Troja

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • , 1997, Titel: 'Troja', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein entzauberter Mythos

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2006

Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, wie einst Paris, Sohn des Priamos, die schöne Helena, Gattin des Menelaos, entführte und nach Troja brachte. Dort wurde die Stadt durch die Griechen belagert und mit Hilfe der List des berühmten Holzpferdes schließlich erobert. Wer diese Geschichte in Gisbert Haefs Roman "Troja" erwartet, könnte schwer enttäuscht werden.

Nicht griechische Helden, die wir aus Schulzeiten kennen, sind hier die Hauptpersonen, sondern ein assyrischer Händler namens Awil-Ninurta, der im Mittelmeerraum seine Händel betreibt. Mehr oder weniger durch Zufall und durch Kungelei mit den anderen Geschäftsmännern gerät er überhaupt nach Troja, wo die berühmte Schlacht nur eine Nebenrolle spielt.

Verwirrende Sprache

Von der ersten Seite an schafft es Haefs, im Leser ein unbefriedigtes Gefühl zu wecken, dass er nicht weiß, worum es in diesem Buch überhaupt geht. Haefs' Formulierungen winden sich um sich selbst und oft fragt man sich schon nach der Hälfte des Satzes, wie der Satz überhaupt angefangen hat. Leider ändert sich dieser Stil über die knapp 500 Seiten nicht, so dass man schnell die Lust verlieren kann, sich dieser Sprache überhaupt bis zum Ende auszusetzen.

Haefs stellt sich auf die Seite eines jeden Volkes und bezeichnet so die Orte auch in den verschiedenen Sprachen. Das zeugt von großem Wissen, das dem Leser auch einen gewissen Respekt vor dem Autor abfordert. Dennoch ist es verwirrend, wenn Troja, je nach Sprache, zu Wilusa, Ilios oder Ilion wird und dies unvorbereitet erwähnt wird und das auch immer wieder. Jeder Ort, jeder Landstrich, jeder Name hat mehrere Bezeichnungen und alle werden immer wieder aufgelistet. Das stiftet beim Leser mehr Verwirrung als alles andere. Gerade in den ersten 150 Seiten des Buches treibt Haefs es auf die Spitze und kommt so auch in der eigentlichen Handlung nicht wirklich voran.

Innerhalb dieses Sprachgewirrs eine Handlung zu erkennen, ist sowieso nicht ganz einfach. Haefs verschachtelt drei Erzählebenen ineinander, zum Einen die Hauptebene um Awil-Ninurta, der sich mit alten und neuen bekannten Händlern und seiner Lebensgefährtin Tashmetu auf die Reise macht. Zum Anderen erzählen Odysseus, der Fürst von Ithaka und Korinnos, ein Chronist, die Geschichte aus anderen Perspektiven. Was nicht bedeutet, dass damit das Geschehen für den Leser erhellt würde, im Gegenteil: Der Stil bleibt gleich verwirrend, es kommen nur neue Perspektiven hinzu, die den Lesefluss hemmen und das Ganze noch unübersichtlicher machen.

So beginnt Odysseus´ siebtes Kapitel mit den Worten:

 

"Denkt euch, ihr Milden, im Hades den Tartaros, dunkelster Abgrund, wo ich als schorfiger Wolf - als Eisenwolf, Rostgrind wie Räude -, schartiger Schatten des Löwen, der ich vor zehntausend Jahren angeblich war, die Rudel der Wölfe aus Schatten und Schande antrieb zum Kampf, zum Männerfraß, zum Frauenzerfetzen. Dort, so haben, wenn es sie gibt, die Götter beschlossen, werden mich Schatten von Schatten, mit Augen wie nächtliche Messer, auf ein Feuerrad binden, mit seinen Speichen verflechten und die brechenden Knochen, wo sie das Fleisch zerreißen, baden in flüssigem Gold und die Glieder mit Nattern umwinden..."

 

Schwer zu erahnende Handlung

Wortgewaltig ist es, das gesamte Buch, und es weiß den Leser mehr zu verwirren als zu unterhalten. Die Charaktere, von denen es eine Vielzahl gibt, bleiben blass, weil wenig umschrieben. Ungewohnte und immer wieder ähnliche Namen helfen auch nicht bei der Identifizierung. Die sehr fantasievollen Satzverschachtelungen sind beeindruckend, man fragt sich eher, ob der Autor den Satz grammatikalisch korrekt zu Ende bringt, als worum es inhaltlich überhaupt geht.

Die Schlacht um Troja und die politischen Unruhen, die sie letztlich ausgelöst haben, spielen im gesamten Roman eine so untergeordnete Rolle, dass nicht festgestellt werden kann, warum das Buch überhaupt diesen Titel trägt. Immer wieder kommen lediglich Gerüchte zu Ninurta, weder bestätigt noch unbestätigt und das Wissen aus dem Schulunterricht wird nur in Ansätzen wiedererkannt. Die bekannten Personen treten größtenteils noch nicht einmal selber auf und auch die Sache mit dem Pferd ist nicht so leicht wiederzuentdecken.

