Die vergessene Burg von Susanne Goga

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Die vergessene Burg“,, 448 Seiten.ISBN 3-453-35972-0.

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Kurzgefasst:

1868. Paula Cooper führt ein zurückgezogenes Leben, bis sie einen unerwarteten Brief erhält. Ihr schwer kranker Onkel Rudy bittet eindringlich um ihren Besuch – im fernen Bonn. Voller Neugier reist Paula von England an den Rhein. Fasziniert von der malerischen Landschaft entdeckt sie eine fremde Welt und lernt den Fotografen Benjamin Trevor kennen. Aber sie ahnt, dass ihr Onkel etwas verheimlicht, und auch die Widersprüche um das Schicksal ihres verstorbenen Vaters mehren sich. Welcher dunklen Wahrheit über ihre Familie muss sich Paula stellen?

Das meint Histo-Couch.de: „Spurensuche am Rhein“80

Rezension von Rita Dell'Agnese

Paula Cooper ist nicht glücklich. Die 32-jährige Londonerin wurde von einer Verwandten zwar als Gesellschafterin engagiert und hat damit ein bescheidenes Auskommen, doch fühlt sie sich bei Cousine Harriet nicht wohl. Das graue Haus ist stickig, die Verwandte anspruchsvoll und missgünstig. Als Paula von der Pfarrersfrau angefragt wird, bei einer Aufführung ein paar Gedichte vorzutragen, begegnet die unglückliche Frau einer faszinierenden Welt: Der Loreley, die über dem Rhein thront. Gerade als Paula das Gefühl bekommt, bei Harriet endgültig zu ersticken, erreicht sie ein Brief von einem unbekannten Onkel, der sie bittet, nach Bonn zu kommen. Aufgelöst reist Paula nach London, um ihre Mutter zur Rede zu stellen. Warum hat ihr diese niemals etwas vom Bruder ihres verstorbenen Vaters erzählt? Doch die Mutter schweigt verbissen. Als Paula dann auch noch erfährt, dass es mit dem Tod des Vaters etwas Seltsames auf sich hat, beschliesst sie, nach Bonn zu ihrem Onkel zu reisen. Für eine Frau im Jahr 1868 ohne Begleitung ein gewagtes Unterfangen. Doch Paula wächst über sich selber hinaus und lernt in Bonn nicht nur ihren Onkel Rudy kennen, sondern auch den Fotografen Benjamin Trevor, dessen Vater Reisebücher verlegt. So sehr sie von der Stadt am Rhein und der Welt ihres Onkels angetan ist, so verzweifelt versucht Paula hinter das Geheimnis zu kommen, dass auf ihrer Familie wie ein dunkler Schatten zu liegen scheint. Benjamin soll sie auf der Reise auf dem Rhein begleiten, die Licht ins Dunkel bringen könnte.

Eine Liebeserklärung an den Rhein

Die Autorin Susanne Goga legt die Verzückung über den Rhein zwar ihrer Protagonistin Paula in den Mund, doch ist es unschwer zu erkennen, wie stark sich die Autorin mit dem Rhein und der Region um Bonn verbunden fühlt. Manchmal scheint es etwas gar viel der Schwärmerei und trotz des Nachholbedarfs der Protagonistin in Sachen schönen Erlebnissen wird die leicht säuselnde Liebeserklärung an die Gegend über welche die Loreley wacht, manchmal etwas zu dick aufgetragen. Die verschiedenen Gedichtpassagen, die Susanne Goga ihrem Roman beifügt, sind zwar passend, verstärken aber mit der Zeit das Gefühl, dass es nun doch genug der Schwärmerei wäre.

Ein paar Stolpersteine

Unbeirrbar macht sich Paula, die 32 Jahre lang ein behütetes, in den letzten Jahren langweiliges Leben geführt hat, auf Spurensuche. Dass die Geschichte da und dort eine leichte Wendung nimmt oder sich die eine oder andere Spur als unerklärliche Fehlinformation herausstellt, trägt zum Spannungsbogen bei und lässt die zusammen mit der Protagonistin rätseln, was denn vor 30 Jahren am Rhein tatsächlich passiert ist. Ein farbloser Briefwechsel zwischen Paula und ihrer Mutter, ein gekonntes Ausweichen von Onkel Rudy, wenn er nach seinem Bruder gefragt wird und die lange Zeitspanne, seit den Ereignissen von damals scheinen Paulas Unterfangen zum Scheitern zu verurteilen. Doch immer wieder sind es ein paar Zufälle, die Paula einen Schritt weiter bringen. Zufälle, die für den Leser teilweise eher Stolpersteine darstellen, denn sie scheinen reichlich weit hergeholt. Auch die Auflösung des Rätsels wirft bei näherem Hinsehen eher weitere Fragen auf, als geklärt werden.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

