Die Sopranistin der Königin

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2006, Titel: 'The Queen's Soprano', Originalausgabe

Couch-Wertung:

83

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:88
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Carsten Jaehner
Papst gegen Königin und Mutter<br> gegen Tochter

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2008

Kurzgefasst:

Die 17-jährige Angelica Voglia bewegt mit ihrer Stimme und Schönheit ganz Rom. Doch während Papst Innozenz XI. in ihrer Stimme den Atem des Teufels zu erkennen glaubt und Frauen das Singen in der Öffentlichkeit verbietet, versucht Angelicas Mutter mit allen Mitteln, die Gabe ihrer Tochter dafür einzusetzen, sie an einen Adligen zu verschachern. Angelicas einzige Hoffnung, einer erzwungenen Ehe und päpstlichen Repressionen zu entgehen, ist der Hof der schwedischen Königin Kristina in Rom, denn dort herrschen andere Gesetze als im Rest der Stadt. Angelica wird zur persönlichen Sopranistin der Königin und verliebt sich in den französischen Bildhauer Theodon - doch was sie hinter sich gelassen hat, holt sie bald wieder ein. Die Königin erkrankt, und der Papst kann seine Macht immer mehr durch die schützenden Mauern des Palastes hindurch ausweiten, und auch Angelicas Mutter lässt nicht von ihrem Plan ab, Angelica zu verkaufen. Wieder bleibt Angelica am Ende nur die Flucht.

 

Dass eine schöne Stimme nicht immer nur Ruhm und Ehre bringt, sondern auch Nährboden für ungeahnte Neider und andere Schwierigkeiten ist, davon weiß Carol Dines' Jugendroman "Die Sopranistin der Königin" zu berichten.

Im Rom um 1670 ist es Frauen verboten, öffentlich zu singen. Die 17jährige Angelica Voglia hat aber eine sehr schöne Stimme und so steht sie abends am Fenster und singt. Natürlich finden sich immer viele Verehrer vor dem Haus ihrer Eltern ein, die Angelicas Gesang lauschen und so versucht Angelicas Mutter, daraus Kapital zu schlagen und auf diese Weise einen lukrativen Fang für ihre Tochter zu machen. Angelica jedoch hat sich in den jungen Maler Theodon verguckt, der so gar nicht in das Beuteschema ihrer Mutter passt.

Angelica findet schnell Freundschaft zu Lucia, dem neuen Mädchen im Haus, das scheinbar nicht nur Qualitäten in der Hausarbeit hat, sondern auch gute Kontakte nach außen pflegt. Diese wiederum verliebt sich in Angelicas älteren Bruder und auch diese Verbindung stößt nicht auf die Gegenliebe ihrer Mutter. Als es zu einem Skandal um den Gesang des Mädchens kommt, in den auch ein Kardinal des Papstes Innozenz XI. verwickelt ist und Angelica zudem vor ihrer Mutter fliehen will, bietet sich für sie die Gelegenheit, an den Hof der schwedischen Königin Christine zu fliehen, die in Rom einen eigenen freien Bezirk hat. Schon bald hat sie sich ins Herz der Königin gesungen, doch macht es ihre Liebe zu Theodon auch nicht einfacher.

Derweil spitzen sich die Probleme zu. Angelicas Mutter intrigiert weiter gegen sie, ihre Familie hat keinen Kontakt zu ihr, Theodon muss ins Ausland und die protestantische Königin Christine pflegt weiter ihren Konflikt mit dem Papst. Als Christine krank wird, scheint es für Angelica nicht mehr viele Möglichkeiten für ein erträgliches Leben zu geben.

Ein junges Leben gerät aus den Fugen

Carol Dines' historischer Jugendroman "Die Sopranistin der Königin" hat alles, was ein spannender Roman braucht: Eine Liebesgeschichte, deren Ausgang hier nicht verraten werden soll, eine böse Mutter und einen ihr gegenüber machtlosen Vater, zwei gekrönte Häupter, die ihren Konflikt auf allen Ebenen in ein und derselben Stadt, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, ausleben, dazu Verbündete in allen Gesellschaftsschichten und natürlich eine wunderbare und betörende Stimme einer Protagonistin, die im Laufe der Geschichte ihre Naivität ablegt und lernt, dass das Leben außerhalb der heimischen vier Wände komplizierter ist als geahnt.

