Das Amulett des Dschingis Khan

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2008, Titel: 'Das Amulett des Dschingis Khan', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Kirsten Lambeck
Überfall der Höllenreiter

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Apr 2008

Kurzgefasst:

Wegen einer schlangenähnlichen Hautveränderung am Arm wird der polnische Junge Krystian in Krakau als "Schlangenmensch" ausgestellt. Als Mongolen die Stadt angreifen, wird Krystian beinahe von einem Krieger entführt. Ein Mönch rettet den Jungen und nimmt sich seiner an. Von dem Angriff hat Krystian ein Amulett zurückbehalten, das er dem Krieger entrissen hat. Es zeigt ein schlangenartiges Wesen. Gibt es noch mehr Menschen wie Krystian? Vielleicht bei den Mongolen? Als der Mönch Wilhelm zu einer Missionsreise in die Mongolei aufbricht, sieht Krystian seine Chance: Er ist entschlossen, das Rätsel der Schlangenmenschen und seiner eigenen Herkunft zu lösen. Eine Reise voller Gefahren beginnt...

 

Nina Blazons historischer Jugendroman beginnt dramatisch: der erst sechsjährige Krystian, gerade aus den Käfigen einer Menagerie entflohen, wo er wegen einer Schlangenzeichnung seiner Haut ausgestellt war, wird im Jahre 1241 Zeuge eines Mongolenüberfalls auf seine Heimatstadt Krakau. Im Chaos des tobenden Angriffs wird der Junge auf das Pferd eines Mongolen gezogen und vor dem Feuertod gerettet. Den Sturz des Pferdes überlebt Krystian schwerverletzt und wird von italienischen Franziskanern gesund gepflegt. Zurück bleibt ein deutliches Hinken und ein Amulett des Reiters, das einen Schlangenmenschen zeigt.

Flucht nach Konstantinopel

Mit den wandernden Mönchen gelangt der Junge nach Italien und wächst mit der Gewissheit auf, selbst Novize zu werden. Er selbst, als Kleinkind als Schlangenmensch ausgestellt und auch in Italien stets als "Serpente" - Schlange - verspottet, verspürt eine besondere Anziehungskraft des mongolischen Amuletts und trägt es stets bei sich. In einem italienischen Bergdorf kommt es zur Katastrophe: ein Kind wurde von einer Schlange gebissen, und der Mob beschuldigt Krystian, die Schlange verhext zu haben. Hastig flieht der Junge, doch er wendet sich nicht an das Kloster, in das er als Novize eintreten soll, sondern schlägt sich nach Konstantinopel durch.

Dort, so hat er von seinem Ziehvater Bruder Matteo erfahren, soll eine Missionsreise im Auftrag von Ludwig dem Heiligen starten - zu den Mongolen. Geschickt gelingt es ihm, den Führer der Expedition, Wilhelm von Rubruk, davon zu überzeugen, ihn mitzunehmen. Eine gefahrvolle Reise voller seltsamer Begegnungen beginnt. Krystian, der entschlossen ist, das Geheimnis des Amuletts und der mongolischen Schlangenmenschen zu lösen, begegnet den mongolischen Nomaden mit viel Neugier und Respekt. Besonders fasziniert ihn die für ihn scheinbar unerreichbare Alan, die auf ihre Weise eine Außenseiterin in der mongolischen Gesellschaft ist.
Krystian trennt sich von seiner Reisegesellschaft und macht sich auf einen langen Weg, der ihn am Ende bis nach Karakorum, der mongolischen Hauptstadt im fernen Osten Asiens führt.

Fesselnd für Jugendliche und Erwachsene

Nina Blazons Das Amulett des Dschinghis Khan ist für Jugendliche wie auch für Erwachsene gleichermaßen spannend und faszinierend. Die Autorin verwendet eine leicht altertümlich wirkende, aber zur Geschichte gut passende Sprache. Sie beschreibt die unterschiedlichen Stationen von Krystians Leben immer detailgenau und fesselnd, ohne darüber die Handlung aus den Augen zu verlieren.

Treibende Kraft: Das Rätsel um Krystians Amulett

Das Erzähltempo steigert sich ständig - und auch die Selbständigkeit des Protagonisten wächst zunehmend. Ist er in den ersten Kapiteln eher Objekt, das von Schicksalsschlägen durch halb Europa getrieben wird, handelt er ab seiner Flucht nach Konstantinopel immer planvoller und folgt seinem inneren Drang, das Rätsel seiner Verbindung zu den Schlangenmenschen zu lösen. Dass dies am Ende nicht ganz schlüssig ist, schadet dem Lesegenuss nicht.

Außenseitertum und Kulturkonflikt

Inhaltlich setzt sich der Roman vor allem mit der Frage des Umgangs mit Außenseitern auseinander: Krystian, der Hinkefuß mit dem Schlangenmal, der schon als kleines Kind völlig bindungslos leben musste, findet in der Mongolei seinen Platz im Leben. Er, der sich nur schwerfällig bewegen kann, wird zum Reiter in einer Reitergesellschaft. Aber auch der Konflikt der Kulturen und Religionen wird zum Thema: Die von ihrer Lebensweise überzeugten Mönche betreten das fremde Land zunächst sehr überheblich, müssen aber dann erkennen, dass sie es keineswegs mit Primitiven zu tun bekommen.

Keine Schwarz-Weiß-Malerei

Dabei gelingt es Nina Blazon, Schwarz-Weiß-Malerei fast vollständig zu vermeiden und den christlichen Mönchen keine grundguten Wilden gegenüberzustellen. Die Motive jeder einzelnen Person und das Erwachsenwerden Krystians werden immer wieder deutlich. Besonders auch: Dieses Buch eignet sich, anders als so viele Jugendbücher, nicht nur für eine Zielgruppe. Mädchen und Jungen ab 12 Jahren werden sich bei Krystians Suche nach einem Platz im Leben wiederfinden und gefesselt sein.

 

Das Amulett des Dschingis Khan

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