Die letzte Hexe - Maria Anna Schwegelin

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2008, Titel: 'Die letzte Hexe - Maria Anna Schwegelin', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Vom letzten Hexenprozess

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2008

Kurzgefasst:

Die Lebensgeschichte der Maria Anna Schwegelin - Deutschlands letzte Hexe.

Kempten, im April 1775. Fürstabt Honorius von Schreckenstein, der ganz im Zeichen der neuen Zeit eine aufgeklärte Kirche zu forcieren versucht, steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens: Das Volk will die Landstreicherin Maria Anna Schwegelin auf dem Scheiterhaufen brennen sehen. Nach ihrem Geständnis, mit dem Teufel Unzucht getrieben zu haben, scheint ein Hexenprozess und damit ihr Todesurteil unabwendbar.

 

Dass Hinrichtungen von Hexen bis ins späte 18. Jahrhundert stattgefunden haben, ist umso erstaunlicher, da man doch eigentlich längst aufgeklärt war. Aber der Aberglaube hält sich im Volk doch länger als man denkt. Von der letzten Hexe berichtet Uwe Gardeins gleichnamiger Roman.

Wie eine Unschuldige zur Hexe wird

Schon am Tag ihrer Geburt begann für Maria Anna Schwegelin ein nicht beneidenswertes Leben. Direkt nach der Niederkunft wird ihre Mutter an einen Bauernhof geholt, wo ein kleiner neugeborener Junge, der total abgemagert ist, von Maria Annas Mutter gestillt werden soll. So von allgemeiner Nichtachtung gestraft, wächst sie auf und wird in frühen Mädchentagen als Magd an einen anderen Hof verkauft.

Dort arbeitet sie zusammen mit einer anderen Magd namens Marianne, mit der sie sich anfreundet. Als die Tochter des Bauern ein Kind erwartet, sind Schritte vonnöten, die Maria Anna erste Kontakte in eine andere Lebens- und Gedankenwelt aufzeigen.

Währenddessen hat Fürstabt Honorius von Schreckenstein mit Sitz im allgäuischen Kempten ganz andere Probleme. Die Lutheraner machen sich unter den Katholiken immer mehr breit und das Volk beginnt selber Bibeltexte auf Deutsch lesen zu wollen. Zwar ist der Fürstabt ein für seine Verhältnisse fortschrittlicher Geistlicher, doch kann auch er seine Ideen nicht immer gegen die konservativen Glaubensbrüder durchsetzen. Gerade was Aberglauben angeht, in Bezug auf Hexerei und übersinnliche, unnatürliche Dinge, ist das Volk immer noch unberechenbar und scheint im Mittelalter stehen geblieben zu sein.

So wird ihm eines Tages die Aufgabe zuteil, über Maria Anna Schwegelin zu richten, die eine Hexe sein soll. Das Volk fordert ihren Tod, aber im Laufe der Untersuchung gelingt es den fortschrittlichen Geistlichen und Richtern, alle Argumente des Volks anzuzweifeln. Der Vatikan hat Hinrichtungen längst verboten, aber das Volk ist nicht so leicht von seinen Ansichten abzubringen.

Wie man nicht viel in Worte fasst

Uwe Gardein zeichnet in seinem Roman über die letzte Hexe das Leben einer jungen Frau nach, das nicht unglücklicher hätte verlaufen können. Maria Anna passiert es immer, dass sie irgendwie mit in Ereignisse herein gerät, für die sie nichts kann und irgendwie muss sie auch immer die Konsequenzen dafür tragen. Gardein beschreibt ihr Leben so, dass man selbst gar nicht verstehen kann, wie sie denn da nur hineingeraten konnte. Auf 326 Seiten beschreibt er sehr eindrucksvoll, wie ihr Leben verlaufen ist und wie es allzu früh endete.

Was Gardein sehr geschickt macht, ist, dass er nicht nur das Leben der Maria Anna nacherzählt, denn so viel aufregende Sachen sind da eigentlich nicht passiert. Er verfolgt auch das Leben der Herren, die später über sie richten werden und so wird Gardeins Roman zu einer Art Kammerspiel.

Wie man den Leser "langatmig fesselt"...

Dabei wird das Buch nie langweilig. Gardein versteht es, den Leser an sein Buch zu fesseln, obwohl er phasenweise gar nicht das Leben der Maria Anna erzählt. Hier wird die Zeit und die Art zu Denken beschrieben und das versetzt den Leser doch immer wieder in Erstaunen, denn man hätte eigentlich gedacht, dass das Volk zur Mitte des 18. Jahrhunderts geistig schon weiter fortgeschritten gewesen wäre. Zu Beginn des Buches hat man das Gefühl, die Geschichte spiele 200 Jahre eher. Es ist sehr geschickt vom Autor, es lange nicht zu verraten, dass man eigentlich schon weiter fortgeschritten ist.

Auch wenn Maria Anna teilweise als tumbes Mädchen dargestellt wird, so haben die Nebenfiguren ihres Lebens doch mehr Ecken und Kanten. Ohne viel verraten zu wollen, geben die zwielichtigen Figuren doch wieder mehr an Charakter her, als die gesetzestreuen. Die Gruppe um den Fürstabt kommt erst allmählich in Fahrt. Auch wenn diese langsame Erzählweise ein sehr genaues Bild der Zeit liefert, hätte man doch einige überflüssige Sachen weglassen können und so die gesamte Geschichte schneller vorantreiben können.

Dass die Geschichte insgesamt auf gerade mal acht Kapitel unterteilt ist und erst gegen Ende auch Absätze in der Erzählung gemacht werden, zeigt, dass der Autor viel zu erzählen hat, jedoch immer auf der Kante steht, sich in Unwichtigkeiten zu verrennen. Dass dies gerade so eben nicht passiert, ist der interessanten und sogar packenden Verhandlung am Ende zu verdanken. Hier überzeugt Gardein auch sprachlich und weiß den Leser voll in die Gedanken der Herren und vor allem auch denen des Volkes hineinzuversetzen.

Wie man Mittelalter und Aufklärung miteinander vermischt

Gardein beweist mit seinem Buch, dass sich mittelalterliches Denken nicht unbedingt nur im Mittelalter abspielen muss. Hiermit schließt er eine zeitliche Lücke, die zeigt, dass das Mittelalter bei manchen doch länger dauerte, als es in den Geschichtsbüchern geschrieben steht. Allerdings vermisst man am Ende des Buches einen Lebenslauf der realen Person Maria Anna Schwegelin, anhand dessen man den ganzen Prozess noch einmal hätte nachvollziehen können. Zu einem Roman über eine Person, die tatsächlich gelebt hat, sollte das inzwischen einfach dazu gehören.

"Die letzte Hexe" ist ein Roman, der spannend beginnt, in der Mitte einige Längen hat und erst gegen Ende wieder richtig spannend wird. Wer diese Schwäche in der Mitte durchhält, liest einen interessanten Roman, über dessen letztendliche Richterentscheidung und deren Konsequenzen man noch einmal länger nachdenken kann.

Die letzte Hexe - Maria Anna Schwegelin

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