Dass die Protagonistin, die für die Epoche, in der sie sich bewegt, mit ihren 32 Jahren schon deutlich über die Jugend hinaus ist, sich vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan verwandelt, mag man der Autorin nachsehen. Die etwas verwinkelten Liebesgeschichten, die in den Plot eingeflochten sind, können ebenfalls durchaus etwas Würze in den Roman bringen. Allerdings fehlt der Geschichte das gewisse Etwas, das sie über den durchschnittlichen Mainstream hinaus heben würde. Einige Ereignisse sind etwas gar weit hergeholt, anderes ist zu stark in die Länge gezogen. Von der Autorin liegen wesentlich stärkere Werke vor. Dennoch dürfte dieser Roman mit einem unbestritten feinen Schreibstil und durchaus etwas Unterhaltungswert durchaus seine Anhängerinnen finden.

Ihre Meinung zu »Susanne Goga: Die vergessene Burg«

kessi67 zu »Susanne Goga: Die vergessene Burg«01.10.2018
Paula Cooper, mittlerweile 32 Jahre alt, lebt seit über zehn Jahren in Kings Langley, Hertfordshire bei einer Cousine. Dorthin hat ihre Mutter Margaret sie geschickt, um die kranke Harriet als Gesellschafterin zu unterhalten und zu pflegen.

Doch das war nicht der alleinige Grund, Paulas Mutter hat ein Geheimnis und davon darf Paula nie etwas erfahren.

1868 kommt Paula über Umwegen an einen Brief, der an sie gerichtet ist. Er ist aus Bonn von ihrem Onkel Rudy, von dem sie bis dato nichts wusste. Also hat ihr verstorbener Vater, über dem sie fast nichts weiß, einen Bruder.

Kurz entschlossen folgt sie seiner Einladung und macht sich auf den Weg nach Bonn an den schönen Rhein, um seinem Wunsch zu erfüllen. Er möchte seine Nichte noch einmal sehen, weil Rudy einen Herzanfall erlitten hat und er nicht weiß wie lange er noch leben wird. Paula ist seine einzig noch lebende Verwandte. Heimlich hegt sie die Hoffnung, von Onkel Rudy mehr über ihren Vater zu erfahren.

Vor ihrer Abreise hat Paula noch eine schwerwiegende Information erhalten, die sie nicht einzuordnen vermag.

In Bonn angekommen und nach anfänglicher Zurückhaltung, fangen Onkel Rudy und sie an sich zu mögen. Und noch mehr, in Onkel Rudy findet sie den väterlichen Ersatz, den sie nie hatte.

Paula erfährt, warum ihre Mutter nie von ihrem Onkel etwas erfahren hat. Aber da ist noch mehr. Margaret hat noch einen viel größeren schwerwiegenden Grund gehabt, warum sie so ein großes Geheimnis um Rudy und ihren verstorbenen Mann William gemacht hat. Paula sollte nie davon erfahren. Doch dieses Geheimnis lässt Paula nicht mehr zur Ruhe kommen und sie beginnt mit Hilfe von Onkel Rudy, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Während ihres Aufenthaltes in Bonn, lernt sie den Reisefotografen Benjamin Trevor kennen. Die beiden kommen sich näher und Benjamin entschließt sich, Paula bei ihren Recherchen zu unterstützen. Hegt auch er ein großes Geheimnis?

Nach und nach erfahren sie immer mehr verwirrende Informationen, die noch mehr Fragen aufwerfen.

Was ist damals wirklich mit Paulas Vater geschehen? Warum gibt es keine Erinnerungsstücke von ihm? Und warum hat Paulas Mutter sie belogen, sie weit weg von London in die ländliche Region zur Cousine geschickt, wo sie kaum Kontakt mit der Dorfgemeinschaft hatte?

So viele Fragen, die Paula endlich beantwortet haben möchte. Hätte sie nicht dieser eine Brief von Onkel Rudy erreicht, wäre alles geblieben wie es war. Doch nun kam es anders.



