Die Pforten der Hölle

  • Gmeiner
  • Erschienen: Januar 2007
  • Gmeiner, 2007, Titel: 'Die Pforten der Hölle', Originalausgabe
Die Pforten der Hölle
Die Pforten der Hölle
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Eva Schuster
65

Histo-Couch Rezension vonFeb 2008

Unterhalsamer Auftakt der Bruder Hilpert-Reihe

Kurzgefasst:

Frühjahr 1416, wenige Tage vor Palmsonntag. Bibliothekarius Hilpert von Maulbronn trifft im Kloster Bronnbach im Taubertal ein. Als Inquisitor soll er einer geheimen Bruderschaft satanischer Novizen auf die Schliche kommen. Den rätselhaften Tod des Priors der Abtei kann er indes nicht verhindern, ebenso wenig die bestialische Ermordung eines Novizen. Und bald scheint es, als hinge sein eigenes Leben nur noch an einem seidenen Faden.

 

Frühjahr im Taubertal, 1416: Im Kloster Bronnbach gehen Gerüchte über satanisches Treiben unter den Novizen um, der vorstehende Abt sei gerade auf Reisen unterwegs. Bruder Hilpert, Inquisitor und Bibliothekarius des Klosters Maulbronn, wird dorthin geschickt, um die Gerüchte zu überprüfen. In seiner Begleitung ist der fünfzehnjährige Stallbursche Alkuin. Er gibt sich im Kloster als Novize Bertram von Rosenberg aus und soll Bruder Hilperts Ermittlungen unauffällig unterstützen.

Kurz vor Bruder Hilperts Eintreffen im Kloster hat es einen Todesfall gegeben. Der wenig beliebte Vertreter des Abts, Prior Hildebrand, wurde in der Klosterkapelle erwürgt und als Täter kommen viele in Frage. Kurz darauf erschüttert die Gemeinde die Nachricht, dass der Abt auf der Reise an einem Fieber verstorben ist. Damit nicht genug - ein Novize wird kurz darauf tot im Wald gefunden, aufs Schrecklichste gefoltert.

Bruder Hilpert stößt im Kloster auf mehrere Verdächtige und eine Mauer des Schweigens. Als auch noch ein unbekannter Toter im Wald gefunden wird, schaltet sich der Vogt des Grafen, Berengar von Gamburg, in die Ermittlungen ein. Gemeinsam mit ihm und Alkuin kommt Bruder Hilpert dem grausamen Mörder immer näher - und gerät bald selbst in höchste Gefahr ...

Typischer Mittelalterkrimi mit kleinen Schwächen

Ein ehrwürdiger Mönch und sein jugendlicher Gehilfe ermitteln mörderische Vorgänge in einem mittelalterlichen Kloster - was ganz nach Umberto Ecos Der Name der Rose klingt, ist der Auftakt zu Uwe Klausners Bruder-Hilpert-Reihe. Mit Bruder Hilpert ist ein gelungener Protagonist entstanden, der gleich nach seinem ersten Erscheinen die Sympathie des Lesers weckt. Hilpert ist nicht nur Bibliothekarius, sondern vor allem auch Inquisitor - aber mitnichten eine jener finsteren Gestalten, die man sich gerne darunter vorstellt. Hilpert verabscheut die Folter als letztes denkbares Mittel und setzt viel lieber seinen scharfen Verstand ein, um Verbrecher zu entlarven. Zudem ist Hilpert sehr menschlich und mit trockenem Humor ausgestattet, dabei aber trotzdem ein realistischer Geistlicher, wenn auch einer mit einer scharfen Zunge. Eine gute Ergänzung ist der junge Alkuin, der sich unter den Novizen als ihresgleichen umhören soll. Dabei läuft Alkuin ständig Gefahr, dass seine wahre Identität auffliegt. Er muss nicht nur verbergen, dass er eigentlich mit den von Rosenbergs überhaupt nichts zu tun hat und ein Stallbursche ist, sondern auch, dass Bruder Hilpert nicht einfach eine Zufallsbekanntschaft auf der Anreise ist und die beiden gemeinsame Sache machen.

