Der Bierzauberer

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2008, Titel: 'Der Bierzauberer', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ein lesenswerter historischer Roman über die Bierbrauerei!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2008

Niklas von Hahnfurt macht sich auf den steinigen Weg, der beste Bierbrauer seiner Zeit zu werden. Von seiner fränkischen Heimat gelangt er dabei über das Kloster Weihenstephan nach St. Gallen, der Hochburg mittelalterlicher Braukunst. Als dort mehrere Pilger mit vergiftetem Bier ermordet werden, gerät Niklas ins Visier des fanatischen Inquisitors Bernard von Dauerling. Es beginnt eine Jagd auf Leben und Tod. Niklas' Flucht führt ihn in die Bierstädte Regensburg, Bitburg und Köln, sogar bis nach Lübeck und London kommt der "Bierzauberer". Doch am Ende ist ein letztes "Bierduell" mit seinem Todfeind unausweichlich.

1248 wird Niklas in dem beschaulichen Ort Hahnfurt geboren, wo er als kleiner Junge schon bald seiner Mutter bei zahlreichen Hausarbeiten zur Hand gehen muss. So lernt er recht früh die ersten Handgriffe, welche erforderlich sind, um eigenes Bier brauen zu können. Um als zwölfjähriger Knabe der mühsamen Feldarbeit zu entgehen, bittet er seinen Vater ihn nach Kloster Urbrach zu schicken, wo gerade neue Novizen eingestellt werden sollen. Abt Kilian nimmt Niklas auf und so beginnt seine Arbeit mit Bruder Thomas, dem Vorsteher der Klosterbrauerei. Thomas experimentiert bei zahlreichen Brauvorgängen mit einigen Kräutern herum und so entdeckt er mit Niklas eher zufällig die Wirkung der Hopphopflanze, dem Hopfen. Wird landesweit noch weitgehend das schnell vergängliche Gruitbier gebraut, so lässt sich das Hopfenbier deutlich länger halten.

Während seiner Zeit in Kloster Urbrach freundet sich Niklas mit Bernard von Dauerling an, der dem Klosterbruder Ansgar in der Backstube behilflich ist. Doch als eines Tages bei einem Unfall in der Brauerei Thomas stirbt, erhebt Ansgar schwere Vorwürfe gegen Niklas, dem er unterstellt, er habe bei dem Todesfall seine Hände im Spiel gehabt, um selber Vorsteher der Brauerei zu werden. Abt Kilian glaubt Ansgar zwar nicht, entscheidet sich aber für die Durchführung eines Gottesurteils, welches Niklas besteht. Da die angespannte Stimmung aber weiter anhält, verlässt Niklas das Kloster und zieht weiter zu dem Benediktinerkloster Weihenstephan bei Freising. Hier lebt er einige Jahre bis nach einem heftigen Erdbeben die Brauerei vernichtet wird. Nach den Vorfällen von Urbrach sieht er einen schlechten Stern über seiner Person schweben und zieht weiter nach Helvetien, in das Kloster von St. Gallen.

In St. Gallen entwickelt er die Braukunst weiter und führt auch hier einige Neuerungen herbei. Nachdem jedoch mehrere Gäste eines plötzlichen Todes sterben, scheint erneut das Unheil seinen Lauf zu nehmen, denn der Klostervorsteher erbittet in Rom die Hilfe der Inquisition. So gibt es ein unvorhergesehenes Wiedersehen mit Bernard von Dauerling, mit dem sich Niklas zuvor zerstritten hat. Auch wenn Niklas nichts mit den Todesfällen zu tun hat, zieht er doch weiter in Richtung Regensburg, bevor ihn sein weiterer Werdegang als Biermagus, als Bierzauberer, nach Bit(z)burg und Köln führt. Immer auf seiner Spur, Bernard von Dauerling, der es sich zum Ziel gemacht hat, Niklas zu vernichten, da er diesem blind vor Hass unterstellt, einem Geheimbund der ";Reinen Brauer" anzugehören...

