Die Tochter des Jägers

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Nagel & Kimche, 2002, Titel: 'Die Tochter des Jägers', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87

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Rita Dell'Agnese
Ein überzeugendes Portrait einer starken Frau

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2008

Kurzgefasst:

Im Mai 1923 reisen Vivienne von Wattenwyl und ihr Vater Bernhard nach Ostafrika, um für das Naturhistorische Museum in Bern Großwild zu jagen. Als ihr Vater von einem Löwen getötet wird, führt die 24-jährige Vivienne die Safari als einzige Frau und einzige Weiße unter Dutzenden von afrikanischen Trägern und Jägern erfolgreich zu Ende. Auf einer zweiten Afrikareise versucht Vivienne, sich mit ihrem noch im Tod übermächtigen Vater zu versöhnen - nicht zuletzt, indem sie das Gewehr mit einer Fotokamera vertauscht und nur Bilder schießt. In der Einsamkeit auf dem Mount Kenya durchlebt Vivienne nochmals die Eifersucht, die Rivalität und die Angst vor dem Verlassenwerden, die sie mit ihrem Vater teilte.Nach einem Buschbrand, dem sie nur knapp entrinnt, zieht sie sich erschöpft, aber begleitet von ihrer geliebten Großmutter Grandminon auf die südfranzösische Insel Port-Cros zurück. Dort will sie sich ein Refugium schaffen, ein eigenes Haus, in dessen Schutz sie den rigiden Vorgaben ihres verstorbenen Vaters ein selbstbestimmtes Leben entgegensetzen kann. Bald macht ihr aber die rabiate Zuneigung ihres Dieners Josef zu schaffen, und Vivienne benötigt ihre ganze Kraft, um den Neuanfang durchzusetzen.

 

Die Geschichte beginnt in jener Abteilung eines naturhistorischen Museums, in der Löwen, Zebras und weiße Nashörner zum Leben erwachen: da, wo aus den Fellen wieder Tiere werden. Bernhard von Wattenwyl, der mit seiner Tochter Vivienne nach Afrika reist, um auf einer Safari eine Fülle von Fellen zusammenzutragen, bereitet seine Tochter umfassend auf das große Abenteuer Afrika vor. Obwohl er sich mit dem Mädchen nach dem Tod ihrer Mutter zunächst nach Norwegen zurückzieht, verliert er seinen Traum, die Safari, nie aus den Augen. Mit unglaublicher Konsequenz drillt er das Kind, das für ihn bald zum Sohn und zur Tochter gleichermaßen wird. Nur dieser Konsequenz ist es zu verdanken, dass Vivienne von Wattenwyl auch nach dem überraschenden Tod ihres Vaters auf der Safari nicht klein beigibt, sondern den Lebenstraum ihres Vaters zu Ende führt. Bis sie sich allerdings ihren eigenen Lebenstraum zugesteht, soll noch eine ganze Weile vergehen.

Gelungener Perspektivwechsel

Lukas Hartmann spielt in seinem biografischen Roman mit dem Perspektivwechsel. Bald ist es der Gehilfe des Präparators, der die Geschichte erzählt, bald Vivienne selber, oft ein neutraler Beobachter. Die Umsetzung dieses Perspektivwechsels geschieht aber so geschickt, dass es dem Leser problemlos möglich ist, ihn nachzuvollziehen. Ja, auch der Fluss der Erzählung wird durch den Wechsel der Perspektive, die nicht nur von der Erzählperson her passiert, sondern auch vom zeitlichen Ablauf her, nicht gestört. Mühelos vermag man sich in der Geschichte zurechtzufinden.

Klares Gesellschaftsbild

Es gelingt Lukas Hartmann, mit diesem Buch ein klares Gesellschaftsbild der Zwanziger Jahre aufzuzeigen. Die ungebrochene Sehnsucht des von Entdeckergeist durchdrungenen Mannes nach einem Sohn, der darin gipfelt, dass sich Vivienne von der Tochter zu Murray, dem Sohn, wandelt, wird ebenso stimmig dargestellt, wie die Zerrissenheit, der die junge Vivienne durch diesen stetigen Rollenwechsel ausgesetzt ist.