Nur gegen Ende, wenn der Krieg vorüber ist und mit Madduwattas einer der Drahtzieher des Krieges gestellt wird, da wird die Sprache etwas klarer und eine Art durchformulierte Handlung erkennbar. Zu spät, wenn man es überhaupt als Leser bis dahin schafft. Zwar zeichnet Haefs dem Leser ein interessantes Bild der Zeit, wenn man es denn aus seinen Formulierungen herausfiltern kann, allerdings hilft es einem nicht im Verständnis um den Krieg und die Handlung drum herum. Schade. Hier wurde ein interessantes Thema letztlich verfehlt. Zwar gibt es ausführliche Anhänge, aber letztlich helfen die dem Leser auch nicht weiter. Wer sich wirklich für Troja, den Krieg und die Zeit interessiert, sollte zu einem anderen Buch greifen.

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Letzte Kommentare:
19.03.2019 13:40:53
Arnulf Haubold

Ich kann es nicht fassen, wie man eine solche Kritik zu diesem grandiosen Buch abgeben kann, wie es Herr Jaehner hier tut.

14.05.2016 15:57:37
M.Reinsch

Was man Giesbert Haefs zu Gute halten muss ist, dass seine Historie sehr lebendig daher kommt und man (sobald man „einfach nur liest“) tief in die vorgestellte Welt eintauchen kann. Die Homer`sche Illias wird hier aus 4 verschiedenen Sichtweisen beschrieben und zugleich aus 3 Zeitebenen. So kommen nicht nur die eigentlichen Protagonisten (2 verschiedene Händler, um 500 vor Christi), sondern auch Odysseus und ein erfundener Schreiber/Gelehrter zu Wort. Um die Sache noch etwas zu verkomplizieren gibt es zeitlich versetzte Erinnerungen und natürlich müssen auch noch die Abenteuer der Freunde des Protagonisten weiter gesponnen werden. Die Informationsflut erschlägt den unkundigen Leser auf jeden Fall noch zusätzlich, denn Haefs breitet alle wichtigen Namen (egal ob Person, Ort oder Land) in den verschiedenen, gebräuchlichen Sprachen aus (manchmal verwirren sich selbst die Protagonisten in der Vielzahl). Der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut recherchiert und die Thesen die Haefs aufstellt, kommen der wahren Geschichte um den Trojanischen Krieg sicherlich um einiges näher, als bei Homer, aber durch die Vielzahl an Eindrücken, Handlungssträngen und Querverweisen hatte ich einige Probleme, dem eigentlichen Verlauf zu folgen. Sehr hilfreich ist das angelegte Personenregister, das Glossar und eine beiliegende Karte, verursacht aber ein häufiges Hin- und Herblättern, was wiederum den ungestörten Lesefluss beeinträchtigt. Für mich persönlich kommt auch der Schreibstil von Giesbert Haefs hinzu, mit dem ich mich nicht anfreunden konnte.
Fazit: Geschichtlich interessant, leider kein Schreibstil für mich und mit Personen, Orten und Gegebenheiten in zu vielen Sprachen überladen.
45°

22.03.2016 17:02:58
Wolli

Ein Buch, das sicherlich am Anfang etwas Mühe braucht: Aber es lohnt sich! Gerade die (von Carsten Jaehner kritisierten) verwendeten mehrsprachlichen Bezeichnungen von Orten und Ländern versetzen den Leser in die gleiche Situation wie antike Händler: Auch diese mussten mit dieser Vielsprachigkeit klar kommen! ;-) Die Geschichte vom Trojanischen Krieg wurde IMHO nicht verfremdet, sondern eher realistisch dargestellt! Odysseus würde lieber seinen Schinken aus Ithaka exportieren und auch selber genießen, als nun zwangs-rekrutiert Krieg führen zu müssen!
Ein tolles, spannendes Werk. Auch durch die handelnden Personen, die man Schritt für Schritt näher kennenlernt!

18.07.2014 23:49:13
Tom Herold

Wer Gisbert Haefs wunderbaren und herrlich ironischen Umgang mit der deutschen Sprache nicht zu würdigen weiß, ist zutiefst zu bedauern.
"Matzbach in Troja" .... äääähhh ... ich meine, "Troja" ist ein Meisterwerk.
Schon allein die Figur der schwer gestörten Lamashtu verleiht der Geschichte eine unglaubliche Spannung. Und Madduwattas ... nun, es scheint nicht ganz abwegig, daß er tatsächlich jenes Monter gewesen sein könnte, als das er geschildert wird.
Lesegenuß vom Allerfeinsten, Spannung garantiert ...!
Kaufen!