Liquida non frangunt ieuneum -
Flüssiges bricht das Fasten nicht

Gerade zur Fastenzeit sind die Brauer der Klöster sehr beliebt, denn während die meisten Lebensmittel streng verboten sind, ist ein Bier gegen den Durst immer drin. Leider verkommt dieses jedoch oft allzu schnell und so ist die Entdeckung des Hopfens für die damalige Zeit ein Quantensprung. Doch Niklas entdeckt und erfindet noch viele andere wertvolle Methoden und Apparaturen, die die Braukunst verfeinern werden bis hin zum ersten weltweiten Bierautomaten.

Wer sich für die Geschichte des Bierbrauens interessiert, kommt an diesem Buch von Günther Thömmes, von Beruf gelernter Brauer und Mälzer, nicht vorbei. Sehr umfassend werden die Braumethoden dargestellt und so entsteht ein lebhaftes Bild von der damaligen Arbeitswelt der Bierbrauer. Dass Niklas in den noch heute wichtigen Bierstädten wie Bitburg und Köln Station macht, ist dabei sicher kein Zufall. Zu Beginn seiner Ankunft in den jeweiligen Orten wird ein kurzer Einschub hinsichtlich der allgemeinen und politischen Lage gegeben, so dass auch an der Historie interessierte LeserInnen durchaus auf ihre Kosten kommen. Zudem gibt es Einblicke in das Alltagsleben der Menschen im Mittelalter, vor allem innerhalb von Klostermauern.

Kaum Spannung außerhalb des Brauereialltags

Der Gmeiner Verlag hat sich bislang einen Namen im Segment Regionalkrimis gemacht und führt erst seit kurzer Zeit auch einige historische Romane. Wohlgemerkt historische Romane, nicht Kriminalromane, denn trotz einiger ermordeter Personen in St. Gallen ist ";Der Bierzauberer" sicher alles, aber eben kein Krimi! Dies tut dem Buch keinen Abbruch, sollte allerdings bekannt sein, da der Buchumschlag einen anderen Inhalt suggeriert. Hier wird der Eindruck erweckt, dass es um den Zweikampf zwischen Niklas und dem Inquisitor Bernard von Dauerling geht, doch dieser erscheint immer nur (gefühlt alle 50 Seiten) sporadisch auf der Bildfläche und genau diese Passagen sind es, die einen leicht säuerlichen Beigeschmack hinterlassen. Die Figur des Bernard ist schwach gezeichnet, seine Motivation nicht erkennbar. Irgendwelche Emotionen können beim Lesen jener Passagen kaum aufkommen, da sie zu plakativ wirken und offensichtlich nur als Beiwerk des eigentlichen Plots dienen, nämlich dem Bierbrauen. Schade, denn hier wäre sicherlich deutlich mehr drin gewesen.

Für Mittelalterfans und besonders für lesefreudige Biertrinker ein ";Muss"

Wer sich für das Leben im Mittelalter interessiert, darf hier ebenso gerne zugreifen wie jeder lesefreudige Biertrinker. Brauereien werden weiterentwickelt und ";modernisiert" und zwischendurch, damit wenigstens ein bisschen Abwechslung in den Brauereialltag kommt, passieren die Schrecken der damaligen Zeit. Die Inquisition (naja) bedroht einzelne Personen und der Schwarze Tod löscht gleich ganze Dörfer aus. Immerhin bleiben noch ein paar Zeilen für eine kleine Liebesgeschichte übrig.

Lobenswerte Aufmachung

Lobens- und daher noch erwähnenswert sind der abschließende Epilog und der darauf folgende Anhang mit zusammen rund 40 Seiten Länge. Hier finden sich umfangreiche Erläuterungen, eine geschichtliche Zeittafel und zahlreiche Informationen über weiterführende Literatur und Internetadressen für all jene, die es noch genauer wissen wollen. Mehrere Illustrationen und ein Lesezeichen - passend zum Buchcover - runden den positiven Gesamteindruck ab.

