Die Lagune des Löwen

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2008, Titel: 'Die Lagune des Löwen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

96
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Katharina Lewald
Charlotte Thomas - die Gablé Italiens!

Buch-Rezension von Katharina Lewald Apr 2008

Kurzgefasst:

Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In den Gassen der Lagunenstadt begegnen sie einander zum ersten Mal - Laura, die vor den Nachstellungen ihrer Feinde flieht, und Antonio, der sich mit Diebstählen über Wasser hält. Von Anfang an fühlen sie sich trotz aller Gegensätze zueinander hingezogen. Und beide sind erfüllt von der Sehnsucht, Not und Armut hinter sich zu lassen. In den folgenden Jahren kreuzen sich Lauras und Antonios Wege immer wieder, und ihre Begegnungen sind geprägt von tödlichen Intrigen und verzehrender Leidenschaft. In der von Sinnenfreude überbordenden Lagunenstadt treffen sie auf Maskenträger und Meuchelmörder, Gaukler und Genies. Zwischen Licht und Schatten wandelnd, begeben sie sich auf abenteuerliche Streifzüge und trotzen verhängnisvollen Gefahren. Triumphe kennzeichnen ihren Lebensweg ebenso wie bittere Niederlagen, doch am Ende dieses wechselvollen Spiels gibt es für sie beide nur ein Ziel - den Sieg über ihre Vergangenheit.

 

"Ein goldenes Zeitalter. Eine Weltmacht am Abgrund. Ein Kampf um Liebe, Macht und Menschlichkeit." Es sind bildhafte Wendungen, die dem ahnungslosen Leser auf der Rückseite des Buchumschlags von Charlotte Thomas' neuem Roman "Die Lagune des Löwen" entgegengeschleudert werden. Dieser 1.000-Seiten-Schmöker verspricht spannend und berührend, abwechslungsreich und überraschend zu werden. Doch kann die Autorin, die bereits mit "Die Madonna von Murano" einen Bestseller landete, ein zweites Mal überzeugen?

Ein schweres Schicksal

Die junge Laura lernt früh für sich allein zu sorgen, denn als ihr Vater von einem maskierten Unbekannten ermordet wird und ihre Mutter bei der Geburt ihres Bruders stirbt, steht sie plötzlich mit dem Säugling allein da - dabei ist sie erst elf Jahre alt. Zunächst wird sie in ein Kinderheim gesteckt, wo sie allerlei unschöne Erfahrungen macht. Schließlich kann sie fliehen und lernt weitere familienlose Kinder kennen, unter anderem auch die Kinderhure Valeria und den Taschendieb Antonio Bragadin. Von ihm lernt sie, sich und ihren kleinen Bruder mit dem Stehlen über Wasser zu halten. Auch der entlaufene Sklave, der von der Kinderbande Carlo getauft wird, ist immer mit von der Partie.

Alle Kinder haben ein ähnliches Schicksal erlitten und doch verläuft das Leben jedes einzelnen in eine andere Richtung. Valeria findet einen reichen Gönner, der sich flugs auch Carlo aneignet. Antonio steigt durch einige glückliche Zufälle, aber vor allem auch durch eigenes Geschick zu einem erfolgreichen Händler und später auch zum Soldaten auf. Laura hingegen lernt bei einer Apothekerin und ihrer behinderten Tochter das Handwerk eines Apothekers, ist damit glücklich und verdient nicht wenig Geld.

Doch nach und nach kommen immer mehr teils grausame, teils überraschende Wahrheiten ans Tageslicht. Es ist klar, dass Laura und Antonio sich wiedersehen und dass ihr Zusammentreffen nicht ohne Folgen bleiben wird. Weiterhin verbirgt Cattaneo, der Gönner von Valeria und Carlo, dunkle Geheimnisse und auch Laura muss immer wieder am eigenen Leib erfahren, was Schicksal bedeutet. Über kurz oder lang führen ihrer aller Wege wieder zusammen. Und dann ist da noch der maskierte Unbekannte, der Mörder ihres Vaters, den Laura wiedersieht ...