Kein Mangel an Verdächtigen

Im Kloster selbst sind dem Leser nur wenige der Brüder sympathisch, die meisten sind suspekt. Bruder Robert ist nicht nur der Leiter der Krankenstation des Klosters, sondern auch ein alter Freund von Bruder Hilpert und anscheinend ein tatkräftiger Unterstützer, doch etwas zu verbergen hat offenkundig auch er. Eine ziemlich widerwärtige Gestalt ist der Bursarius, der Finanzverwalter Bruder Clemens, dem eine gefährliche Vorliebe zum Verhängnis wird. Aus Alkuins Blickwinkel rückt Bruder Joseph ins Zentrum der Geschehnisse. Der Novizenmeister scheint sehr früh zu erahnen, dass Alkuin alias Bertram nicht der ist, für den er sich ausgibt, belässt es aber bei undurchsichtigen Andeutungen und verhält sich ein ums andere Mal sehr merkwürdig. Dann ist da noch Bruder Zacharias, ein außergewöhnlich attraktiver Mann, der hinter seiner schönen Fassade vermutlich einen weniger schönen Charakter verbirgt. Er kommt erst später ins ausführliche Geschehen hinein, dann aber ist seine Rolle umso markanter. Eine besonders interessante Figur ist der Novize Angelus. Er sucht schnell Alkuins Nähe, aber vertrauenswürdig erscheint er deshalb nicht unbedingt. Ein Reiz dieser Figurenkonstellation im Kloster liegt darin, dass fast jeder etwas zu verbergen scheint, aber lange Zeit nicht klar ist, ob diese Geheimnisse in Zusammenhang stehen oder überhaupt allesamt etwas mit den Morden zu tun haben.

Ein angenehmer Gegensatz zu all den mysteriösen Klostergestalten ist da der Vogt Berengar, der in den weiteren Bänden Bruder Hilperts Freund und regelmäßiger Co-Ermittler wird. Berengar verkörpert unter all den Klosterbrüdern den weltlichen Part, ist raubeinig, manchmal ein bisschen ungehobelt und nimmt vor allem kein Blatt vor den Mund. Damit sorgt er nicht nur für einen sympathischen Eindruck, sondern auch für manch humorvolle Szene, die die Krimihandlung auflockert. Sehr schön ist zum besseren Verständnis der Klostergrundriss sowie die Auflistung der Klosterämter. Lateinische Zitate fallen reichlich unter den Klosterbrüdern, werden aber stets in einer Fußnote übersetzt.

Kleine Unstimmigkeiten

Von einem höchstklassigen Werk ist der Roman dann aber doch aufgrund mehrerer Punkte ein Stück entfernt. Ein bisschen übertrieben ist die Hast, in der die Morde geschehen. In den ersten zwei Tagen gibt es sage und schreibe fünf Tote, denen später noch weitere folgen. Das führt zwangsläufig dazu, dass Hilpert anfangs kaum Ermittlungsergebnisse erreichen kann, weil alle paar Stunden ein neuer Todesfall gemeldet wird und die Situation bestimmt. So braucht es fast hundert Seiten, ehe in Ruhe ermittelt werden kann und nicht ständig ein neuer Todesfall alle Pläne ändert. Gleichzeitig wird die Bedeutung der einzelnen Morde damit für den Leser ein bisschen abgeschwächt - trotz der Grausamkeit der Tötungen wirken sie kaum nach, weil kaum Zeit bleibt, sie zu verdauen, da kurz darauf schon der nächste das Zeitliche segnet. Zudem hat der Leser kaum die Muße, die Mordopfer vorher kennenzulernen. Das ist gerade beim ermordeten Novizen schade, dessen Tod sicherlich noch stärker berühren würde, wenn man den sympathischen Jungen vorher etwas ausführlicher erlebt hätte.

Überhaupt fehlt es ein wenig an charismatischen Figuren unter den Klosterbrüdern, sie haben zwar allesamt ihre Geheimnisse, aber interessante Charaktere sind nur wenige unter ihnen, wie etwa Angelus und Zacharias. Die meisten sind ein bisschen zu eindimensional, in erster Linie hässlich und hinterhältig, dabei aber blass. Unerklärlich bleibt leider die Szene, in der Bruder Hilpert ein angebliches Blutwunder an einem Kruzifix aufklärt und sofort erkennt, dass dabei Menschen- und nicht Tierblut verwendet wurde. Wie er zu diesem Schluss kommt, verrät er nicht und beim Leser bleiben Zweifel, ob das im Mittelalter überhaupt zu unterscheiden war - falls ja, hätte man nur zu gerne erfahren, wie. Etwa in der Mitte des Buches weiß Hilpert plötzlich, wer der Täter ist, der Leser aber wird noch eine Weile lang nicht eingeweiht, was ein bisschen frustrierend ist, zumal zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gesagt wird, was Hilpert zu seiner Erkenntnis gebracht hat.

Letztlich ist Die Pforten der Hölle kein herausragender Roman, weder als Krimi noch als historisches Werk, aber doch ein unterhaltsamer Auftakt für eine mittelalterliche Serie um einen Ermittler in Kutte.

Die Pforten der Hölle

, Gmeiner

Die Pforten der Hölle

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