als Vortrag vorstellt, rundum an seine Erzählung zu fesseln, auch wenn man sich das vielleicht am Anfang nicht vorstellen kann.

Hervorragende Unterhaltung

Wenn auch als Liebesgeschichte deklariert, so muss man auch nicht befürchten, der Sprachstil oder das ganze Buch seien schmalzig und daher für heutige Augen und Ohren kaum zu ertragen. Von Straßburg bietet gute und solide, teilweise hervorragende und spannende Unterhaltung. Und das schon vor 800 Jahren.

Das Ende - tragisch in zweierlei Hinsicht, denn neben der Handlung hat es auch Gottfried leider nicht geschafft, seinen Roman zu vollenden. Nach etwa geplanten zwei Dritteln bricht die Erzählung ab und wird von anderen Dichtern notdürftig beendet, was einen Stilbruch in der Erzählweise bedeutet. Aber der geneigte Leser will natürlich trotzdem das Ende wissen.

Lobenswerter Anhang

Ergänzt wird der Roman durch hervorragende und klare Anhänge, darunter ausgelassene Passagen aus der Erzählung, eine kurze Biografie, soweit möglich, von Gottfried und einem Artikel aus Kindlers Literatur-Lexikon über ";Tristan und Isolde";. Somit schnürt Dieter Kühn ein Gesamtpaket, das kaum Wünsche offen lässt.

Wer gerne von Rittern und Drachen, Königen und Geliebten, Schlachten und Festen liest, der sollte zwischen all den anderen Mittelalterromanen einmal zu ";Tristan und Isolde” greifen. Das Buch ist gar nicht so anders, als man denkt. Wer allerdings ein Anhänger der Opern Richard Wagners ist, dürfte dessen Tristan-Oper nicht mehr wiedererkennen und so von der Lektüre vielleicht enttäuscht sein. Allen anderen sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

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