22.12.2012 13:24:05
Marcel Schwarzenberger

Die altbekannte Geschichte wird gegen den Strich gebürstet - und das auf die beste Weise, wie ich sie je gelesen habe! Haefs "Troja" ist mit Abstand die spannendste Irrfahrt durch die Zeit des trojanischen Kriegs, die zu haben ist, wie ich finde. Gerade die Sprachen; die verwendeten Figuren und Wendungen, all diese "Unübersichtlichkeit" (die aber stets gut begründet ist und viele Thesen sowie Fakten in Nebensträngen ermöglicht) gefällt mir so an diesem Roman.
Haefs nutzt Thesen und beschreibt sie. Der Roman funktioniert, ob man nun der Troja-Atlantis-These folgen mag oder nicht. Darüber grob Bescheid zu wissen, hilft bei der Einsortierung der Rahmenhandlung mit Solon. Ansonsten kann man sich einfach treiben lassen. Es ist ein Roman für Anspruchsvolle.

20.04.2011 11:10:02
Brigitte Vigano

Vorab: der geneigte Leser wird sich wundern über so viel Bekanntes so verfremdet zu lesen. Zuerst empfand ich eine Enttäuschung nicht die "gewohnte" Geschichte vorzufinden, dann aber machte es Sinn, sich den Kaufmann Ninurta als Berichterstatter in einem antiken Weltkrieg und Umbruch vorzustellen. Die anderen Erzähler haben eine andere Sichtweise auf die Ereignisse und daher mag die Irritation kommen, von verdrillten Erzählsträngen zu erfahren. Insgesamt ein wunderbares Buch.

16.01.2010 10:09:14
Sebastian Kautz

Haefs "Troja" ist alles andere als "leichte Kost", doch alle die, die sich beim Lesen nicht nur an reiner Action und Spannung delektieren, sondern sich nicht scheuen, so manchen Satz zweimal zu lesen, um alle hintergründigen Anspielungen zu verstehen, werden an diesem Werk ihre reine Freude haben. Das hier ist große Literatur in einem Genre, wo man sie leider nicht allzu häufig findet.
Natürlich ist es erst einmal ungewöhnlich, den Trojanischen Krieg als eine Darstellung der Lebensgeschichte eines assyrischen Händlers zu lesen. Aber warum hätte Haefs auch einfach nur Homers Ilias in neue Worte kleiden sollen? Das wäre unnötig. Oft genug ist Homer bereits übersetzt worden, und oft genug gab es Texte, die diese Übersetzungen noch einmal in die Sprache der Kinder- und Jugendliteratur übertrugen.
Bei Haefs hingegen erleben wir eine neue Sichtweise, und zwar eine, die die historischen Hintergründe beleuchtet, um die es tatsächlich in jenem Krieg gegangen sein mag, der eigentlich als ein "Weltkrieg" verstanden sein muss. Wir lesen über den Zerfall alter Reiche, über das Entstehen neuer, gegründet durch Krieg. Man muss weder Literaturwissenschaftler noch Philosoph sein, um die Bezüge zur jüngeren Geschichte zu erkennen.
Der Vorwurf, der Trojanische Krieg spiele nur ein Randgeschehen, und das Buch verfehle das Thema, ist also nicht haltbar. Vielmehr zeichnet Haefs Szenario ein umfassenderes Bild des Konfliktes, als es mir bisher irgendwo anders untergekommen ist. Dass ganz nebenbei auch gleich noch die Odyssee entzaubert wird, macht das Werk in meinen Augen nur noch vollkommener. Ich habe von Haefs außerdem bisher "Caesar" und "Hannibal" gelesen, von denen ich auch begeistert war. Trotzdem gewinnt "Troja" den Vergleich, eben wegen seiner sprachlichen Genialität und des meiner Meinung nach komplett gelungenen Versuches, sich dem Thema aus anderer Sicht zu nähern.

08.03.2008 20:36:17
marmat

Das Buch ist ein typischer, historischer Haefs-Roman. Tiefgehende Recherchen, eine weltliche, unverklärte Sichtweise auf die Handlungen und die bekannte antike Geschichte, der Detailreichtum, die geschickt konstruierte Handlung wie man sie schon bei Hannibal erblickte und wie sie auch bei Alexander oder Caesar wieder zum Vorschein kam. Darin liegt die Stärke von Haefs, darin liegt aber auch zugleich die Schwäche. Letztlich ist auch Troja wieder derselbe historische Roman aus Sicht eines weitgereisten freien Mannes mit dem Weltwissen der Moderne, irgendwie immer derselbe Typus und irgendwie immer ein bisschen wie man sich Haefs oder wenigstens Matzbach selbst gern vorstellen will, und auch ein bekennender Haefs-Fan muss gestehen: kennt man wenigstens drei der historischen Romane, so kennt man prinzipiell alle. Für den Neueinsteiger: kaufen, für den Fan sowieso, nur der erlebt weniger die Überraschung als vielmehr die äußert solide handwerkliche Kunst, welche sich angenehm aus der Masse der verlegten historischen Romane heraushebt.