Das Spiel des Puppenkönigs

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: Januar 2008
  • Droemer-Knaur, 2008, Titel: 'Das Spiel des Puppenkönigs', Originalausgabe
Das Spiel des Puppenkönigs
Das Spiel des Puppenkönigs
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Rita Dell'Agnese
71

Histo-Couch Rezension vonMär 2008

Spionage, Mord und zarte Liebe im Preussen des 18. Jahrhunderts

Kurzgefasst:

Berlin anno 1783. Als Bauchredner Julius Klingenthal mit seinen sechs Puppen die Stadt an der Spree betreten will, wird seine gesamte Barschaft widerrechtlich beschlagnahmt. In seiner Not wendet er sich an niemand Geringeren als Friedrich den Großen, der in Potsdam residiert. Friedrich zeigt sich gnädig und hilft ihm. Doch beim Verlassen des Schlosses bricht neues Unheil über Julius herein: Ein Sterbender taumelt ihm in die Arme ...

Julius hat nur noch einen Gedanken: fort aus Potsdam! Auf keinen Fall will er unter Mordverdacht geraten! Und um Schloss Sanssouci, den Lieblingsaufenthalt Friedrichs, will er in Zukunft einen weiten Bogen machen! Ein Schwur, den er jedoch ein Jahr später bricht, als er erfährt, dass seine geliebte Alena sich dort aufhält. Einst hatte er sie, die schöne Klagefrau, verlassen, da er sicher war, ihnen sei keine gemeinsame Zukunft beschieden. Nun aber erblüht ihre Liebe aufs Neue, und beide sind fest entschlossen, endlich zusammenzubleiben. Alena hat eine Anstellung bei einer reichen Witwe gefunden, in deren Salon sich regelmäßig ein Zirkel aus hochgestellten Herren trifft, die den Künsten und Wissenschaften verbunden sind. Dann sterben mehrere dieser Herren auf mysteriöse Weise. Einziges gemeinsames Kennzeichen: Alle trugen gelbe Handschuhe - genau wie jener Tote, mit dem Julius Klingenthal nach seinem Besuch beim König unliebsame Bekanntschaft gemacht hatte.

 

Julius Klingenthal, der Meister aller Bauchredner, trifft in Berlin auf seine grosse Liebe, die Klagefrau Alena. Sie ist inzwischen Gesellschafterin einer geheimnisvollen, wohlhabenden Bildhauerin, deren Salons legendär sind. Julius Klingenthal kann mit seinem Fuhrwerk und seinen mittlerweile sechs Puppen in der Remise des Anwesens unterkommen. Doch nicht nur Alena scheint Gefallen am schmucken Bauchredner zu finden. Die Gastgeberin, Madame de Chattemont umgarnt Julius gekonnt - sehr zum Missfallen von Alena. Doch Julius hat seinen Kopf nicht bei der charmanten Witwe. Er will wissen, woran die illustren Herren gestorben sind, die plötzlich das Zeitliche segnen. Sie alle haben eines gemein: Sie trugen zum Zeitpunkt ihres Todes gelbe Handschuhe.

Schleppende Entwicklung

Obwohl es mühelos gelingt, in den zweiten Band um den Puppenspieler Julius Klingenthal einzusteigen, bleibt dieses Werk deutlich hinter dem ersten Band zurück. Nach dem gelungenen Auftakt, dem eine gute Prise Humor beigemischt ist, verflacht die Geschichte schnell. Der eigentliche Krimi vermag sich nur mühsam zu entwickeln, es bleibt eine flaumige Geschichte ohne allzu viel Tiefgang oder Spannung. Schnell ist zu ahnen, wer hinter den geheimnisvollen Todesfällen stecken könnte und es ist fast etwas ärgerlich, den guten Julius in eine falsche Richtung marschieren zu sehen. Etwas mehr Tempo, etwas mehr Spannung hätte dem Roman hier gut getan.

Dialoge ohne Witz

Macht es zunächst recht viel Spaß, Klingenthals Puppen als sprechende Wesen wahrzunehmen, ist dieses Element mit der Zeit ausgereizt und verliert jeden Witz. Recht bald wirft die ständige "Einmischung" der sprechenden Puppen ins Geschehen die Frage auf, ob Julius Klingenthal nicht nur ein begnadeter Bauchredner ist, sondern auch über eine etwas gestörte Persönlichkeit verfügt. Leider hat der Autor Wolf Serno dieses Element, das bei der richtigen Dosierung durchaus Würze in den Roman bringen könnte, überstrapaziert.

Spannende Experimente

Sehr gelungen sind hingegen die Bereiche, in denen die Experimente im Salon von Madame de Chattemont dargestellt werden. Die feinfühligen Beschreibungen dieser Szenen zeigen auf, dass der Autor sehr wohl eine feine Sprache einzusetzen weiß und über ein ebenso scharfes Auge wie ein überzeugendes Erzähltalent verfügt. Schade, dass er dies nicht dem ganzen Roman angedeihen ließ. Überraschend witzig kommt auch die Figur Friedrich des Großen daher.

Nett, aber nicht überwältigend

Letztlich hält man mit Das Spiel des Puppenkönigs einen netten Roman in den Händen, der aber weder als historischer Roman noch als Krimi überwältigend ist. Er lässt sich aufgrund der soliden Sprache zügig lesen, auch wenn er im Verlaufe der Geschichte sehr abflacht und die Aufklärung der Todesfälle nicht mehr wirklich überraschend daher kommt. Unterhaltend ist der Roman allemal, ganz besonders für jene, die sich eine Fortsetzung der Liebesgeschichte zwischen Alena und Julius gewünscht hatten.

Das Spiel des Puppenkönigs

, Droemer-Knaur

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