Es ist aber wohl letztlich gerade diese Zerrissenheit, der Vivienne in höchster Not zugute kommt. Schnörkellos schildert Lukas Hartmann die Besessenheit Bernhard von Wattenwyls, die ihm schließlich den Tod durch einen Löwen bringt. Ebenso nüchtern ist die Verzweiflung Vivienne von Wattenwyls dargestellt. Die starke Frau überwindet jedoch alle Zweifel und stellt sich der Herausforderung, die Suche nach dem weißen Nashorn auch ohne ihren Vater fortzusetzen. Dass sie weniger an ihrer Konstitution denn am Umstand, dass sie als Frau von den Trägern zunächst nicht ernst genommen wird, zu scheitern droht, ist so eingängig beschrieben, dass das Gefühl aufkommen kann, die Situation selbst zu beobachten.

Zu sich selbst finden

So stark Vivienne von Wattenwyl sich auf der Safari - und später auf der Fotosafari, die sie ein zweites Mal nach Afrika führt - zeigt, so unsicher ist sie, wenn es um ihr späteres Leben geht. Eingängig schildert Lukas Hartmann den langen Kampf der jungen Frau um ihre eigene Identität. Er nimmt den Leser mit auf die Reise durch das abenteuerliche Leben Vivienne von Wattenwyls und lässt weder Langeweile aufkommen noch lässt er den Leser irgendwann ratlos zurück. Die Unsicherheiten und das kapriziöse im Leben der jungen Frau haben ebenso Platz, wie ihre Unrast und ihre Ängste, die spätestens dann wieder aufbrechen, wenn sie von Diener Josef bedrängt wird.

Es ist geschehen

Bemerkenswert ist die Aufarbeitung der Fakten, die Lukas Hartmann zur Verfügung standen. Er hat die Lücken zwischen überlieferten Aufzeichnungen mit Gedanken und Handlungen gefüllt, die so problemlos stattgefunden haben können. Grundsätzlich geht man nach der Lektüre des Buches davon aus: ";Es ist geschehen. So, wie es in diesem Buch steht." Das Erzähltalent des Autors lässt weder Zweifel an der Authenzität aufkommen, noch stellt es in Frage, dass diese Geschichte es wert war, in einem Buch überliefert zu werden.

";Die Tochter des Jägers" ist ein historisches Buch von einer starken Frau, die nichts Übernatürliches in sich trägt und die doch in ihrer Stärke eine einzigartige Figur darstellt. Nach der Lektüre von ";Die Tochter des Jägers" wird außerdem kaum jemand mehr an einem Tierpräparat vorbeigehen können, ohne die virtuose Kunst des Präparators zumindest in einem kurzen Gedanken zu würdigen.

Eine besondere Dienstleistung des Autors stellt der Bereich auf seiner Homepage dar, in dem er zusätzliche Informationen über Vivienne von Wattenwyl liefert.

Die Tochter des Jägers

Die Tochter des Jägers

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Letzte Kommentare:
08.04.2009 11:56:22
Hartmann-Fan

Tolles Buch, ich mochte es sehr!! Gerade die verschiedenen Perspektiven maches es interessant. Man bekommt einen guten Eidruck von der Kolonialzeit und der Ausbeutung bestimmter Menschengruppen vermittelt. Auch die mühseligen Versuche einer Frau, welche sich gerne emanzipieren würde, jedoch immer wieder daran gehindert wird, sind interessant mitzuverfolgen. Besonders gefielen mir die Zeitblenden, von den Afrikareisen, nach Norwegen und auf Port Cros. Man wusste immer schon bescheid, was gleich passieren würde. Super Buch, super Autor!!