Altweibersommer

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2008, Titel: 'Altweibersommer. Theodor Fontanes erster Fall', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Gelungener Serienstart mit Entwicklungspotenzial

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2008

Kurzgefasst:

Theodor und Emilie Fontane sind im September 1873 auf dem Weg nach Gut Wustrau. Während sich beide über den Ruppiner See rudern lassen, ertönt in der Stille des Spätsommertages ein Schuss. Hat die Jagdsaison begonnen? Beim Souper ereilt Graf von Zieten-Schwerin die Nachricht, dass im Forst von Altfriesack ein Toter liegt im Abendanzug, die Pistole neben sich. Es ist derin den Gründerjahren zu Reichtum gekommene Baulöwe Schwartz aus Berlin. Fontane zweifelt an der Selbstmordthese des märkischen Amtsgerichtsrats und beginnt, sehr zum Leidwesen Emilies, selbst zu ermitteln.

 

Am 26. September 1873 lassen sich der Schriftsteller Theodor Fontane und seine Frau Emilie über den Ruppiner See rudern. Sie sind zu Gast auf Schloss Wustrau bei Graf Albert Julius von Zieten-Schwerin, doch noch bevor sie den Landesteg erreichen, zerreißt ein Schuss die Stille. Sollte die Jagdsaison schon eröffnet haben oder wollte jemand Einbrecher von seinem Besitz vertreiben? Während des Empfangs bei Graf Albert Julius betritt dessen Jagdmeister den Saal und berichtet von einem Selbstmord im Wald des Grafen. Sofort machen sich der Graf und Fontane samt Gefolge auf den Weg und finden in einer Wildschweinsuhle die Leiche eines Mannes, der sich offenbar mit seiner Pistole in den Kopf geschossen hat. Als sich auch Fontane der Grube nähert, erkennt er den Toten. Es ist der bekannte Freiherr Friedrich Georg Schwartz von Blohm.

Schriftsteller Fontane ermittelt

Fontane arbeitete einst mit Schwartz bei der Centralpressestelle des Preußischen Ministeriums des Innern zusammen, doch nach dem Sieg über sie Franzosen machte Schwartz als Spekulant und Baumogul eine beachtliche Karriere und wurde mehrfacher Millionär. Alles was fehlte war der Aufstieg in die bessere Gesellschaft und so kam es vortrefflich, dass das Gut von Schloss Gnewikow bankrott war und dessen Besitzer, Major von Blohm, einen Mann für seine Tochter Antonia suchte. So vermählte sich einmal mehr Geldadel mit Blutadel, aber Schwartz fand in der adeligen Gesellschaft nie Akzeptanz. Da auch die Ehe selber keine Liebesheirat war, gingen Schwartz und Antonia denn folglich schon recht bald getrennte (Liebes-)Wege.

Die Polizei fügt den vermeintlichen Selbstmord schnell zu den Akten, allein Fontane glaubt nicht daran, denn warum sollte sich ein in der Blüte seines Lebens stehender, noch dazu vermögender Mann umbringen? In den Archiven der Vossischen Zeitung erfährt Fontane, dass es jüngst Drohungen gegen Schwartz gab, der durch seine Bauaktivitäten zahlreiche Familien in das soziale Abseits manövrierte. Zudem will Major von Blohm beobachtet haben, wie Schwartz unmittelbar vor seinem Tod mit zwei Männern (";Proletairs") gestritten habe und diesen in den Wald gefolgt sei. Fontanes berufsbedingte Neugier ist geweckt und so recherchiert er mehr und mehr, sehr zum Ärger seiner Frau Emilie, die es lieber sehen würde, wenn er sich um den Lebensunterhalt für seine Familie kümmern würde...

Nach mehreren Hansekrimis jetzt also Berlin ...

Frank Goyke ist Freunden historischer Romane vermutlich kein Unbekannter, wenngleich er bislang vor allem durch seine Hansekrimis auf sich aufmerksam machte. Nun tritt er also bei seinem neuen Verlag, dem berlin.krimi.verlag, an und startet dort mit einer neuen Serie, deren Protagonist der berühmte deutsche Schriftsteller Theodor Fontane ist. Dieser träumt im Spätsommer des Jahrs 1873 noch immer davon, endlich als freier Schriftsteller leben zu können. Tatsächlich verdient er seinen Lebensunterhalt als Theaterkritiker der Vossischen Zeitung. Seine aktuelle Situation sorgt bei Fontane immer wieder für Schwermut und bei Emilie meist für akute Geldprobleme. Kein Wunder also, dass Emilie ihren Mann immer wieder dazu drängt seiner Arbeit nachzugehen, statt sich in irgendwelchen abstrusen Gedankenwelten zu verrennen, denn wer sagt denn, dass Schwartz tatsächlich ermordet wurde?

Mord oder Selbstmord, Spekulationsboom
oder Börsencrash?