Meine Meinung:

"Die vergessene Burg" von Susanne Goga, ist ein historischer Roman, der mich begeistert hat. Ich liebe Romane mit Familiengeheimnissen, in denen die Protagonisten sich auf den Weg machen um diese zu lüften. Der Schreibstil in flüssiger und leicht, mit einem hohen Spannungsbogen, der mich als Leser mitgerissen hat. Der schöne Rhein und dessen Landschaft mit all seinen Sehenswürdigkeiten, wird sehr bildhaft in allen Formen beschrieben. Ohne das es vom eigentlichen Geschehen abweicht und es überlagert wird. Es ist als begibt man sich gemeinsam mit Paula auf eine Suche, Seite an Seite. So habe ich mich beim lesen gefühlt und darum bekommt dieses schöne Buch auch meine Leseempehlung.
leseratte1310 zu »Susanne Goga: Die vergessene Burg«22.09.2018
Paula Cooper wurde von ihrer Mutter Margaret vor vielen Jahren zu deren Cousine Harriet geschickt. Seither lebt sie ziemlich zurückgezogen in dem kleinen Ort Kings Langley, Hertfordshire. Harriet ist kränklich und genießt es umsorgt zu werden. Durch einen neugierigen Postboten erfährt Paula, dass ein Brief für sie angekommen ist. Den hat Harriet in Übereinkunft mit Margaret Paula vorenthalten. So erfährt Paula, dass sie einen Onkel hat, der in Bonn lebt. Rudy ist schwer erkrankt und möchte seine Nichte noch einmal sehen. Paula macht sich auf die Reise, um ihren Onkel kennenzulernen und mehr über ihren Vater zu erfahren, denn ihre Mutter schweigt beharrlich. In Bonn lernt sie den Fotografen Benjamin Trevor kennen, der sich mit ihr auf die Suche macht, um das Geheimnis von Paulas Familie zu ergründen.

Ich liebe die Bücher von Susanne Goga und auch dieses Buch hat mir wieder sehr gut gefallen.

Wir haben das Jahr 1868, als sich Paula auf die Reise macht. Reisen ist noch mit vielen Unbequemlichkeiten verbunden, aber das Reiseunternehmen Thomas Cook ist schon damals bemüht, das Reisen möglichst komfortabel zu gestalten. So kommt Paula nach Bonn, wo sich eine britische Kolonie angesiedelt hat. Sie sieht eine Landschaft, die nicht nur sie selbst fasziniert, sondern die auch ihren Vater vor vielen Jahren angezogen hat. Die Örtlichkeiten sind alle so gut beschrieben, dass man gleich Lust bekommt, auf Paulas Spuren zu wandeln. Aber auch die Menschen sind sehr gut charakterisiert.

Ich mochte Paula vom ersten Moment an. Sie hat sich hingebungsvoll um Harriet gekümmert und für sich selbst vom Leben nichts erwartet. Inzwischen ist sie 32 Jahre alt und für damalige Verhältnisse eine alte Jungfer. Da wirft ihr das Schicksal einen Ball zu und Paula greift mutig zu. Auch ihr Onkel Rudy ist ein ganz besonderer Mensch. Er ist warmherzig, großzügig und ein wenig exzentrisch. Obwohl er krank ist, will er Paula so viel bieten. Seinem langjährigen Freund Professor August Hergeth bereitet das Sorgen, denn Rudy übernimmt sich. Auch Benjamin Trevor hat mir gut gefallen, obwohl er sich erst einmal ziemlich danebenbenommen hat. Aber er unterstützt Paula sehr eifrig und immer, wenn sie in einer Sackgasse landen, tut sich doch wieder eine Tür auf. Nicht nur für Paula ist es wichtig, hinter das Geheimnis zu kommen, auch Rudy hat seinen Bruder schmerzlich vermisst und möchte wissen, was geschehen ist.

Über Paulas Mutter habe ich mich immer wieder aufgeregt. Wie kann sie ihrem Kind die Erinnerungen an den Vater vorenthalten indem sie ihn totschweigt.

Ich habe die Spurensuche durch das Rheintal sehr gerne begleitet, denn es waren ganz interessante Charaktere mit im Spiel und es war schön zu beobachten, welche Entwicklung Paula durchmacht.

Ich kann dieses wundervolle Buch nur empfehlen.
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