Der Bierzauberer

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Letzte Kommentare:
10.04.2015 10:46:01
BigVat

Ein wunderbares Buch für (kultur)geschichtlich interessierte Bierfreunde! Der geneigte Leser erhält sehr viele interessante Informationen aus der Geschichte des Bierbrauens, auch die schöne Ausstattung mit zahlreichen Bildern ist bemerkenswert. Die Sprache ist einfach und schlicht, aber gerade das hat bei mir dazu geführt, dass ich auch großen Anteil am Lebensweg des Brauers Niklas genommen habe. Fans von Krimispannung und literarischen Spielereien dürften enttäuscht sein, allen anderen Biergenießern wird das Wasser im Munde zusammenlaufen. Den bernsteinfarbenen Maibock sollte man bereithalten!

28.11.2014 17:20:22
Werner Weith

Dieses Buch vermittelt einen tiefgründigen Eindruck in die Welt der Braukunst, der Kirche und die Lebensweise im Mittelalter. Die Klöster haben mit der Braukunst ein weites Feld eröffnet was es später industriell wurde. Aber ist es nicht so sehr das Bier und seine Herstellung sondern dieses Buch gibt einen tiefen Einblick in die Wirrungen dieser Tage. Klar, die vielfältige Herstellung von Bier steht im Mittelpunkt dieses Buches aber stets mit der Erklärung der Umwelt. Die Einleitung der Gärung und das ohne detailliertes Wissen über den Wirkmechanismus von Hefen kann man getrost als das Geheimnis der damaligen Zeit bezeichnen. War doch die Einleitung der Gärung mehr ein Zufallsprodukt durch die Infizierung mit flüchtigen Hefezellen. Ganz besonders werden auch die menschlichen Schwächen in diesem Buch beleuchtet. Die Übermacht der Kirche wird deutlich und dies in einer Form die in heutigen Tagen unvorstellbar ist. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der kulturhistorisch und eben an der Geschichte von Bier interessiert ist. Es ist keine Anleitung zum Brauen dieses edlen Saftes aber ein guter Einstieg in die Technologie. Werner Weith, Mülheim

07.02.2013 17:13:52
Beidler Jang

Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und bin nicht entäuscht worden. Ein Lesegenuß für Biergeniesser und Nicht- Biergeniesser. Dass in diesem Jahrhundert wo der Roman spielt, Erfindungen heutzutage noch gebraucht werden,( klar auf die Technik von heute verfeinert) grenzt ja wirklich an einen Genius der Vormittelalterzeit. Bei Niklas vermisse den persönlichen kriminalistischen Einsatz nach dem Mord an Thomas in Urbrach. In der Person Bernard von Dauerling , als Niklas von der Inquisition freigesprochen wurde,, nicht intensiver gegen Bernard vorgegangen ist.
Der Autor ist ein Fachmann in Sachen Bier, keine Frage. Ich freue mich das Erbe der Bierzauberes zu lesen.

18.10.2008 08:49:40
Silvi

Sehr flüssiger Erzählstil, keine fantastische erfundene Geschichte sondern authentisch und gut für den Leser verständlich. Diese Buch hat mich sehr angesprochen, sicherlich weil ich selber Vorfahren habe die in diesem Gewerbe tätig waren und ich aus der Region Franken kommen, dennoch auch für nicht "Bier-Fans" ein absolut lesenswerter hist. Roman!

09.07.2008 19:24:09
colle

Schönes Buch. Aber leider kein Krimi, obwohl der Verlag im Umschlag an einen Histo-Krimi denken lässt. Ich fand das Buch sehr interessant, da ich im Bekanntenkreis einen Hobbybrauer habe der immer viel von seinen Brauversuchen erzählt. Nun kann ich auch ein bischen mitreden, zwar nur von der historischen Seite her, aber immerhin. Man merkte auch, das der Autor ein Diplom Brauer ist und auch seine Ausbildung vorher in diesem Fach absolviert hat. Kurz gesagt, der Autor wußte wovon er schreibt. Das Buch las sich sehr flüssig und es gab doch stellen, wo ich nicht einfach aufhören konnte zu lesen. Sehr gut fand ich auch die Quellenangaben, die Zeittafel und alles andere im Anhang.