Und in der Tat wird die Frage, ob es wirklich ein Mord oder doch nur ein Selbstmord war, mit letzter Sicherheit erst auf Seite 191 beantwortet, also erst rund 70 Seiten vor Ende des Romans. Bis dahin gibt es viele Recherchen, noch mehr Gespräche und immer wieder Rückschläge. Doch langsam aber sicher baut sich ein Mosaik zusammen und die Leser/innen erfahren mehr und mehr Details. Nicht nur über das Leben Schwartz‘, dessen aufgesetzte Fassade wie ein billiges Kartenhaus nach und nach in sich zusammen fällt, sondern auch über die damalige Zeit. Die Hauptstadt Berlin leidet nach dem Kriegsgewinn gegen Frankreich unter zwei Krankheiten: einem rücksichtslosen Bauboom, bei dem viele Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung vertrieben werden und einem gigantischen Spekulationsboom, dessen Blase jederzeit zu platzen droht. Zunehmend geraten immer mehr Banken und Bauvereine in Schieflage.

Die Figurenbildung noch verbesserungswürdig

Noch einige Anmerkungen zu der Figurenbildung, zum Krimiplot und zum ";historischen Teil" der Geschichte. Für einen Roman mit 250-300 Seiten ist ";Altweibersommer" sicher eine gute Wahl für all jene, die sich in erster Linie kurzweilig unterhalten wollen. Fontanes Wirken als Schriftsteller wird eher beiläufig erwähnt, ebenso wie dessen Privatleben. Die Ermittlungen dominieren die Geschichte ganz eindeutig und so ist kritisch anzumerken, dass die Figur in dieser Form beinahe beliebig austauschbar ist. Hier sollte in den folgenden Romanen unbedingt mehr Tiefe in den Charakter des Hauptprotagonisten gelegt werden. Die Ermittlungen hingegen sind ";authentisch" dargestellt in all ihrer mühevollen Kleinarbeit und dass letztendlich die Ermittler auf die Hilfe von Kommissar Zufall beziehungsweise der Zeugen angewiesen sind, geht im vorliegenden Fall in Ordnung. Immerhin wird es am Ende noch einmal kurzzeitig ";turbulent".

Das historische Rahmengebilde ist so, wie es bei einem derart geringen Buchumfang zu erwarten ist. Solide, wenngleich ein Autor wie Tom Wolf (im gleichen Verlag unter Vertrag) mit seinen ";Friedrich II" - Romanen hier die Messlatte (noch) eindeutig höher aufzulegen versteht. Das oben dargestellte Börsenszenario, die ersten Pferdestraßenbahnen und das ";Barackia" genannte Elendsviertel am Rande der Stadt bleiben nachhaltig in Erinnerung. Bemerkenswert im negativen Sinn ist allerdings, dass die Sprache aller Figuren ";hochdeutsch" ist. Hier hätte man sowohl der damaligen Zeit wie auch dem Berliner Millieu dann doch ein wenig Rechnung tragen müssen.

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Letzte Kommentare:
12.07.2010 22:05:08
anath

Natürlich war ich neugierig ! Fontane als Ermittler konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. In meiner Vorstellung spazierte ein eher betulicher Theodor durch die Mark Brandenburg und besichtigte altes Gemäuer, schrieb (ziemlich langweilige) Romane, also ganz große Literatur, und alles war preußisch-gemütlich.
Aber siehe da, Frank Goyke ist es gelungen, mir einen ganz anderen Fontane zu zeigen, einen politischen Journalisten, fest eingebunden in seine Zeit und keineswegs fern des aktuellen Tagesgeschehens. Wenn man die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" liest, dann muß man sich immer wieder neu bewußt machen, daß der Autor keineswegs in ländlicher Idylle lebte sondern im lauten, gründerzeitbewegten Berlin.
Gerade diese Verbundenheit Fontanes mit seiner Zeit macht aber den Pfiff dieses Krimis aus - schließlich spielt genau diese Gründerzeit eine wichtige Rolle darin.
Sehr realitätsnah auch Fontanes Bestreben, das ganze irgendwie an die Polizei abzugeben und somit in fähigere Hände als die seinen zu legen - eigentlich geht ihn der ganze Mist doch gar nichts an. Und er selbst kommt zu dem Ergebnis, daß es wohl weniger die Berufung zum Detektiv ist, als vielmehr eine als "Berufskrankheit" getarnte Neugier, die ihn immer weiter suchen und schnüffeln läßt. Sehr angenehm auch, daß da nicht der nächste Detektiv erschaffen wurde, der glaubt, alles besser zu können und zu wissen als die Polizei.
Wunderbar übrigens die Darstellung des minderwertigkeitskomplexbehafteten Menzel, ich habe teilweise schallend gelacht.
Ans Herz gewachsen ist mir auch Madame Fontane, die Ruferin in der Wüste, diese Festung bürgerlicher Moral, sie ist einfach eine ausgesprochen liebenswerte Nervensäge.
Was den Kriminalfall angeht, der ist nicht sonderlich kompliziert und -zumindest für geübte Krimileser - leicht zu durchschauen. Trotzdem ist das Buch lesenswert . Es fängt zwar sehr gemächlich an (obwohl der Mord schon auf der fünften Seite passiert ;-) ), gewinnt dann aber an Fahrt und punktet mit sehr markant dargestellten Protagonisten. Meine Empfehlung!