Geschickt verbreitert die Autorin ihre Erzählung vom Kleinen ins Große, beginnt mit der Wohnung der Voglias und die Nachricht, dass Angelica bisher ihr Haus nur für den sonntäglichen Kirchgang verlassen hat und sonst nichts von Rom gesehen hat, überrascht daher auch nicht. Nach und nach entwickelt sich die Geschichte zu einer Spirale, die sich immer schneller dreht. Verständlicherweise macht sich Angelica auch in ihrem Exil immer wieder Gedanken um ihre Familie, muss aber erkennen, dass es nicht so einfach ist. In kürzester Zeit erlebt die vorher so wohlbehütete junge Frau, wie ihr Leben durch äußere Einflüsse komplett umgekrempelt wird. Zwar schlägt sie sich tapfer, doch ist das alles in so kurzer Zeit ein bisschen viel. Hier hätte man ein paar Katastrophen weniger einarbeiten können.

Ein gelungener Jugendroman

Sprachlich pflegt die Autorin einen klaren und unschnörkeligen Stil, der für Jugendliche ab zwölf Jahren sehr gut verständlich ist und so auch Erwachsenen keine Schwierigkeiten bereiten dürfte. Gelegentlich werden italienische Begriffe eingestreut, die aber sofort übersetzt werden, so dass man so sogar noch sein italienisches Vokabular bereichern kann. Wer nur erklärt den Jugendlichen, was ein Kastrat ist?

Gerne hätte man auch mehr über Angelicas andere Geschwister und Theodon erfahren, vor allem aber auch über ihren Vater, der es mit einer solchen Ehefrau auch nicht einfach hat. Die grundsätzliche Erzählperspektive aus Angelicas Sicht mag das nicht erlaubt haben, dennoch wäre die Erzählung sicherlich noch bunter geworden.

Das Nachwort am Ende des Buches klärt den Leser auf, dass die Geschichte um Angelica zwar erfunden ist, jedoch wohl auf wahren Begebenheiten beruht und hier mehrere tatsächliche Geschichten zu einer gesamten zusammengefasst wurden. Das ist ein guter Hinweis, denn sonst käme einem das Ganze zum Teil doch recht unwahrscheinlich vor. Ein kleines Glossar am Ende hätte das Buch sicherlich abgerundet und somit den gelungenen Roman sicherlich noch um einen zusätzlichen Lerneffekt ergänzt.

So aber bleibt ein Buch, das bereits durch sein musikalisches Cover anspricht und sicherlich den Nerv seiner Zielgruppe trifft. Die großgedruckte Schrift tut ihr Übriges und es bleibt zu hoffen, dass sich viele jugendliche Leser (wohl leider meist weiblich, aber auch Jungens dürfen hier zugreifen!) diesen Roman als Anlass nehmen, bald wieder zu einem historischen Roman zu greifen.

Die Sopranistin der Königin

Die Sopranistin der Königin

Deine Meinung zu »Die Sopranistin der Königin«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
22.01.2009 14:45:02
Tine F.

Ich finde das Buch sehr gut und vor allem sehr eindrucksvoll geschrieben. Man kann beim Lesen mit der Heldin mitfiebern. sich mit ihr freuen oder mit ihr trauern. Das Zeitbild wird sehr gut dargestellt und man bekommt beim Lesen ein Hintergrundwissen, dass man sicher auch in der Schule einsetzen kann.
Vor allem ist ein Buch, dass völlig ohne Fantasy auskommt und trotzdem mitreisend und spannend ist. Alles könnte sich so abgespielt haben. Es gibt Leute, die glauben, dass ein Buch, indem nicht mindestens ein Drache und tausende von Elfen mitmischen, langweilig und wertlos ist. "Die Sopranistin der Königin" ist der Gegenbeweis.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren