Die Wohlgesinnten

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • , 2006, Titel: 'Les Bienveillantes', Originalausgabe

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Der fiktive Lebensbericht eines hohen SS-Offiziers, ein Epos, das ein detailliertes Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten zeichnet. Die Wohlgesinnten wurden von der Kritik als ein neues Krieg und Frieden gefeiert: die fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, promovierter Jurist, frühes NSDAP-Mitglied, in die SS eingetreten, um sich der Strafverfolgung nach ß175 zu entziehen, aber lebenslang seiner Zwillingsschwester inzestuös verbunden. Es sind die verstörenden Erinnerungen an die Schauplätze des Zweiten Weltkriegs und an das Grauen der Verfolgung und Vernichtung der Juden von Juni 1941 bis April 1945, an die Einsatzkommandos und Massenhinrichtungen in der Ukraine und im Kaukasus, an Babi Jar, den Kessel von Stalingrad, Auschwitz und Krakau, an Mittelbau Dora, das besetzte Paris oder das kriegszerstörte Berlin. Es sind die beklemmenden Erinnerungen an all die Begegnungen mit den Nazigrößen, an Himmler, in dessen persönlichen Stab Aue 1943 aufgenommen wird, an Abendessen mit Eichmann, an Heydrich, Höß oder Speer.

 

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Letzte Kommentare:
02.01.2015 09:29:52
P. Hanel

Wie wird gemeinhin ein SS-Offizier beschrieben? Eigenschaften und Auszeichnungen wie ein Doktortitel, eine sehr große Allgemeinbildung, die Bereitschaft, das Morden, die Massenerschießungen, irgendwie zu rechtfertigen und eine damit verbundene Abneigung gegen alle Sadisten in den SS-Reihen, aber auch Homo- und Transsexualität, Inzest, Muttermord und das Töten bester Freunde, die das eigene Leben mehr als einmal retteten oder Antriebslosigkeit ' solche Charaktermerkmale fehlen meist. Doch genau mit diesen ist der Ich-Erzähler in Jonathan Littells Roman, der bis zum Obersturmbannführer beförderte und mit zahlreichen Ehrenauszeichnungen versehene Jurist namens Maximillan von Aue, ausgestattet. In diesem Sinne stellt er gewissermaßen einen Anti-Nazi dar, auch wenn gewisse Überzeugungen ähnlich denen der 'typischen' SS-Mitglieder sind, wenn auch ungleich durchdachter. Dazu gehört die Ansicht, nichts zu bereuen und nur die Pflicht erfüllt zu haben; man war eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Aue, oder 'Max', wie ihn Littell selbst nennt, geht allerdings noch weiter. Er hält es nicht für entscheidbar, welche von den am Holocaust mitgewirkten Personen, die meiste Schuld träfe. Alle seien nur Rädchen im Getriebe gewesen, die meisten von 'euch' (Max wendet sich besonders im ersten Teil des öfteren direkt an den Leser) hätten ebenso gehandelt. Mit einem eindringlichen 'Ich bin wie ihr!' endet der erste Teil.
Littell hat die besondere Begabung, hinter die Kulissen zu schauen, zwischen den Zeilen zu lesen. Derart offenbaren sich dem Leser einige bis dato unklar gebliebene Motive von Himmler und anderen, die an der Schlächterei mehr oder minder direkt beteiligt waren; da auch einige wesentlichen Merkmale des Nationalsozialismus mit dem Ziel beschrieben werden, ihn zu rechtfertigen und nicht, wie gemeinhin üblich unter der Prämisse, dass er falsch ist, kann der Leser selbst die Fehler finden. Im Marginalienband erläutert Littell in einem Interview, weshalb eine systematische Ausrottung der Homosexuellen nicht stattgefunden hat, obgleich Himmler von ihnen besessen war und sie alle töten wollte: Die bürokratischen Apparate hätten gegeneinander operiert, bspw. schickte das Justizministerium sie ins Gefängnis, nicht ins Lager, wie von Himmler verlangt, da 'wenn Hitler keine Richtung angibt ... nichts voran' ginge (S.44). Littell schreibt in einem fast schon melodisch zu nennenden Stil, den der Übersetzer geschickt beizubehalten wusste und der sich vom ersten ('Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist. Wir sind nicht deine Brüder, werdet ihr antworten, und wir wollen es gar nicht wissen.'; ja, ich weiß, dass waren zwei Sätze) bis zum letzten Satz ('Die Wohlgesinnten hatten meine Spur wieder aufgenommen.'). Die Zeichensetzung läuft gängigen Konventionen zu wider; viele Semikolons 'zerhacken' die Sätze, Kommas statt Punkten lassen Sätze hier und da sehr lang werden. Absätze gibt es bewusst selten: 'Der Text soll Blöcke bilden, Blöcke, die den Leser ersticken und denen er sich nicht so einfach entziehen kann.' So Littell in einem Brief an seine Übersetzer (Mariginalienband, S. 10). Mit am meisten beeindruckt jedoch die Allgemeinbildung des Autors: Er kennt zahlreiche Werke der alten Griechen und Römer, von russischen Schriftstellern, Philosophen und Sprachwissenschaftlern, die Max oder seine Gegenüber zitieren. Wie Lanzmann, der Regisseur von 'Shoah' erwähnte, sei die absolute Exaktheit der Darstellung beachtenswert: Auch wenn es nie einen Obersturmbannführer Aue gegeben habe, so ist dieser doch sehr gekonnt in die auf Fakten beruhende Geschichte des 3.Reiches, eingeflochten worden.
Das Buch empfande ich stellenweise als nur schwer lesbar. Auch wenn die Progrome oder Massenerschießungen der Einsatzgruppen sehr plastisch und damit eindringlich geschildert werden, so wirken die Beschreibungen der immer abnormaler werdenden Phantasien von Max um ein vielfaches nervenzehrender, abstoßender, zumal der Ich-Erzähler nicht nur sein psychisches sondern auch physisches Innenleben detailreich zu beschreiben weiß ' er leidet übrigens seit den Massenerschießungen in der Ukraine an unregelmäßigem, dafür jedoch recht plötzlichem Erbrechen.
Das Buch ist in sieben Teile gegliedert, die nach alten Tänzen benannt sind, von Toccata bis Gigue. Und für wen ist es bestimmt? Die wirkliche Gefahr seien 'die gewöhnlichen Menschen, aus denen der Staat besteht.' Und nicht die Megalomanen und Psychopathen, diese würden vom Staat rasch zertreten. 'Die wirkliche Gefahr für den Menschen bin ich, seid ihr. Wenn ihr davon nicht überzeugt seid, braucht ihr nicht weiterzulesen. Ihr werden nichts verstehen und euch nur ärgern, nutzlos für euch ' wie für mich.' (S.35)

21.09.2011 15:19:36
seebach

Auf mich wirkte die Darstellung der SS und die Person Maximilian Aue in dem Buch "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell durchaus glaubhaft. Es geht im Grunde darum, ob man aus einem normalen Intellektuellen einen SS-Offizier machen konnte, oder ob die Verbrechen der SS ein Werk von Sadisten war.
Vor allem hat mich das Buch aber erschlagen. Die einzig langweilige Stelle sind die 50 Seiten, wo Max Aue den Kopfschuss bekommt und bewusstlos ist, und die einzige fragwürdige Stelle ist der Biss in Hitlers Nase wenige Tage vor der Kapitulation.
Das Erschlagende an dem Buches ist, dass es zeigt, dass es im Grunde "jeder" sein könnte, vor allem ist man sich nicht mehr sicher, wie man sich selbst verstrickt haben könnte. Man muss sich einmal vorstellen, welche Wirkung nach dem Chaos der 20er Jahre und Weltwirtschaftskrise die Visionen hatten, die Hitler und seine Leute priesen. Selbst viele Juden fielen darauf herein und wählten Hitler noch 1933, weil sie glaubten, dass er den Antisemitismus nur brauchte, um die Wahl zu gewinnen (das beschreibt Viktor Klemperer in "LTI").
Das Buch wirkt glaubhaft, besonders wenn man sich vorher schon mit dem Thema beschäftigt hat. Es gibt genügend Dokumente, die für sich sprechen. Mich haben vor allem immer Fotos verwundert, wo Juden gedemütigt, geschlagen oder erschlagen wurden und die "Zuschauer", die "normalen Unbeteiligten", wirkten keineswegs niedergeschlagen, sondern fanden es immer unheimlich lustig.
Ich glaube, ein ausschlaggebender Grund (nicht der Einzige) für das Funktionieren des Nationalsozialismus ist die extreme Anpassungsfähigkeit des Menschen, die aber seine Zeit braucht. Es ist das, was Richard David Precht in seinem neuen Buch mit "shifting baselines" beschreibt, das allmähliche Verschieben der Bezugsnormen durch Anpassung. Deshalb wäre die Reichskristallnacht im Jahre 1935 noch nicht so möglich gewesen, erst eine Propagandawelle und großer Anpassungsdruck mussten her, damit es 1938 durchgeführt werden konnte. Nur so ist auch zu erklären, warum solche schlimmen Verbrechen geschehen und durchgehen konnten, eigentlich von vorher "normalen" Leuten. Welche Menschenmassen die Anpassung erreichte, zeigt die Statistik: Statistisch betrachtet waren schon Skeptiker so selten, dass "normale Menschen" höchstens ein oder zwei kennen konnten. Und aktive Hitlergegner waren so selten, dass man eigentlich keinen kennen konnte, höchstens vom "Hörensagen". Wer heute behauptet, er wäre nicht dabei, sollte also nicht so sicher sein.
Aber Anpassung hat auch seinen Preis, nämlich Entfremdung, bisweilen sogar extrem. Deshalb sind ja auch Menschen, die sich besonders schuldig gemacht haben, in der Regel ein Fall für Neurologen.
Die Hauptgestalt des Buches, Dr. Maximilian Aue, war SS-Offizier und ein Exemplar dieser Entfremdung, dazu kamen noch ein pathologisches Verhältnis zu seiner Zwillingsschwester und Mutter, sein verschwundener Vater und seine Homosexualität als SS-Offizier.
Von der SS wurden die schwersten Verbrechen organisiert und durchgeführt. Die SS verstand sich als Elite-Organisation, mitunter hatten SS-Angehörige Sonderrechte. Wie kann man sich aber erklären, dass normale Akademiker fähig waren, als SS-Offiziere solche Verbrechen an Juden zu organisieren. Die "anständigen" SS-Offiziere haben sicherlich vermieden, die zu erschießenden Menschen unnötig zu quälen, so wie Max Aue, aber infrage gestellt haben sie die "Aktionen" nie. Aus der Sicht der SS haben sie ja auch keine Massenmorde begangen, sondern sie haben eine Art Mission erfüllt, nach dem Motto: Wir befreien Europa vom Judentum, und die Nachwelt wird es uns danken.
Die Verantwortlichen der NS-Zeit haben nicht nur ihre "Pflicht" erfüllt, nein, sie waren initiativreich, intelligent und gebildet, und die SS und auch die Gestapo haben extrem effizient gearbeitet.
Aber, wie gesagt, Anpassung hat seinen Preis. So ist es auch verständlich, dass Max Aue irgendwie durchgeknallt ist und merkwürdige Handlungen begeht. So etwas gab es ja auch wirklich oft, besonders die SS-Soldaten, die auch Frauen und Kinder erschießen mussten, wurden meist ihr Leben lang von Albträumen verfolgt.
Was den Muttermord Aues in Frankreich betrifft: Ich könnte mir vorstellen, dass er diesen selbst begangen und die Tat verdrängt hat, denn er war ja irgendwie krank. Sein Verhalten war ja nur eine neurotische Variante von vielen Möglichen. Und sicherlich waren viele SS-Offiziere Neurotiker.
Mich hat das Buch stark beeindruckt, und auf mich wirkte es durchaus realistisch. Und die Frage "Könnte so etwas wieder passieren?" würde ich mit JA beantworten, nur läuft es niemals genauso ab, - andere Begriffe, andere Opfer.

16.06.2011 17:46:34
Djan

"Seht doch ich bin wie ihr"
was sagt das denn aus? ich verabscheue das dritte reich und die damit verbunden verbrechen, aber wenn man ehrlich ist wäre jeder der nach dem 2ten weltkrieg aufgewachsen ist ein wiederstandskämpfer gewesen, keiner hätte das regime unterstützt, jeder hätte das richtige getan und jeder ist moralisch unantastbar....
waren die menschen in den 30er und 40er jahren andere wesen? nein! der faschismus bleibt faschismus, und die geschichte kann sich jederzeit wiederholen, wenn nicht unbedingt im gleichen gewand aber im prinzip kann auch der holocaust wieder stattfinden!
ich denke genau das wollte littel uns zeigen. und die geschichte aus der sicht der täter zu zeigen war ein schon lange überfälliger blickwinkel...
diesen roman einfach in die schublade skandalmache zu schieben ist nicht fair und entspricht nicht der qualität des buches

27.04.2011 14:30:10
uli33786

"So seht doch, ich bin wie ihr!"- als Max von Aue, das seinen Lesern zuruft, war bei mir (beinah) der Ofen für dieses Buch aus. Ganz aus war er, als sich auch im weiteren Verlauf der - übrigens sehr gut recherchierten Handlung - an der Intetion Litelles offensichtlich nichts verbesserte.
Der Mann will uns wirklich ernsthaft einreden, dass Max von Laue auch nur einer von vielen war und unter die Kategorie "menschlich, allzu menschlich" falle.
Tut er aber nicht. Und auch kein anderer darin, nicht mal von Laues (fiktive) Opfer.

Um mit dem grossen Nudelholz zu wedeln: Hannah Arendt hat in "Eichmann in Jerusalem" zwar von der Banalität des Bösen geschrieben, an der das Wort versagt und zuletzt sogar das Denken scheitert. Aber: sie hat eben auch deutlich gemacht, weshalb Eichmann KEIN ganz gewöhnlicher Mann war. Eichmann und die Seinen, waren "Hanswürste" und zwar im bösesten Sinne. Und zu "Hanswürsten" stempelte sie ihre Gedankenlosigkeit, genauer: ihre Unfähigkeit zu Amor Mundi - der Liebe zur Welt, die jedoch erste Voraussetzung für die menschlich angemessene Stellung eines Individuums innerhalb der Gesellschaft ist.

Für mich sind "Die Wohlgesinnten" ein Ärgernis, da hat jemand die Geschichte abgestaubt und schon in seinem Grundkonzept von Beginn an auf den literarischen Skandal gesetzt.

Das kann man moralisch bewerten wie man will, aber: selbst abseits der Moral ist es schlicht eine dummdreiste Mache.
Wenn Litell seinen Max von Laue wenigstens als Zyniker dargestellt hätte!

Aber selbst dieses Zugeständdnis hätte noch gegen das Konzept des Skandals um jeden Preis verstoßen.

30.08.2010 05:09:26
Djan

teilweise war das buch ein wenig anstrengend zu lesen, dennoch ist die wohlgesinnten ein absolutes meisterwerk

die sichtweise des täters lässt einen diesen teil der geschichte ausnahmsweise mal anfers erleben.

die kafkaesken mechanismen des nazifaschismus kommen auf diese weise sehr gut zur geltung, dies gepaart mit der grasusamen dekadenz des regimes und deren handlangern macht das buch zu einer harten lektüre. 95%

21.07.2008 14:19:19
Susannah

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt dieser Roman, so beginnt Dr. Maximillian Aue, Jurist, Offizier der SS, seine Geschichte. Er erzählt uns von seinem bewegten Leben von Juni 1941 bis zum Kriegsende 1945. er erzählt von der Ostfront, seinen Erfahrungen in den Einsatzgruppen, von dem Massenmord an der jüdischen Bevölkerung. Er erzählt von seinen Erfahrungen in Stalingrad, von seiner Verwundung. Von seiner Genesung und seiner Zeit in Berlin, seinem Aufstieg in den persönlichen Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler. Er erzählt von den Besuchen in Konzentrationslagern, von den Bombenangriffen auf Berlin, von Begegnungen mit Nazi-Größen wie Speer, Eichmann, Heydrich und Himmer. Aber erzählt uns auch von seiner Vergangenheit, von seinem verschwundenen Vater, seiner Mutter, seinem verhassten Stiefvater - und von seiner Schwester, die er mehr als alles andere auf der Welt liebt, obwohl er es nicht darf.

"So seht doch, ich bin wie ihr!" ruft die fiktive Figur des Max Aue uns am Ende des Präludiums zu. Und zu dem Zeitpunkt tut man diese Bemerkung noch leichthin ab. Er, ein Nazi, ein Verbrecher, genau wie wir? Unmöglich! Doch jetzt, nach über zwei Monaten, die ich an dem Buch gelesen habe, weiß ich, dass es stimmt. Er ist vielleicht anders als wir, seine Geschichte ist anders, sein Wesen. Aber er ist ein Mensch, und das ist das erschlagende und erschütternde an diesem Mamutwerk. All diese Grausamkeiten, dieser Wahnsinn, die ekelhaften Schilderungen, das Grauen - all das ist real gewesen, menschlich - und deshalb umso schlimmer. Schonungslos werden wir mit den vielleicht schlimmsten Verbrechen der Menschheit konfrontiert - und haben keine Möglichkeit den Kopf abzuwenden. Es gibt eigentlich kaum eine Möglichkeit, das Buch zu beurteilen - ich kann es nicht, vielleicht irgendwann mal. Aber ich glaube, jeder sollte es lesen. Und jeder sollte darüber nachdenken. Den eines kann ich mit Sicherheit sagen: es ist das bewegenste, das aufwühlenste, das erschreckenste Buch, das ich je las - und vielleicht auch das Beste. Gut dass ich die beiden Male, als ich das Buch zugeklappt und es weggestellt hatte, mich wieder zurückgezwungen habe. Denn sonst hätte ich diesbezüglich wohl nie meinen Frieden gefunden.