Vom Sieg über die Vergangenheit

Wer kennt das nicht: Man tut etwas und hinterher tut es einem leid. Man wollte es nicht, hat es aber trotzdem getan, aus welchen Gründen auch immer. Nun, bei rechtschaffenen Menschen werden das höchstwahrscheinlich eher Kleinigkeiten sein: Ein Werbeprospekt wird schnell in den Briefkasten vom Nachbarn gesteckt, vielleicht wird auch im Restaurant bei der Rechnung etwas gemogelt (wenn sich die Gelegenheit bietet) oder man sagt jemandem in einem ungünstigen Moment der Rage etwas ins Gesicht, worüber man lieber noch hätte nachdenken sollen, bevor man es ausspricht.

Doch Laura und Antonio müssen ganz andere Schatten ihrer Vergangenheit hinter sich lassen. Gerade deshalb, da sie in ihren Herzen eigentlich gut sind, kommen sie schwer darüber weg, dass sie aus Überlebensgründen Unrechtes tun müssen. Sie stehlen und lügen, ohne dabei rot zu werden; sie fluchen und verfluchen, sie prügeln sich ums Essen. Und all das in einer Zeit, als Gott und Glaube noch groß geschrieben wurden und Werte wie Ehrlichkeit, Gehorsam und Rechtschaffenheit wesentlich mehr zählten als heute. Zumal sowohl Antonio als auch Laura aus wohlhabenden Elternhäusern stammen und eine gute Erziehung genießen durften. Dieses Streben nach einem Abschluss mit der Vergangenheit ist ein zentraler Aspekt in Charlotte Thomas' "Die Lagune des Löwen".

Kopfkino vom Feinsten

Doch auch die Beschreibungen der Lagunenstadt Venedig, der Gerüche und des Geschehens auf den (Wasser)Straßen sind herausragend. Man meint während des Lesens eine salzige Brise zu riechen und sie ebenso auf der Zunge zu schmecken; man hört das Rauschen der Wellen und das geschäftige Treiben auf den Märkten Venezias um 1500.

Charlotte Thomas kann es - und das sage ich als überzeugter Gablé-Fan - durchaus mit der Bestsellerautorin Rebecca Gablé aufnehmen, die übrigens im eigenen Hause Ehrenwirth publiziert. In allen wesentlichen Punkten - Spannung, Handlungsaufbau, Beschreibung von Personen und Orten - kann Charlotte Thomas durchaus mit dem Popstar des historischen Romans mithalten. Wer "Die Lagune des Löwen" liest, wird nicht enttäuscht werden: Eine abwechslungsreiche Handlung, immer neue Aspekte und interessante historische Fakten, geheimnisvolle Personen und auch überaus liebenswerte Charaktere versetzen den Leser ins Staunen.

Sollte dieses Buch irgendwann einmal verfilmt werden, kann man schon jetzt vermuten, dass die Verfilmung dem Titel nie gerecht werden kann. Wie so oft würde ein 1000-Seiten-Wälzer in 120 Filmminuten gepresst und der ganze Zauber wäre verloren. Allerdings hat man beim Lesen ohnehin das Gefühl, eigentlich einen Film zu schauen, so sehr ziehen die Abenteuer an einem vorbei, so sehr wird man mit Emotionen aller Art erfüllt. Das ist pures Kopfkino!

Bleibt zu hoffen ...

... dass Charlotte Thomas noch viele weitere Ideen auf Lager hat. Wenn man bedenkt, dass "Die Lagune des Löwen" bereits ihr zweiter Bestseller ist (Platz 10 von ausgewiesenen 15 Plätzen ausschließlich historischer Romane im buchreport.express, Ausgabe Nr. 26 vom 26. Juni 2008), kann man wirklich nur hoffen, dass auch ihre folgenden Romane alle so bildhaft und spannend sein werden. Zu gönnen ist ihr der Erfolg allemal.

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