Die Rose von England

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2006, Titel: 'A Rose for the Crown', Originalausgabe

Couch-Wertung:

76
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Volker Faßnacht
Der Liebesromans steht klar im Vordergrund

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Mai 2008

Kurzgefasst:

Eine der umstrittensten Figuren der Geschichte, König Richard III., geschildert aus der Sicht einer Frau, die ihn kannte wie niemand anderes - die der Geschichtsschreibung jedoch kaum eine Zeile wert war.

England zur Zeit der Rosenkriege. Katherine Haute, ein ehrenwertes, aber bürgerliches Mädchen, findet in Richard, Herzog von Gloucester, endlich ihre große Liebe. Doch dann wird er zum König von England gekrönt. Ihre innige Verbindung steht vor dem Aus. Und doch schwören sie sich Treue - mit fatalen Folgen ...

 

Die Rose von England ist der Debütroman der Autorin Anne Easter Smith, bei dem die Leserschaft in die Zeit der Rosenkriege entführt wird. Ungewöhnlich daran ist, dass sich die Autorin der York'schen Seite in ihrer Erzählung annimmt. Richard III., der letzte Herrscher des Hauses derer von York, wird in der Geschichtsschreibung oftmals als Monster dargestellt, insbesondere auch von William Shakespeare, der eine deutliche Parteinahme zugunsten des Lancaster-Zweiges des Hauses Plantagenets in seinem Bühnenwerk Richard III. darstellen lässt. Im vorliegenden Werk jedoch wird vielmehr die unbekannte Seite dieses Mannes - nämlich die Existenz seiner Bastarde und der weitestgehend unbekannten Mätresse und Mutter dieser Kinder - betrachtet. Wohlgemerkt, der nahezu sichergestellten Existenz dieser Kinder, obwohl Richard III. nicht nachgesagt werden kann, jemals ein untreuer Ehemann gewesen zu sein.

Die Rosenkriege - ein kleiner laienhafter Überblick

Beide Parteien - York und Lancaster - konnten ihre Familie auf Edward III. Plantagenet begründen. Die Rosenkriege waren also ein 30 Jahre dauernder Vettern-Zwist um die englische Krone. Die Ursachen für den Konflikt waren jedoch auch die strukturellen Schwächen und Misserfolge des regierenden Hauses Lancaster im "Hundertjährigen Krieg" in Frankreich und die schwache Führung des Lancaster-Königs Heinrich VI., dem man zuletzt Geistesschwäche vorwerfen konnte. Eine schwache Führung - und das vermag die Geschichte des Mittelalters durchaus zu zeigen - ermöglichte einem starken Herrscher, sich entgegen der eigentlichen Thronfolge zum König krönen zu können, was dessen Nachfahren aber oftmals das Problem einbrachte, dass sie sich wiederum mit der nachfolgenden Generation des nach der offiziellen Thronfolge rechtmäßigen Königs um die Krone zu streiten hatte.

Kurzum: Nach dem Hause Lancaster folgte das Haus York, das dann wiederum von den Tudors abgelöst wurde. Die Tudors unter der Führung von Heinrich Tudor, ein Nachkomme der Lancasters, festigten ihren Thronanspruch durch die Vernunft-Hochzeit mit Elisabeth aus dem Hause York. Lancaster und York waren wieder vereint.

Die Rosenkriege - ein großes und schwieriges Thema für ein Erstlingswerk

Anne Easter Smith's Roman umfasst unglaubliche 840 Seiten. Bei den vielen Richards, Edwards und Heinrichs und deren Namensänderungen, wenn sie in der Hierarchie wieder eine Stufe nach oben geklettert sind, gibt es einige Male Verwechslungen im vorliegenden Roman - ob von der Autorin selbst oder durch die Übersetzung ins Deutsche verursacht, sei einmal dahingestellt. Das ist jedoch kaum verwunderlich. Den Lesern wird es fast während des gesamten Buches auch so gehen, zumal die Protagonisten immer wieder die Seiten wechseln, was zusätzliche Verwirrung stiftet.

Die Frage sei natürlich erlaubt, ob man der York-Seite mit der Darstellung, wie in diesem Roman beschrieben, gerecht wird. Zu gut und freundlich sind die York-Menschen. Ein Umstand, den man so nach der zugegebenermaßen sicherlich auch yorkfeindlichen Sichtweise der Tudor-Sieger und von deren Seite beeinflussten Geschichtsschreibung auch nicht unbedingt für bare Münze nehmen muss. Man muss wissen, dass die Autorin der Gesellschaft Richard III. angehört, die dafür arbeitet, das Image der Yorks posthum zu verbessern. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich einmal mehr irgendwo in der Mitte.

Manch Kenner der offiziellen Geschichtsschreibung und Anhänger der lancastrianischen Seite wird sich trotzdem mit dem Roman Die Rose von England recht schwer tun. Zu offensichtlich fremd, ungewohnt und subjektiv falsch wird diesen Lesern der Roman erscheinen.

Die Rosenkriege - Anne Easter Smith besteht die Gratwanderung

Anne Easter Smith begeht jedoch nicht den Fehler, allzu wertend, parteiergreifend oder politisch zu schreiben. Ihr Roman setzt andere Schwerpunkte: Er beschreibt hauptsächlich das Leben eines einfachen Mädchens, das durch verwandtschaftliche Verbindungen vom Bauernmädchen zu einer Bürgerlichen wird. Er beschreibt die Qualen der Zwangsverheiratung, weil es die Familie so will, und einer großen Liebe zwischen ihr und dem späteren König Richard III. und dem Zurückgesetzt werden, weil man halt einfach nicht "standesgemäß" ist. Besonders erfrischend ist dabei der Blickwinkel, wenn die Leser über die Schulter der Bürgerlichen schauen dürfen, statt einmal mehr "nur" eine Geschichte am Hofe des Königs serviert zu bekommen..

Die dabei von der Autorin geschaffene Atmosphäre spiegelt gekonnt wider, wie es damals wohl gewesen sein könnte, auch wenn sie manche Stellen vielleicht einen Tick zu lange hat werden lassen und auch die Sprache ein ums andere Mal dann doch etwas zu neuzeitlich ausgefallen ist.

Trotzdem, ein gelungener Roman, der eindeutig seine Leserschaft eher im Bereich des historischen Liebesromans als in historisch belegter Faktenbeschreibung sucht und ganz sicher auch finden wird. Anne Easter Smith's Erstling hat viel Potential. Man kann gespannt auf viele weitere Romane aus ihrer Feder hoffen.

 

Die Rose von England

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